14.03.2018 | Von BERNHARD RAOS

Institutionelle mögen steigende Zinsen

Investoren sind auf höhere Volatilität vorbereitet: Sie fokussieren auf alternativen Anlagen, ESG- und und Risikomanagement. Sagt eine aktuelle Studie

Natixis Investment Managers hat 500 institutionelle Anleger weltweit befragt, wie sie mit mehr Volatilität umgehen. Fazit: Institutionelle sind darauf vorbereitet. 78 Prozent erwarten, dass die Volatilität an den Aktienmärkten 2018 ansteigen wird. Deshalb verfolgen sie eine opportunistische Allokation in aktiv gemanagte und alternative Anlagen, um in diesem Jahr ihre durchschnittlichen langfristigen Renditeerwartungen von 7,2  Prozent erreichen zu können. Sieben von zehn Befragten setzen auf alternative Anlagen, um das Portfoliorisikos zu diversifizieren. Und über die Hälfte (57 Prozent) wollen so den breiteren Markt übertreffen.

Welches sind die besten alternativen Strategien für spezifische Portfolioziele? Die Antworten dazu: Als die besten Diversifikationsmöglichkeiten werden globale Makrostrategien (47 Prozent), Rohstoffe (41 Prozent) und Infrastruktur (40 Prozent) angesehen. Ersatz für festverzinsliche Anlagen bieten demnach u.a. Infrastruktur (55 Prozent) und Private Debt (47 Prozent).

Als am besten geeignet für das Management des Volatilitätsrisikos gelten Managed Futures (46 Prozent) und Hedged Equity (45 Prozent). Private Equity ist für 72 Prozent der Institutionellen die bevorzugte Möglichkeit zur Alpha-Generierung. Und Rohstoffe (56 Prozent) und Immobilien (46 Prozent) sind die besten Strategien zur Inflationsabsicherung.

Mehr aktive Allokationen

Marktumfragen sind bekanntlich nie selbstlos. Was Natixis hier besonders freut: Drei Viertel der institutionellen Anleger sind der Ansicht, dass das aktuelle Marktumfeld 2018 wahrscheinlich vorteilhaft für aktives Management sein wird. 57 Prozent erwarten zudem, dass aktive Strategien passive Ansätze auf lange Sicht übertreffen. Wobei aber 76 Prozent davon ausgehen, dass die Erzielung von Alpha in effizienter werdenden Märkten schwieriger wird. Mehr Ertrag ist auch nicht gratis zu kriegen: Drei Viertel wären bereit, höhere Gebühren für eine mögliche Outperformance zu zahlen.

Mehr ESG-Investments und andere Herausforderungen

Laut Studie werden ESG-Themen zum Mainstream. Drei von fünf Investoren berücksichtigen bereits ESG-Kriterien bei ihren Anlageentscheidungen. 59 Prozent sagen auch, dass mit ESG-Anlagen Alpha generiert werden kann. Und 56 Prozent sind der Ansicht, dass ESG-Anlagen Risiken mindern – wie Verlust von Vermögenswerten durch Rechtsstreitigkeiten, sozialen Unfrieden und Umweltschäden.

Eine andere grosse Herausforderung bleibt für institutionelle Anleger die Langlebigkeit. 85 Prozent der Versicherungsunternehmen, 78 Prozent der betrieblichen Pensionspläne und 76 Prozent der staatlichen Pensionspläne verweisen auf das Langlebigkeitsrisiko. Während der letzten zehn Jahre mussten institutionelle Anleger den Spagat zwischen niedrigen Zinsen und gleichzeitig steigenden Verbindlichkeiten sowie einem zunehmend regulierten Umfeld hinbekommen.

Natixis sieht mögliche steigende Zinsen als Lichtblick für viele institutionelle Investoren, da dies den Barwert ihrer Verbindlichkeiten senken würde. Dies ist einer der Gründe, warum Institutionen das Durationsmanagement als ihre Top-Strategie für die Navigation in einem Umfeld mit steigenden Zinsen nennen.

Strategien zum Management von Verbindlichkeiten sind jedoch keine einfache Lösung für Institutionen. So wollen 70 Prozent der Umfrageteilnehmer ein Verbindlichkeitsmanagement in ihre Portfoliostrategie aufnehmen. Allerdings zweifeln drei von fünf Befragten, ob Unternehmen ihre langfristigen Verbindlichkeiten auch erfüllen werden. Trotz der zunehmenden Beliebtheit von Strategien wie cashflowgetriebenes Investieren gaben sechs von zehn Befragten an, dass es einen Innovationsmangel bei LDI-Lösungen gibt.

Auch das ist Wasser auf die Mühlen der Berater. Gleichzeitig gibt Natixis Asset Management, eine Tochtergesellschaft von Natixis Investment Managers, noch einen Namenswechsel bekannt: Die Gesellschaft wird anfangs April in Ostrum Asset Management umbenannt und sich auf Investmentexpertise sowie die Bereiche Anleihen, Aktien und Versicherungen konzentrieren.

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