31.01.2019 | Von Bernhard Raos

ESG als Kurstreiber

Weil institutionelle Investoren in Sachen ESG stärker auf Best-in-Class-Aktien setzen, wächst die Nachfrage und steigen die Kurse.

Es ist so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung: Die Performance von ESG-Anlagen wird durch die steigende Nachfrage von institutionellen Investoren getrieben. Sie führt zu starken Zuflüssen in sogenannte Best-in-Class-Aktien, was wiederum den Aktienkurs befeuert. Das gilt auch umgekehrt für Worst-in-Class-Assets. Dort führt steigender Verkaufsdruck zu schwächerer Performance. Oder wie es in einer aktuellen Studie des Vermögensverwalters Amundi heisst: „Nicht finanzielle ESG-Risiken werden zu finanziellen Risiken.“

Amundi hat die Auswirkungen von Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien auf die Portfolioperformance über einen Zeitraum von acht Jahren untersucht. Ausgewertet wurde dabei die Wertentwicklung von 1700 Aktien, die in den MSCI-Indizes Nordamerika, EMU, Europe – ex EMU, Japan und World gelistet sind.

Dabei zeigte sich, dass ein ESG-Screening kaum einen Einfluss auf Volatilität und Drawdorn des Portfolios hat, aber sehr wohl auf die Rendite. Dabei gibt es zwei Phasen: Von 2010 bis 2013 brachten ESG-Kriterien sowohl bei aktiven wie auch passiven Anlagen eine Minderrendite. Von 2014 bis 2017 wendete sich das Blatt und ESG-Investments in Europa und Nordamerika verzeichneten eine Mehrrendite. Der Kauf von Best-in-Class-Aktien und der Verkauf von Worst-in-Class-Aktien führte in diesem Zeitraum in Nordamerika zu einer annualisierten Rendite von 3,3 Prozent und von 6,6 Prozent in der Eurozone. Für Nordamerika war der Umweltfaktor am relevantesten, in der Eurozone die Governance. Tendenziell beeinflussen ESG-Faktoren vor allem die Best-in-Class und Worst-in-Class-Assets.

Artikel teilen