Die dritte Global Fixed Income Study von Invesco zeigt: 72 Prozent der Investoren haben eine Allokation in Emerging-Market (EM)-Anleihen. 2018 waren es noch 49 Prozent.

Invesco hat die Ergebnisse seiner dritten jährlichen Global Fixed Income Study vorgelegt. Der umfassende Bericht zeigt die Stimmungslage globaler Anleiheinvestoren auf. Wie die Studie zeigt, haben 72 Prozent der Investoren jetzt eine Allokation in Emerging-Market (EM)-Anleihen. In der Studie 2018 waren es noch 49 Prozent. 54 Prozent der Befragten glauben, dass sich mit ESG-Analysen versteckte Werte im Anleihebereich auftun lassen. Die Mehrheit (51 Prozent) äußert sich besorgt über die Liquidität der Anleihemärkte und ist unsicher, wie sich die Märkte in schwierigeren Phasen verhalten werden. Fast die Hälfte (43 Prozent) der Befragten sagen, dass der aktuelle, rekordlange Konjunkturzyklus in maximal einem Jahr zu Ende gehen wird.

Für die Studie wurden Interviews mit 159 Anleiheinvestoren in Nordamerika, EMEA und Asien-Pazifik (APAC) geführt. Zusammen verwalten sie ein Anlagevermögen von 20 Billionen US-Dollar (Stand 31. Dezember 2019). Zu den Teilnehmern der Studie gehörten leistungs- und beitragsorientierte Pensionskassen, Staatsfonds, Versicherungsgesellschaften, Privatbanken, diversifizierte Fondsmanager, Multi-Manager und Modell-Entwickler.

Interesse an Emerging-Market-Anleihen hat zugenommen

Wie die Studie zeigt, hat das Interesse an Emerging-Market-Anleihen (EM-Anleihen) 2019 nochmals zugenommen. Die gute Performance der Anlageklasse, die relativ attraktiven Renditen und das Diversifikationspotenzial haben Investoren zu einer Aufstockung ihrer Allokationen in diesem Sektor veranlasst. 72 Prozent der Investoren sind jetzt in EM-Anleihen investiert. Im Jahr 2018 waren es noch 49 Prozent. Das entspricht einem Anstieg um 47 Prozent.

Haupttreiber dieser Entwicklung sind Investoren aus EMEA und APAC: 80 Prozent beziehungsweise 89 Prozent der Investoren aus diesen Regionen halten Positionen in EM-Anleihen, verglichen mit lediglich 51 Prozent in Nordamerika. Auch sind die Allokationen in EM-Anleihen in APAC und EMEA mit 7,2 Prozent beziehungsweise 6,5 Prozent deutlich höher als in Nordamerika (3,6 Prozent).

Gleichzeitig nimmt die Spezialisierung zu, vor allem unter Investoren, die hauptsächlich aufgrund der attraktiven Renditen (und weniger aus Diversifikationsgründen) in EM-Anleihen investieren. Diese bevorzugen inzwischen länderspezifische Allokationen (63 Prozent). Für die 42 Prozent der Investoren, die mittlerweile in EM-Anleihen investiert sind, ist China ein interessanter Markt. Dabei wird vor allem auf die vermeintlich einzigartigen Diversifikationsvorteile der chinesischen Wirtschaft und des chinesischen politischen Systems sowie niedrigere Hürden für Investitionen in diesen Markt verwiesen wird. 62 Prozent der Investoren sind der Meinung, dass der Zugang zum chinesischen Anleihemarkt nicht mehr so schwierig ist wie vor zwei Jahren.

Chinesische Anleihen: Anlageklasse mit bester Performance

„Angesichts der niedrigen verfügbaren Renditen in ihren Kernportfolios haben EMEA-Investoren in großem Stil in Emerging-Market-Anleihen umgeschichtet, um höhere Erträge zu generieren. 69 Prozent der EMEA-Investoren mit einer Allokation in EM-Anleihen sind aus Renditeerwägungen in der Anlageklasse investiert, verglichen mit nur 25 Prozent der nordamerikanischen Investoren, die EM-Anleihen eher als Portfoliodiversifikator betrachten“, sagte Nick Tolchard, Head of EMEA bei Invesco Fixed Income.

„Außerdem betrachten die Investoren EM-Anleihen nicht mehr als eine einheitliche Anlageklasse. Wir beobachten inzwischen ein zunehmendes Interesse an einzelnen Märkten, das wir als Ausdruck eines langfristigen Trends werten. Dabei fällt auf, dass chinesische Anleihen in diesem Jahr zu den Anlageklassen mit der besten Performance gehören – nur US-amerikanische Staatsanleihen sind noch besser gelaufen.“

ESG zunehmend etabliert auch im Anleihebereich

Auch im Anleihenbereich hat die ESG-Integration stark an Bedeutung gewonnen. 80 Prozent der Investoren in EMEA und 69 Prozent der Investoren in APAC berücksichtigen in ihren Zinsportfolios ESG-Faktoren. Im Jahr 2019 waren es erst 51 Prozent beziehungsweise 38 Prozent. Am höchsten ist der Anteil der Anlagen, bei denen ESG-Kriterien berücksichtigt werden, in den Portfolios der Investoren aus EMEA mit 34 Prozent, gefolgt von Nordamerika mit 22 Prozent und APAC mit 19 Prozent. Die nordamerikanischen Investoren haben sich bei der ESG-Integration am zögerlichsten gezeigt. Bislang berücksichtigen nur 56 Prozent dieser Investoren ESG-Faktoren in ihren Portfolios.

Die Zeiten, in denen Investoren glaubten, dass eine Berücksichtigung von ESG-Kriterien automatisch einen Performancenachteil bedeutet, sind vorbei. Nur 3 Prozent der Befragten sind dieser Meinung. Die Hälfte der Studienteilnehmer betrachtet eine informierte Bewertung der ESG-Risiken von Emittenten inzwischen für wichtig, um höhere Erträge zu generieren.

Konkret müssen Emittenten, die Umwelt- und Governance-Sorgen nicht angemessen adressieren, mit höheren Fremdkapital- und Refinanzierungskosten rechnen. Das wirkt sich auf die Bewertung dieser Wertpapiere in den Anlegerportfolios aus. 54 Prozent der Befragten sind jetzt der Ansicht, dass sich durch ESG-Analysen versteckte Wertpotenziale an den Anleihemärkten erschließen lassen. Für 50 Prozent der Investoren, die in ihren Anleihenportfolios ESG-Faktoren berücksichtigen, ist die Aussicht auf bessere Anlageerträge ein wichtiger Beweggrund.

ESG-Integration in Anleihenportfolios: Positive Auswirkungen auf Rendite

Unter allen betrachteten Regionen zeigen Investoren aus EMEA die positivste Einstellung: 52 Prozent geben an, dass sich die Berücksichtigung von ESG-Erwägungen in ihren Anleihenportfolios positiv auf die Rendite ausgewirkt hat. Nur 2 Prozent berichten über abträgliche Auswirkungen. Investoren aus EMEA haben auch die größten Erwartungen an die weitere Entwicklung von ESG. 34 Prozent von ihnen glauben, dass ESG-Ansätze in drei Jahren “deutlich mehr Einfluss” haben werden als heute. Nur 15 Prozent rechnen nicht mit einer zunehmenden Bedeutung von ESG-Ansätzen. Das sind weniger als in jeder anderen Region.

„Viele Investoren haben lange geglaubt, dass die Berücksichtigung von ESG-Faktoren zwangsläufig mit Einbußen bei der Performance einhergehen würde. Inzwischen hat es hier aber einen Einstellungswandel gegeben. Über alle Regionen hinweg berichten nur sehr wenige Investoren über negative Auswirkungen auf ihre Performance. In EMEA hat die Mehrheit sogar angegeben, dass sich die ESG-Integration positiv in ihrer Performance niedergeschlagen hat“, sagte Tolchard.

„Unter Verweis auf die Verantwortung, die Investoren gegenüber Umwelt und Gesellschaft haben, nennen drei Viertel der Befragten die gesellschaftliche Verantwortung als wichtigsten Treiber der ESG-Integration in ihren Portfolios. Ein weiterer wichtiger Grund sind für mehr als zwei Drittel der Investoren die Wünsche ihrer Stakeholder. Das zeigt, welche Bedeutung Vermögensträger und Investoren diesem Thema inzwischen beimessen“

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