Schieflaufen kann immer etwas. So weit sind wir uns hoffentlich einig.

Ob es sich dann um eine Bagatelle oder um einen richtigen Betriebsunfall handelt, ist mit gesundem Menschenverstand vermeintlich schnell zu klären, auch wenn so manche Langzeitwirkung, positiv wie negativ, durch solche Ad-hoc-Entscheide vermutlich nicht erkannt werden kann – aber in the long run sind wir nach John Maynard ja sowieso alle dead, und dann trifft es eben eine neue Generation, die möglicherweise, so könnte man argumentieren, über ganz andere Mittel verfügt, solche Probleme zu lösen. Ein Problem von heute ist die Chance von morgen, sozusagen.

Etwas anders verhält es sich bei Institutionen oder Pakten, die nicht nur auf lange Frist angelegt sind, sondern deren explizites Ziel es ist, den Going Concern zu ermöglichen, die Fortschreibung des dauerhaft Positiven. Ist es demnach als kleiner oder als großer Betriebsunfall zu werten, dass ausgerechnet einer der großen Hedgefonds-Anbieter (hier: die fast 60 Milliarden US-Dollar schwere „Man Group“!), denen viele eine nicht unerhebliche Mitverantwortung an den Verfehlungen der Finanzbranche zuschreiben, plötzlich mit der Mitteilung überrascht, er habe die sogenannten UNPRI (von nachhaltigen Profis „IuÄnPiArEi“ ausgesprochen) unterzeichnet – die Prinzipien für verantwortliches Investieren der Vereinten Nationen? Ad hoc neigt man eher zur Kategorisierung als großer Betriebsunfall: Die bisherigen Nachhaltigkeitsrosarotmaler zeigen sich schockiert, mindestens desillusioniert. Und die ewigen Zweifler, die hinter dem Akronym schon immer einen bemitleidenswerten Feigenblattpakt vermuteten, fühlen sich bestätigt.

Doch gemach: Der Fall Man Group ist viel mehr Chance als Unfall. Immerhin lautet eines der sechs Prinzipien der UNPRI: „We will promote acceptance and implementation of the Principles within the investment industry.“ Es kann durchaus als Erfolg gewertet werden, dass Häuser, die scheinbar so gar nicht ins ESG-Raster passen, plötzlich nachweisen müssen, dass und wie sie es doch tun. Die Prinzipien haben so die Chance, jenseits des dichten Netzwerks der Nachhaltigkeitsgläubigen verbreitet zu werden – in neue, andere Netzwerke, und das auch noch viel schneller und effektiver.

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