01.11.2018 | Von BERNHARD RAOS

Fünf Megatrends und ein grosses Aber

Die Schweizer Grossbank UBS identifiziert fünf Megatrends für die globalen Märkte. Vorausgesetzt, bestehende Handelskonflikte weiten sich nicht unkontrolliert aus.

“Nach unseren eigenen Rechenmodellen ist eine Rezession in den nächsten 18 Monaten unwahrscheinlich”, erklärt Erin Browne, Head of Asset Allocation bei UBS-Asset Management. Die jüngste Dämpfung wertet sie nicht als Vorbote eines bedeutsamen Nachfragerückgangs, dafür sei die Geldpolitik noch zu expansiv. Erster Megatrend daher: Keine Rezession in Sicht – Globales Wachstum stabilisiert sich.

Allerding hält sich auch Browne ein Türchen offen: “Ein Risiko besteht im Handelskonflikt zwischen den USA und China – und zwar genau dann, wenn vor dem Hintergrund politischer Unsicherheiten im Euroraum und in ausgewählten Schwellenländern der Konflikt über die jüngsten Ankündigungen hinaus deutlich eskaliert”.

Sollten die US-Sanktionen greifen, müsse China seine Wirtschaft komplett neu auszurichten sowie die Verschuldung und die Risiken im Finanzsektor deutlich reduzieren. Negativ wäre auch ein unerwartet schneller Anstieg von Inflation und Zinsen in den USA. Doch keines dieser Szenarien entspricht der Basisannahme von UBS Asset Management.

Höhere Volatilität als zweiter Megatrend

Die Grossbank geht von einem generellen Anstieg der Volatilität bei allen US-Anlageklassen aus. führen. Trotz realer Zinssätze um den Nullpunkt entwickle sich die US-Geldpolitik allmählich weniger expansiv. Dies dämpfe den Risikoappetit der Investoren und die Volatilität dürfte zunehmen. Werden die Zinsen in den USA angehoben, führt dies historisch betrachtet nach zweieinhalb Jahren zu erhöhter Aktienmarktvolatilität. Das zeigt sich aktuell wieder: So sind die Finanzierungskosten für die Schwellenländer seit Mitte des Jahres deutlich gestiegen  zweieinhalb Jahre nachdem der US-Leitzins erstmals wieder angehoben wurde.

Höhere Inflation und Anleiherenditen

Browne spricht im Nachgang zur Finanzkrise vom „Lower for longer“-Narrativ mit niedriger Inflation und niedriger Zinssätze, getrieben von strukturellen Faktoren wie Globalisierung, reichlich vorhandener Notenbankliquidität, Demografie und Technologie. Diese Gemengelage führte zu anhaltendem Abwärtsdruck auf die nominalen Anleiherenditen und zu sehr niedrigen Volatilitätsniveaus in allen globalen Anlageklassen. Seit der zweiten Jahreshälfte 2016 bahne sich nun eine Änderung an und die Renditen zehnjähriger nominaler Staatsanleihen aus wichtigen entwickelten Volkswirtschaften tendierten allgemein höher. Als dritten Megatrend bezeichnet UBS-AM denn auch eine moderat höhere Inflation und Anleiherenditen.

Protektionismus nimmt wieder zu

Zunehmend kritischer wird die Globalisierung gesehen und etablierte politische Strukturen geraten ins Wanken. Stichworte dazu sind die Trump-Regierung in den USA, das britische Brexit-Votum sowie eine Anzahl europäischer Wahlen in jüngster Zeit. Der Protektionismus nimmt als weiterer Megatrend zu und die geopolitischen Risiken steigen.

Gleichzeitig – und das ist der fünfte Megatrend – driftet die Geldpolitik der USA, Europa und Japans auseinander. So hat sich der Kontrast zwischen der anhaltenden Wirtschaftskraft und den Preissteigerungen in den USA und der wesentlich schwächeren Wachstums- und Inflationsdynamik in anderen wichtigen Volkswirtschaften verstärkt. Die UBS geht davon aus, dass angesichts der relativ schwachen Daten aus den Industrieländern ausserhalb der USA die Geldpolitik sowohl im Euroraum als auch in Japan noch längere Zeit locker bleiben dürfte.

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