Pensionskassenvermögen wachsen aus demografischen Gründen nicht unendlich. Das hat Folgen.

Wann erreicht das Pensionskassenvermögen seinen Kulminationspunkt? Dieser Frage geht eine neue Studie der Grossbank UBS  für den Schweizer Markt nach. Das Autoren-Duo Veronica Weisser und Tobias Knoblich sieht den langfristigen Wendepunkt vor 2045 eintreten, sollten „die gesamthaft erwirtschafteten jährlichen, nominalen Renditen schrittweise auf unter 2,8 Prozent fallen“.

Es gibt da allerdings einige „Wenn“ und „Aber“: In der aktuellen Tiefzinsphase entschleunigt sich das Wachstum der Vermögen seit 2013. Ob und wann ein Wendepunkt in der Vermögensentwicklung eintritt, hängt laut Studie massgeblich vom gewählten Demografie-Szenario und dem Renditeverlauf ab.

Konkret: Für Kassen mit hohen Rentnerzahlen geht es in der Regel früher abwärts als bei „jungen“ Vorsorgeeinrichtungen. Übersteigen nämlich die Abflüsse für die Rentenleistungen die Zuflüsse aus den Beiträgen der Versicherten und der erwirtschafteten Renditen, schrumpfen die Vermögen und damit die Risikofähigkeit. Was wiederum die künftigen Renditen beschränkt. Es drohen ständige Sanierungsmassnahmen. Vor allem, wenn die technischen Parameter wie der Umwandlungssatz falsch gesetzt sind. Dies führt zudem zu Umlageeffekten von den Aktiven zu den Rentnern.

Höhere Renditen helfen

Bei jährlichen Renditen von 5 Prozent wäre hingegen unabhängig vom Demografie-Szenario weiteres Wachstum der Vorsorge-Vermögen sichergestellt. „ Inflation, verbunden mit einer robusten wirtschaftlichen Entwicklung, zeigt sich als Retter der 2. Säule“, heisst es in der Studie. Die Lohnsumme würde so schneller ansteigen und nominale Renditen würden höher ausfallen. Das wiederum freut die Kassen und Aktiven mehr als die Rentner, denn mit der Inflation werten die Renten real ab und die Umverteilung wird gemildert.

Welche Renditen langfristig realistisch sind, dazu will sich die Grossbank nicht festlegen: „Gesicherte Aussagen zur Entwicklung der Finanzmärkte in den kommenden 20 bis 30 Jahren sind nicht möglich.“ Für die nächsten fünf bis sieben Jahren wagen die Autoren eine Prognose. Ein solides Weltwirtschaftswachstum und eine moderate Inflation vorausgesetzt, lasse sich mit breit diversifiziertem Portfolio in Schweizer Franken bei mittlerem Risiko von 40 bis 50 Prozent Aktien eine durchschnittliche Rendite von 3,3 Prozent erzielen. Um jährlich 4,5 Prozent zu rentieren, brauche es ein höheres Risiko mit 60 bis 65 Prozent Aktien. Ein solches Portfolio entspricht zurzeit nicht den Anlagerichtlinien.

Zweitrundeneffekte belasten

Die Deckungsgrade der Pensionskassen dürften früher fallen, als durch den Wendepunkt beim Gesamtvermögen angedeutet. In diesem Fall werden die Vorsorgeeinrichtungen frühzeitig zu Sanierungsmassnahmen greifen, was die Negativspirale hinauszögert. Aber nur mittelfristig, denn bei sinkenden Vermögen wird auch die Anlagestrategie weniger risikobehaftet. Was wiederum das Ertragspotenzial begrenzt und den Vermögensschwund beschleunigt. Diese Zweitrundeneffekte bringen „eine erhöhte Unsicherheit bezüglich der künftigen Entwicklung und können die Negativspirale verstärken.“

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