05.03.2018 | Von BERNHARD RAOS

Illiquid kann teuer werden

Anlagen in Infrastruktur, Immobilien oder Private Equity versprechen eine Illiquiditätsprämie. Stimmt das überhaupt?

Illiquide Anlagen können für institutionelle Investoren eine sinnvolle Portfolio-Ergänzung sein; Immobilien sind meist zentral für die Asset Allocation. Auf der Suche nach Rendite im Niedrigzinsumfeld wird häufiger auch in Infrastruktur, Private Equity oder in Hypotheken investiert. Immer in der Hoffnung auf eine Illiquiditätsprämie, die von den Produkteanbietern auch versprochen wird.

Wird dieses Versprechen eingelöst? Hansruedi Scherrer, Partner beim Schweizer Beratungsunternehmen PPCmetrics, warnt in einem Fachbeitrag für „Finanz und Wirtschaft“ vor übertriebenen Erwartungen: „Schaut man sich die effektiv erzielten Renditen grosser Pensionskassen auf ihren hoch illiquiden Anlagen an, dann wurden die Erwartungen in vielen Fällen verfehlt.“

Scherrer legt den Finger auf einen wunden Punkt. Weder in der akademischen Literatur noch in der Praxis existiere eine klare Vorstellung, wie hoch eine allfällige Illiquiditätsprämie denn sein solle. Sicher sei nur, dass die meisten illiquiden Anlagekategorien in Sachen Vermögensverwaltungskosten oben aus schwingen würden. Tatsächlich weisen Private Equity und Infrastrukturinvestments nicht selten eine Ter von 5 bis 6 Prozent pro Jahr aus. Solche Anlagen müssen sehr gut performen, dass sie sich auch für den Investor rechnen.

Blindflug und Prinzip Hoffnung

Ein Fragezeichen macht Scherrer auch bezüglich der Diversifikationseigenschaften. In der Finanzkrise 2008 hätten viele Investoren realisiert, dass die Bewertungen illiquider Anlagen in den Büchern und die realen Marktpreise „nur eine entfernte Ähnlichkeit aufwiesen.“ Die Risiken seien zudem auf lange Dauer mindestens so hoch wie bei liquiden Anlagen. Vom vermeintlichen Diversifikationseffekt bleibe meist nichts mehr übrig. Und: „Ob eine Position tatsächlich zum Modellpreis verkauft werden kann, merkt man erst, wenn man es versucht.“

Ein weiterer heikler Punkt: Unter Umständen muss sich ein Investor bei illiquiden Anlagen auf eine Anlagedauer von zehn und mehr Jahren verpflichten. Während dieser Zeit kann er den zuständigen Portfolio Manager aus vertraglichen Gründen, auch dann nicht wechseln, wenn es nötig wäre. Oder wie es Scherrer zuspitzt: „Bei einem hohen Anteil illiquider Anlagen muss man sich auf einen jahrelangen Blindflug ohne Reaktionsmöglichkeit in einem erheblichen Teil des Portfolios einstellen.“

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