Warnende Worte der BIZ zur Abhängigkeit von Zentralbanken.

Auf Europa wollten sie nicht setzen. Die paar hundert Finanzprofis, die per Knopfdruck auf der diesjährigen „Uhlenbruch Jahrestagung Portfoliomanagement“ in Frankfurt über das Investmentthema der Dekade abstimmen sollten – und sich dabei für eine der verschiedenen vorgegebenen Optionen entscheiden mussten. Das würde jetzt, wenige Tage nach dem überraschenden „Nein“ der Briten zu Europa nur noch wenige erstaunen, doch gaben die Investoren, Portfolio Manager und Vertriebsexperten ihr Votum gut zwei Wochen vor der Brexit-Abstimmung ab. Zu dem Zeitpunkt, als zwar klar war, dass die Abstimmung eng werden würde. Doch ein Ja der Briten zur EU immer noch als wahrscheinlich galt.

Mit 36 Prozent stimmten die meisten im Saal anwesenden Finanzprofis für die Option „die Emerging Markets liefern einen fulminanten Rebound“. Dahinter wurde am zweithäufigsten die Vorhersage ausgewählt, dass „in Zeiten der Unsicherheiten Gold die beste aller Anlagen ist“. Ein Umfeld, in dem Harald Sporleder, der bei Allianz Global Investor unter anderem das europäische Long/Short Equity Team leitet, auf der Tagung von „manipulierten Asset-Märkten“ sprach und damit auf die vergangenen Jahre anspielte, in denen vor allem die Europäische Zentralbank (EZB) durch eine immer stärker gelockerte Geldpolitik in die Finanzmärkte eingegriffen hat. Nach Staatsanleihen kauft sie jetzt auch noch Unternehmensanleihen. Michael Fraikin, Leiter Resarch im Bereich Quantitative Strategies bei Invesco, sagte vor dem Hintergrund abwägend: „Ich halte die Aktie für das kleinste Übel.“ Mit anderen Worten: Die Risikoprämie der Aktie ist am wenigsten verfälscht.

Die Wette auf die Schwellenländer scheint gewagt in Zeiten, in denen die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich – die „Bank der Zentralbanken“ – vor einer Überforderung der Notenbanken warnt. BIZ-Generaldirektor Jaime Caruana sagte am Sonntag bei der Präsentation des Jahresberichts: „Die große Last, die den Zentralbanken in den vergangenen Jahren seit der Finanzkrise auferlegt wurde, beginnt, sie zu überfordern. Die Finanzmärkte, aber auch die Öffentlichkeit haben sich in eine wachsende Abhängigkeit der Zentralbanken begeben mit immer weiter steigenden Erwartungen, was Geldpolitik ausrichten kann.“

Auch direkt nach der Entscheidung der britischen Wähler, aus der EU auszutreten, hatten die Zentralbanken direkt zugesichert zusammenzuarbeiten, um den starken Kursreaktionen an den Finanzmärkten gegenzusteuern und das Finanzsystem zu stabilisieren.

Wie im Jahresbericht deutlich wird, erwarten die BIZ-Volkswirte eher das Gegenteil eines Rebounds in den Schwellenländern. Denn dort steuerten die Finanzzyklen auf ihren Höhepunkt zu, warnen sie mit Blick auf den starken Kurseinbruch an Chinas Aktienmärkten. Gleichzeitig verlangsame sich das Wirtschaftswachstum, während sich der US-Dollar als Folge einer strafferen Geldpolitik verteuert habe. Es komme zu einer direkten, negativen Rückkopplung zwischen schwächerer Landeswährung und den Finanzierungskonditionen der in US-Dollar verschuldeten Staaten.

Blickt man nur auf die Performance der Schwellenmärkte, gibt es allerdings genug Potenzial nach oben: Der MSCI Emerging Markets Index ist in den vergangenen zwölf Monaten um 18,9 Prozent gefallen. Von der auf der Tagung angesprochenen Dekade hat er die ersten fünf Jahre mit einem Minus von 27,8 Prozent abgeschlossen. Auf Zehnjahressicht ist er seit Juni 2006 allerdings um gut 15 Prozent gestiegen. Vielleicht ist das der Rebound, auf den die Finanzprofis in Frankfurt setzen.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »