Angesichts des Niedrigzinsumfelds steigt der Ertragsdruck und damit die Bereitschaft von institutionellen Investoren, den Anteil von Alternative Debt in ihren Portfolios zu erhöhen. Das geht aus einer im April durchgeführten Befragung unter 141 institutionellen Investoren aus Deutschland hervor. Mit alternativen Krediten könnten Anleger “Millimeterarbeit am Portfolio” vornehmen und die Diversifikation erhöhen, sagte Jörg Schomburg, Head of Institutional Sales bei Axa Investment Managers bei der Vorstellung der Studie in Frankfurt am Main.

Für Rendite schlagen institutionelle Investoren “steinigen Weg” ein

Bei vielen institutionelle Investoren habe sich einiges in den vergangenen Jahren getan und sie versuchten angesichts des interessanten Rendite/Risiko-Profils den “steinigen Weg zu gehen”, erläutert Schomburg. Hohe beziehungsweise attraktive Renditen sowie die Möglichkeit, das Portfolio zu diversifizieren, nannten die Befragten entsprechend auch als Hauptargument für diese Anlageklasse. Laut der Studie wird Illiquiditätsprämie, also die Entschädigung für den Verzicht auf eine ständige Handelbarkeit, gesehen. Kritisch merkten die Anleger an, dass Alternative Debts komplex und mit einem hohen administrativen Aufwand verbunden sowie regulatorischen Anforderungen verbunden seien. Zudem weisen Alternative Debts ein asymmetrisches Risiko auf, was in der Praxis einen stärkeren Erklärungsaufwand beim Vorstand der Anlagegremien bedeutet.

Aktuell liegt der Anteil von Alternative Debt, worunter verschiedene Kredite wie Commercial Real Estate Loans (CREs), Infrastructure Debt, Private Debt , aber auch Collateralized Loan Obligations (CLOs) fallen, bei 1,9 Prozent. Bei einem Gesamtanlagevolumen von 662,6 Milliarden Euro aller Befragten, entspricht dies 12,59 Milliarden Euro. Wie aus der Analyse hervorgeht, planen die Anleger diesen Anteil aufzustocken. Binnen der nächsten 24 Monate wollen sie Alternative Debt auf 2,5 Prozent erhöhen, was einem Plus von 3,98 Milliarden Euro auf 16,57 Milliarden Euro entspricht.

Pensionskassen haben vergleichsweise Alternative Debts im Portfolio

Nach Anlegergruppen haben derzeit Altersvorsorgeeinrichtung und Pensionskassen mit 2,8 Prozent relativ betrachtet das meiste an Alternative Debt im Portfolio. Laut der Umfrage wird das auch so bleiben – sie wollen auf 3,4 Prozent aufstocken. Der Anteil bei Stiftungen liegt bei 2,1 Prozent und soll auf 2,6 Prozent zulegen. Bei den Pensionseinrichtungen großer Konzerne wird sich in den nächsten 24 Monaten vergleichsweise wenig ändern – hier wird von 1,7 Prozent auf 1,9 Prozent erhöht. Den niedrigsten Anteil haben Versicherer und diese Investoren wollen auch am stärksten nachlegen. Aktuell beträgt der Alternative Debt-Anteil hier 1,3 Prozent, soll aber auf 2,2 Prozent hochgefahren werden. “Die Zuflüsse würden wohl noch höher ausfallen, wenn die Anleger könnten, wie sie wollten”, sagt Schomburg. Das regulatorische Umfeld enthalte teilweise hohe Hürden.

Abgesehen von der mangelnden Transparenz, die die Reportings für Solvency II erschwert, weisen die verschiedenen Kredite, die unter den Sammelbegriff Alternative Debt fallen, auch unterschiedeliche Merkmale auf. Für CREs sind niedrigere Eigenkapitalhinterlegungen erforderlich als für Aktien, für CLOs hingegen deutlich höhere. Solvency II bestraft zudem kurze Laufzeiten. Hohe Durationen haben eher Infrastructure Debts. Die Solvenzkapitalanforderungen richtet sich wiederum an der Kreditqualität und damit werden lliquide Anlageklassen wie CREs oder Senior Secured Loans unter Solvency II genauso wie börsennotierte Anleihen behandelt, wie Schomburg erläutert.

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