Eine Analyse des europäischen Hedgefonds-Marktes zeigt, welche Strategien bei institutionellen Investoren gefragt sind.

Das Interesse an Hedgefonds ist im zweiten Halbjahr 2012 ständig gestiegen. Dabei zeigt sich, dass sich Anleger von Aktienstrategien abwenden und vermehrt in Credit, Macro und Event Driven investieren. Das belegen die Daten von MandateWire. In Europa gab es in dem Zeitraum sieben Manager Searches sowie drei neue Mandate für Hedgefonds. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr gab es fünf Ausschreibungen sowie ein neues Mandat.

Einen Anstieg der Assets erwartet Ian Morley, Berater beim britischen Consultant AllenbridgeEpic. ,,Hedgefonds verzeichneten 2012 Zuflüsse. Wir rechnen damit, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird, da sich die Investoren vermehrt riskanten Anlagen zuwenden, um die Auswirkungen der Niedrigzinsen auf die Portfolios zu mindern“, sagt er.

Der Trend hat auch mit einer veränderten Investorenbasis zu tun. „Das Geschäft bei Hedgefonds wird nicht mehr von Dachfonds beherrscht, sondern zunehmend von großen Institutionellen, die direkt investieren. Diese Investoren nutzen die Branche auf andere Art und setzen stärker Hedgefonds ein, um ihre Anlageziele zu erreichen“, sagt Peter Laurelli vom US-Datenbankanbieter eVestment. Seine Beobachtung: „Wenn Investoren bereits Long-Only-Positionen in Aktien haben, so suchen sie weniger nach aktienorientierten Hedgefonds, weil sie im traditionellen Portfolio schon ein hohes Beta erreichen. Die Mehrheit der direktionalen Equity-Strategien wies in den vergangenen Jahren ein Beta auf “, so Laurelli weiter. Aus diesem Grund suchen Investoren jetzt nach Credit- und Macro-Strategien.

„Multi-Strategy- und Event-Driven-Hedgefonds konnten ebenfalls beträchtliche Zuflüsse verbuchen“, sagt Tim Gascoigne, Leiter Alternative Investments bei Allenbridge Investment Solutions. „Das Geld wurde aus Long/Short Equity abgezogen, da Investoren die Performance hier als enttäuschend empfunden haben.“ Dem aktuellen Hedgefund Outlook von Allenbridge zufolge flossen 2012 zwei Drittel der neu investierten Gelder in diese beiden Strategien. Auch bestätigt er, dass viel Geld in Credit-Strategien investiert wurde. „Dabei konnten spezielle Credit-Strategien zwar Zuflüsse verbuchen. Wesentlich mehr Nachfrage verzeichneten jedoch Manager, die mit Multi-Credit-Strategien arbeiten“, erläutert Gascoigne.

Das Volumen bei Credit-Strategien nimmt zu. Im Oktober 2012 übertraf das verwaltete Vermögen in diesen Ansätzen erstmals das von Equity-Strategien. Die Zuflüsse und die gute Performance deuten darauf hin, dass es sich hierbei nicht um ein kurzfristiges Phänomen handelt. „Credit-Strategien erzielten im vergangenen Jahr sehr gute Ergebnisse. Die Performance lag bei rund 11,9 Prozent“, erklärt Peter Laurelli von eVestment.

Morley von AllenbridgeEpic geht von weiteren Zuflüssen bei Credits in den kommenden Monaten aus, während sich die Macro- und Event-Driven-Strategien im weiteren Jahresverlauf als Highlights erweisen dürften. „Diese Strategien entwickelten sich 2012 etwas enttäuschend, da die Märkte durch die Politik dominiert wurden. Ich rechne aber damit, dass 2013 die Börsen stärker durch die Anlegerstimmung beeinflusst werden. Schon jetzt haben die Märkte im ersten Monat des Jahres zugelegt, ohne dass sich die Fundamentaldaten geändert haben“, sagt er.

Das UK-Beratungshaus erwartet 2013 Zuflüsse auch bei den Trendfolgestrategien. „Falls sich die für dieses Jahr erwarteten wirtschaftlichen Veränderungen einstellen, so dürften die Anleiherenditen steigen, die Spreads zunehmen und die Aktienmärkte laufen“, sagt Gascoigne. Die Erwartung  dieser Veränderungen könnte zu einer starken Performance der Trendfolgestrategien führen.

Lisa Botter ist Redakteurin bei MandateWire, einem digitalen Service der Financial Times für Asset Manager.

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