Die Schweizer Ratingagentur Independent Credit View (I-CV) überprüft jährlich die Kreditqualität von Industrienationen und Schwellenländern. In diesem Jahr gibt es zwei Upgrades und einen Downgrade.

Die unabhängige Research Boutique für institutionelle Bondinvestoren gibt Aufschluss darüber, in welchen Regionen sie angesichts des sehr weit fortgeschrittenen Kredit- und Konjunkturzyklus’ ein chancenreiches Umfeld vorfinden beziehungsweise wo Vorsicht geboten ist.

Gute Nachrichten gibt es dabei aus der Europäischen Union. Finnland (AA+) und Griechenland (B+) wurden aufgrund der jeweils verbesserten Fiskalsituation (Primärüberschuss, Schuldenreduktion) hochgestuft.

Der deutschsprachige Raum bleibt unverändert stabil. „Während Deutschland und die Schweiz die Bestnote AAA verteidigen konnten, ist Österreich mit AA geratet“, so René Hermann, Lead-Autor der I-CV Länderstudie 2019. Zusammen mit Nordeuropa bleibt die D-A-CH-Region führend im Rating-Universum von I-CV. Außerhalb Europas hat lediglich Singapur die Bonität AAA erhalten. Hongkong erfuhr wegen einer Verschlechterung der politischen und sozialen Rahmenbedingungen ein Downgrade auf A+.

Europa profitiert von Haushaltsdisziplin

Die anhaltende Haushaltsdisziplin in Europa stützte die Kreditprofile der Länder. Viele Staaten weisen positive Primärbilanzen aus, profitieren von tiefen Zinskosten und sind innerhalb der 3-Prozent-Defizitgrenze. Durch die erneute Unterstützung der Zentralbanken hat sich die Lage entschärft. Doch zu hohe Haushalts- und Unternehmensschulden dürften sich unter diesen Rahmenbedingungen weiterhin als problematisch erweisen. Es bestehe zudem die Gefahr, dass sich die Staaten zu sehr auf das billige Geld verlassen und sich zu wenig auf adverse Entwicklungen (Abschwächung des Wirtschaftswachstums, plötzlicher Zinsanstieg, Inflationsschub) vorbereiten. Investoren werden dabei weiter in höhere Risiken und Spezialinstrumente getrieben, so Hermann.

Laut der Länderstudie nimmt der absolute Schuldenstand global immer noch zu. Haupttreiber sind Unternehmen, Haushalte, die USA sowie Schwellenländer – insbesondere China. Die relative Verschuldung, gemessen am BIP, lag im ersten Quartal 2019 bei 238 Prozent versus 185 Prozent im Jahr 2008. Schulden wachsen schneller als die Wirtschaft und erweisen sich als beständiger. Damit ist die Gefahr von Fehlallokationen und Blasenbildung weiterhin imminent, warnt I-CV.

 Implikationen für Bondinvestoren

Die sich abzeichnende wirtschaftliche Verlangsamung in Europa, aber auch in diversen Schwellenländern, hat das Potential, das Zeitfenster für eine politisch verträgliche Reduktion der Schuldenquoten abrupt zu schließen. Es werde eine höhere Volatilität durch hoch verschuldete Unternehmen und Haushalte entstehen. „Ungemach droht, wenn Investoren ‚in Vergessenheit‘ geratene Risiko- und Illiquiditätsprämien einfordern“, sagt Hermann.

Anleger müssen ie außergewöhnliche Situation im Auge behalten. Erstens versuchen Notenbanken, die natürlichen Wirtschaftszyklen auszuschalten. Zweitens beflügeln die Nullprozentpolitik und das QE weiterhin den Risikoappetit der Anleger und drittens destabilisieren tiefe Einlage- und Kreditzinsen den Banken- und Unternehmenssektor.

Der Fokus müsse in diesem Umfeld auf Qualität und Liquidität liegen. “Entsprechend sollten Anleger Länder bevorzugen, die eine vernünftige, antizyklische Fiskalpolitik, eine breit abgestützte Wirtschaft, stabile politische Verhältnisse und hohe Scorewerte im Bereich Governance und Soziales (ESG) aufweisen”, heißt es.

Einen negativen Bonitätstrend sieht I-CV bei den USA, Australien, China/Hongkong, Südafrika, Türkei, Italien und der Slowakei, während Dänemark, Finnland, Österreich, Kanada, Ungarn sowie Thailand positive Entwicklungen attestiert werden.

 

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