Die Festlegung der Diskontrate für Pensionsverbindlichkeiten anhand von nur sechs Emittenten verzerrt die Realität, schreibt Martin Thiesen, und fordert mehr Breite.

Einer Beispielrechnung von Mercer zufolge hat die Entwicklung der IAS-Diskontrate 2012 allein bei den Dax-30-Unternehmen zu einem aktuariellen Verlust von geschätzt 40 Milliarden Euro geführt. Diese Verluste wurden für einige Unternehmen bereits im Eigenkapital verbucht, die anderen wird dies spätestens mit dem Wegfall der Korridor-Methode 2013 ereilen. Die bilanzierenden Unternehmen wundern sich zunehmend über den Bereich der akzeptablen Diskontraten und die Volatilität, die vermeintlich so stabile Pensionsverbindlichkeiten aufweisen. Selbst Ausfinanzierung und stringente Ausrichtung der Kapitalanlage auf die Verbindlichkeiten sind kein Garant mehr für Stabilität.

Führt der Wegfall aus dem Universum durch Rating-Herabstufung eines einzigen Emittenten im Universum zu einem Sprung von 30 Basispunkten in der Diskontrate und somit zu einer Erhöhung der Pensionsverbindlichkeiten um mehr als 5 Prozentpunkte, kann wohl nicht mehr von einer „besten Verfahrensweise“ gesprochen werden. Sind zudem aktuell Unterschiede von bis zu 150 Basispunkten der Diskontrate verschiedener Unternehmen zu beobachten, kann man auch nicht mehr von einer Vergleichbarkeit von Bilanzen ausgehen. Ist aber nicht gerade dies eines der grundlegenden Prinzipien der IFRS?

quoteDurch die Berücksichtigung von A- und BBB-gerateten Anleihen erhielte man die Diversifikation zurück, die eine gewisse Stabilität der Diskontrate gewährleisten kann.

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Wenn eine Auslegung 20 Jahre alt ist, ursprünglich für US-GAAP getroffen wurde und sich seitdem die Welt verändert hat, dann sollte man prüfen. In den letzten neun Monaten hat sich das Emissionsvolumen um 25 Prozent reduziert. Derzeit stützt sich das lange Ende (Laufzeit zehn Jahre und länger) nur noch auf sechs Emittenten und circa fünf Prozent des Gesamtindexes. Für Pensionsverbindlichkeiten mit Sensitivitäten deutlich jenseits zehn Jahren ist das lange Ende entscheidend für die Bewertung.

Eine Erweiterung des Universums auf den gesamten Investment-Grade-Bereich der Unternehmensanleihen ist die einzige Lösung. Durch die Berücksichtigung von A- und BBB-gerateten Anleihen erhielte man die Diversifikation zurück, die eine gewisse Stabilität der Diskontrate gewährleisten kann. Eine Erweiterung nur um A-Anleihen würde kurzfristig gewisse Entspannung bedeuten. Langfristig aber, mit der Erwartung weiterer Bonitätsherabstufungen, wird dies nicht die erhoffte Stabilität bringen. Die Interpretation des Diskontsatzes als „Average refinancing Cost of a Corporate Pension Sponsor“ wird durch Investmentgrade sehr gut abgebildet und ist besser geeignet als die Beschränkung auf AAA und AA.

Der Autor ist Global Head of Liability Driven Solutions, DB Advisors, Deutsche Bank.

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