Seit Infrastruktur eine eigene Anlagekategorie in der BVV 2 geworden ist, sind solche Investitionen in den Fokus vieler Schweizer Vorsorgeeinrichtungen gerückt. Die Umsetzungsentscheide wirken sich aber erheblich auf das Rendite-Risiko-Profil und den Liquiditätsgrad aus.

Infrastrukturanlagen sind aktuell beliebt, denn sie haben vorteilhafte Eigenschaften. Für die Umsetzung ist aber Knowhow erforderlich, warnt Sven Ebeling von Asset Servicing Switzerland der UBS: «Voraussetzung für einen erfolgreichen Einsatz ist eine vertiefte Auseinandersetzung mit den Eigenschaften und Eigenarten der Anlageklasse.» Seit dem 1. Oktober 2020 enthält Artikel 53 BVV 2 die neue und eigenständige Anlagekategorie Infrastruktur, deren Maximalquote in Art. 55 BVV 2 auf 10 Prozent limitiert ist. Damit gehen Investitionen in Versorgungs-, Verkehr-, Energie-, Kommunikations- und soziale Infrastruktur nicht mehr zulasten der Quote für alternative Anlagen.

Infrastrukturanlagen bieten Pensionskassen eine gute Diversifikation

Infrastrukturanlagen haben positive Diversifikationseigenschaften in Form von stabilen und mit traditionellen Anlagen wenig korrelierten Erträgen. Die BVV2 gibt jedoch keine Hinweise, welche Anlagen als Infrastruktur qualifizieren. Das Bundesamt für Sozialversicherungen (BSV) tut dies in seinen Erläuterungen und Stellungnahmen, weiss Ebeling: «Gemäss diesen Ausführungen sind entsprechende Engagements nicht auf das Inland beschränkt, umfassen sowohl Fremd- als auch Eigenkapital und können auch direkt als Einzelanlagen erfolgen, sofern sie im Verbund angemessen diversifiziert sind.»

Anlageverantwortliche sind gefordert

Kollektivanlagen gelten weiterhin als alternative Anlagen, falls sie einen Hebel aufwiesen, sprich Fremdkapital auf Stufe Kollektivanlage eingesetzt wird. «Dies ist eine Finesse, die in einigen Fällen noch Kopfzerbrechen verursachen dürfte, da die notwendigen Informationen nicht immer vorliegen. Fondsanbieter sollten dies daher im Factsheet offenlegen», rät Ebeling. Auch ist die Vielfalt die sich bietet weit grösser als bei einigen anderen Anlagekategorien. «Das ist eine Herausforderung, der sich die Anlageverantwortlichen stellen müssen.»

Infrastrukturanlagen erfordern diverse Umsetzungsentscheide, die beispielweise auf das Rendite-Risiko-Profil oder den Liquiditätsgrad einen nicht zu unterschätzenden Einfluss haben, fährt Ebeling fort. Er hat zehn Punkte herausgearbeitet, die Anlageverantwortliche bei Pensionskassen berücksichtigen sollten: Kotiert oder nichtkotiert, Direkt- oder Kollektivanlagen, Einzel- oder Dachfonds, Bestehende Infrastruktur (Brownfield) oder Entwicklungsprojekte (Greenfield), Öffentliche oder private Infrastruktur, Eigen- oder Fremdkapital, Inland oder Ausland, nach Sektoren und Regionen diversifiziert oder themenorientiert, Wahl des Anlagestils (Core, Value Add oder Opportunistic), Traditionell oder Anwendung von Nachhaltigkeitskriterien sowie Vor- und Nachteile.

Investitionen erzeugen stabile und vorhersehbare Cashflows

Infrastrukturanlagen werden zumeist mit einer Reihe von positiven Charakteristika verbunden, von denen der Anleger profitiert, wie etwa stabile und vorhersehbare Cashflows, die teilweise sogar einen Inflationsschutz bieten. Ob diese Vorteile tatsächlich zum Tragen kommen, hängt jedoch von der gewählten Umsetzung ab. Ebeling erläutert zudem weitere beachtenswerte Aspekte: «Die eingeschränkte Liquidität im Sinne der Veräusserbarkeit, die Komplexität hinsichtlich regulatorischer, operativer, technischer und politischer Risiken, die vergleichsweise geringe Transparenz, ein mögliches Klumpenrisiko sowie die aufwandbedingt allfällig höheren Vermögensverwaltungskosten sind alles Faktoren, die vor dem Investitionsentscheid zu analysieren sind.»

Erfolgsmessung ist unabdingbar

Wird in Infrastruktur investiert, ist eine möglichst faire und nachvollziehbare Erfolgskontrolle unabdingbar, betont Ebeling. So sehe sich wohl jede Vorsorgeeinrichtung mit der Wahl einer angemessenen Benchmark konfrontiert: «Hier gibt es mehrere Möglichkeiten, aber kaum ideale Lösungen. Es gilt somit, die jeweiligen Vor- und Nachteile abzuwägen.»

Die Vielfalt an Anlageoptionen sowie die spezifischen Aspekte und Risiken legen für Ebeling in jedem Fall eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Materie nahe: «Nur so können die gewünschten Anlageziele erreicht werden.»

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »