31.08.2016 | Von Bernhard Raos

Hände weg von Staatsfonds

Weil bei Staatsfonds zu viel Politik im Spiel ist, rät das Schweizer Vermögensberatungsunternehmen PPCmetrics von der Errichtung solcher Vehikel ab.

Staatsfonds verfolgen unterschiedliche Interessen und Ziele, die sich nicht selten widersprechen. Ein Konsens auf breiter Basis ist deshalb unwahrscheinlich. „Damit fehlt aber die Grundlage für die Neuauflage eines Staatsfonds“, halten Andreas Reichlin und Diego Liechti vom Vermögensberatungsunternehmen PPCmetrics in ihrem Beitrag für das Fachmagazin „Die Volkswirtschaft“ (Nr. 7/2016) fest. Sowohl in der Schweiz wie auch in Deutschland wird bekanntlich über die Errichtung eines Staatsfonds diskutiert.

Die beiden Experten haben die zehn grössten Staatsfonds analysiert, die rund drei Viertel des Vermögens aller Staatsfonds verwalten. Das Vermögen aller Staatsfonds wird auf 6,5 Billionen Euro geschätzt. Mit Ausnahmen des Grössten, dem norwegischen Staatsfonds, sind alle anderen der Top Ten im asiatisch-arabischen Raum beheimatet.

Ihr Kapital stammt bei der Hälfte aus Ölverkäufen. Gewichtige Finanzierungsquellen sind Verkäufe anderer Rohstoffe, die Verpachtung von Ländereien zur Rohstoffförderung oder auch der Verkauf von Staatsunternehmen und Handelsbilanzüberschüsse.

Was die Staatsfonds mit ihren Vermögen machen, ist sehr unterschiedlich: Einige verstehen sich als Stabilitätsfonds für die Zeit, wenn die Rohstoffquellen weniger sprudeln oder ganz versiegen. Andere sind als Sparfonds für künftige Generationen konzipiert, um starke Aufwertungen der heimischen Währung wegen Rohstoffverkäufen zu vermeiden. Oder es geht darum, höhere Renditen auf den Devisenreserven zu erzielen, ausgewählte Industrien zu fördern und Pensionsverpflichtungen sicherzustellen.

Grosse Unterschiede bei der Vermögensanlage

Bei den zehn grössten Staatsfonds ist keine einheitliche Anlagestrategie erkennbar. Die Analyse wird zusätzlich erschwert, weil viele der Vehikel wenig transparent sind. Eine Untersuchung von Dyck und Morse aus dem Jahr 2011 zeigte, dass Staatsfonds im Vergleich zu Pensionskassen vermehrt in illiquide Anlagen wie Privat Equity investieren. Zusätzlich fliesst viel Staatsgeld in inländische Kapitalanlagen, speziell in Firmen aus der Finanzbranche. Was die These stützt, dass Staatsfonds oft als „Lender of Last Resorts“ fungieren.

Weitere Erkenntnisse aus der PPCmetrics-Auswertung: Es gibt keine „typische“ Asset Allokation von Staatsfonds. So setzt der norwegische Staatsfonds zu 60 Prozent auf Aktien, während sich der Hongkong-Fonds mit 18 Prozent begnügt. Bei alternativen Anlagen inklusive Immobilien variiert die Quote zwischen 5 Prozent (Norwegen) und 38 Prozent (China).

Es sind mehrere Gründe, welche die Autoren gegenüber Staatsfonds skeptisch stimmen. So basieren Devisenreserven in der Regel auf dem „Drucken von Geld“. Den Anlagen steht eine Verpflichtung in Form der Geldmenge gegenüber. Bedeutende Beteiligungen an ausländischen Unternehmen können zu politischen Konflikten führen. Zudem bergen staatliche Investitionen immer auch die Gefahr von Planwirtschaft.

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