15.03.2019 | Von Olivia Harder

Europäisches Asset Management unter Druck

Nach vielen Jahren steigender Margen steht die Vermögensverwaltungsbranche in Europa vor großen strukturellen Problemen – denn aktuelle Marktentwicklungen wurden verschlafen. Steht nun das Ende des Asset-Management-Wachstumskurses bevor? Die Ergebnisse einer aktuellen Analyse.

Die Asset-Management-Industrie in Europa kämpft mit sinkenden Margen: Verzeichneten europäische Vermögensverwalter in den Jahren 2013 bis 2017 noch ein operatives Margen-Plus von 37 Prozent und ein jährliches Wachstum von durchschnittlich 12 Prozent, müssen Asset Manager für 2018 rückläufige Zahlen rechtfertigen.

Denn die Mittelzuflüsse im europäischen Asset Management gingen im Untersuchungszeitraum von 2017 bis 2018 um ganze 90 Prozent zurück. Damit liegen sie aktuell nur noch bei 100 Milliarden Euro. Das heißt für die Manager: Wenn die Branche profitabel wachsen soll, müssen sie fokussierter und kosteneffizienter arbeiten – speziell in den Bereichen Innovationskraft, Produktgestaltung und Vertriebsmanagement.

Diese Ergebnisse gehen aus einer aktuellen Studie der Strategie- und Managementgesellschaft zeb vor, die 46 Asset-Management-Unternehmen mit einen starken Europa-Geschäft im Zeitraum von 2017 bis 2018 analysiert hat. Deren verwaltetes Gesamtvermögen belief sich 2018 auf 29,3 Billionen Euro, was rund einem Drittel des global verwalteten institutionellen Vermögens entspricht.

Hoffnung liegt auf spezialisierten Asset-Anbietern

Doch es scheint noch Hoffnung zu geben: Im Untersuchungszeitraum erfolgreich waren demnach auf Themen oder Asset-Klassen spezialisierte Anbieter, die sich mit ihrem Portfolio von ihrer Konkurrenz abheben konnten. Auch kleinere, internationale Anbieter punkteten, insofern sie Teil eines starken, eigenständigen Vertriebsnetzes sind.

Unterdurchschnittlich performt haben hingegen diejenigen Anbieter, die zu viele Asset-Klassen auf einmal bedienen wollten. Diese Anbieter litten vor allem darunter, dass sie keine signifikanten Skaleneffekte erzielen konnten. Auch die Entwicklung von Anbietern mittelgroßer Investmentstrategien lag deutlich unter dem Durchschnitt – hier mussten die Manager niedrige Mittelzuflüsse relativ zu einer zu hohen Cost Income Ratio hinnehmen.

Strukturelles Kostenproblem im Asset Management wurde übersehen

Hinzu kommt, dass die Asset-Management-Branche in den vergangenen Jahren ihr strukturelles Kostenproblem übersehen hat: Dort arbeitet man schon seit einiger Zeit mit kontinuierlich steigenden Kosten und Preisen, die jedoch von ebenso stark ansteigenden Aktien- und Rentenmärkten überdeckt worden sind. Die Folge: die Kostenmargen blieben konstant. Nun stehen Manager vor dem Ergebnis – den aus ihrer Sicht plötzlich sinkenden Margen.

Die Gründe für den Margen-Rückgang liegen gemäß zeb auf der Hand: Schuld sein sollen das andauernde Niedrigzinsumfeld, unterdurchschnittliche Leistungen aktiver Manager sowie eine höhere Kostentransparenz durch die Einführung von MiFID II.

Auch der zunehmende Preisdruck aufgrund des Wettbewerbs mit dem stärker werdenden Geschäft passiver Investmentstrategien macht den aktiven Strategen zu schaffen: Denn in den vergangenen Jahren hat eine Verschiebung von mit hohen Produktgebühren behafteten aktiven Investmentstrategien zu kostengünstigen, passiven Alternativen stattgefunden.

Aktive Investments mit einer relativen unterdurchschnittlichen Performance stehen unter dem Druck passiver Strategien, die mit dementsprechend überproportionalem Wachstum locken. Das zeigt sich unter anderem an dem starken Wachstum von ETFs.

Asset-Management-Mythen ausgeräumt

Zuletzt räumt zeb noch einige Mythen im Asset Management aus. So konnte ihre Analyse nicht belegen, dass eine Ausweitung des Retail-Geschäfts automatisch zu einem profitableren Geschäftsmodell als im institutionellen Segment führt. Hintergrund dieser Annahme ist die deutlich höhere Gebührenstruktur als im institutionellen Geschäft.

Auch konnte kein relevanter Zusammenhang zwischen dem Anteil des Retail-Geschäfts am verwalteten Gesamt-Vermögen und der Gewinnmarge des Anbieters festgestellt werden. Ebenso nicht nachweisbar war eine Korrelation zwischen dem Anteil höherpreisiger, nicht traditioneller Anlagestrategien an der Vermögensbasis eines Asset Managers und seiner Gewinnmargen.

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