01.08.2019 | Von Bernhard Raos

Eierlegende Wollmilchschweine

Die Kombination von Market-Timing und Faktor-Strategien liefert bisher keine überlegenen Resultate.

Bildquelle: ilkercelik/iStock/GettyImagesPlus

Ist das sogenannte Faktor-Timing, die Mischung von Market-Timing und Faktorstrategien, der Königsweg für institutionelle Investoren? Regelbasiertes Timing und Value- oder Momentum-Strategien haben für sich in der Vergangenheit häufig gute Ergebnisse geliefert, wobei es aber auch längere Phasen mit schlechter Performance gab.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) hat eine Auslegeordnung zum Thema versucht. Und wie so oft, gehen die Meinungen weit auseinander. Bis jetzt gibt es nur wenige Produkte, mit denen Investoren auf Faktor-Timing setzen können und alle haben noch einen zu kurzen Track-Rekord, um eine seriöse Aussage machen zu können.

Potenzial für Überrendite

Zu den Verfechtern von Faktor-Timing zählt das Schwergewicht Blackrock. Der Branchenleader nennt vier Signale, die zu beachten sind: Konjunkturphasen, Bewertungshöhe, Momentum und Streuung. Jedes dieser Signale bietet laut Blackrock bereits das Potenzial für Überrendite; in Kombination seien die Resultate noch besser.

Ins selbe Horn stößt der US-Vermögensverwalter Research Affilate. Dort wird eine Strategie propagiert, die sich auf diejenigen Faktoren konzentriert, die im Verhältnis zur Historie billig gehandelt werden. Die teureren Faktoren soll man hingegen meiden. Um nicht zu viel Risiko zu nehmen, wird wie bei Blackrock eine Multi-Faktor-Strategie empfohlen, wo die Allokation nur leicht hin zu den günstigeren Faktoren verschoben wird.

Noch zu wenige Daten

Den Gegenpol vertritt das Investmentunternehmen AQR. Ein Research-Team hat verschiedene Faktor-Timing-Modelle analysiert und kommt zum Schluss, dass zwar eine leichte Prognostizierbarkeit für Faktoren existiere, die in der Realität erzielten Renditen jedoch enttäuschten.

Nach den bisherigen Forschungsergebnissen ist die Diversifikation eines Portfolios beim neuen Anlageansatz der Hemmschuh. Eine starke Fokussierung auf einen oder zwei Faktoren kann zu erheblichen Verlusten führen, wenn das Timing-Modell falsche Signale liefert. Der Rat der NZZ: Investoren machen nichts falsch, wenn sie abwarten, bis aussagekräftigere Befunde zum Faktor-Timing vorliegen.

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