14.02.2020 | Von Antje Schiffler

Fidelity: ESG rückt ganz nach oben auf der Unternehmensagenda

Aus der jährlichen Umfrage unter den hauseigenen Analysten geht hervor, dass Europa zwar bei ESG-Themen weiterhin den Ton angibt. Aber auch in China und den USA nimmt die Bedeutung zu.

Bildquelle: Alberto Masnovo/iStock/GettyImagesPlus

Das Jahr 2020 wird zum „Point of no Return” in Sachen Nachhaltigkeit. Zu diesem Schluss kommen die Analysten von Fidelity International. Laut der jährlichen Umfrage entdecken Unternehmen weltweit zunehmend, dass sie nicht nur das Richtige tun, wenn sie ESG-Faktoren berücksichtigten, sondern auch, dass sich ein solches Verhalten wirtschaftlich lohnt.

Rund 90 Prozent der Analysten von Fidelity berichten, dass nahezu alle von ihnen beobachteten Unternehmen ESG-Themen mehr Beachtung schenkten als im Vorjahr. 2019 gaben dies nur 70 Prozent an. Die Veränderung sei in den meisten Branchen und allen Regionen spürbar.

Fortschritte bei der Unternehmensführung

Insgesamt gibt es beim Thema Governance (Unternehmensführung) Verbesserungen, die auf die stärkere Einflussnahme der Investoren weltweit zurückzuführen sind, heißt es weiter. Weniger Fortschritte haben die Unternehmen jedoch in punkto Diversität in der Vorstandsebene und im Aufsichtsrat gemacht. So berichten die meisten Analysten, dass die Vielfalt in den Führungsgremien ihrer Unternehmen im unteren bis mittleren Bereich liege. Gegenüber dem Vorjahr habe sich in dieser Hinsicht kaum etwas bewegt.

Wachsendes Bewusstsein in China und den USA

Auch außerhalb Europas gewinnt die ESG-Thematik an Fahrt: 80 Prozent der Analysten in China berichten in diesem Jahr über mehr Aufmerksamkeit für in einigen beziehungsweise allen ihren Unternehmen. Das ist ein großer Anstieg gegenüber 63 Prozent in der Umfrage vom letzten Jahr und 33 Prozent im Jahr 2018.

Auch in Kanada und den USA nimmt das Interesse an Nachhaltigkeit zu. Etwas mehr als 90 Prozent der Analysten geben an, dass ESG-Themen bei einigen oder allen ihren Unternehmen inzwischen einen größeren Stellenwert genießen als im Vorjahr: 2019 sagten dies lediglich 57 Prozent.

Quelle: Fidelity Analystenumfrage 2020

Stimmungsbarometer weltweit hauchdünn im Positivbereich

Die Analysten gehen für dieses Jahr von einem nur leicht verbesserten Geschäftsumfeld aus. Zu einer Rezession dürfte es auch in diesem Jahr nicht kommen, so die Einschätzung. Dafür sollten niedrige Zinsen, die Erholung im Welthandel und der nach wie vor starke Konsum sorgen. Nur 36 Prozent der Analysten gaben an, dass sich ihre Unternehmen auf das Ende des Zyklus vorbereiten. 2019 waren es noch 49 Prozent.

Stattdessen wird von einem insgesamt ruhigeren Jahr für die Unternehmen ausgegangen, auch wenn die geopolitischen Risiken anhalten sollten und die Folgen des Coronavirus noch unklar sind. Die Analysten hatten für 2019 das Ende des synchronen Wachstums und das Ausbleiben einer Rezession richtig vorhergesagt.

„Seit Anfang 2019 haben die Rezessionsängste deutlich nachgelassen. Das gilt vor allem für China, wo lediglich 27 Prozent unserer Analysten angeben, dass sich ihre Unternehmen auf das Ende des Zyklus vorbereiten – ein deutlicher Rückgang nach 70 Prozent im letzten Jahr”, sagt Fiona O’Neill, stellvertretende Leiterin des Aktien-Researchs bei Fidelity International.

So deuten die Umfrageergebnisse zu den Investitionsplänen und die überraschend gestiegenen Einstellungsabsichten in allen Branchen und Regionen darauf hin, dass viele Unternehmen eine Verlängerung des Zyklus für möglich halten.

„Die derzeit große Unbekannte ist das Coronavirus: Zu Dauer oder Ausmaß der Epidemie sind kaum verlässliche Prognosen möglich. Momentan sehen wir sie noch als kurzzeitigen Störfaktor für Chinas Wirtschaft. Sollte es aber bis zum zweiten Quartal nicht gelingen, die Ausbreitung des Virus wirksam zu stoppen, könnte eine Prognosekorrektur nach unten für die Weltwirtschaft unvermeidlich sein”, so O’Neill.

Jedes Jahr befragt Fidelity seine Analysten weltweit zur Lage in den von ihnen beobachteten Unternehmen. Dazu werden rund 15.000 Gespräche mit Entscheidern in Unternehmen für ein Gesamtbild ausgewertet.

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