Wie lässt sich die galoppierende Inflation in institutionellen Portfolios absichern? Welche Rolle können Private- oder Krypto-Assets dabei spielen?

Welche Rolle spielen Private Assets in Ihrer Anlagestrategie?

Richard Schmidt, Leitung Multi Asset und ESG, DJE Kapital AG: Keine. Liquidität und transparente Bepreisung sind in allen DJE-Fonds von höchster Bedeutung. Daher verzichten wir auf nicht öffentlich gehandelte Asset-Klassen wie beispielsweise Infrastruktur-Investments oder Private Equity Investments.

Ralph Aerni, Head of Client Solutions EMEA und Mitglied der Geschäftsführung von Hamilton Lane Deutschland: Wir investieren ausschließlich in Private Assets. Private Equity kann dabei im Portfolio des Anlegers verschiedene Rollen spielen, vor allem kann es Überrenditen erzielen. Zudem bieten Fonds Zugang zu kleineren, in Privatbesitz gehaltenen Unternehmen über alle Branchen hinweg. Drittens können Investoren so ihr Portfolio diversifizieren, insbesondere in den Bereichen Infrastruktur und Immobilien.

Matthias Scheiber, Global Head of Portfolio-management bei Allspring Global Investments: Unser Research hat gezeigt, dass eine optimale Allokation vom Anlagehorizont, der benötigten Liquidität oder Zwischenzahlungen abhängt. Wir sehen die Vorteile einer Private-Asset-Allokation primär in der Ertragsdiversifizierung. Allerdings haben die starke Nachfrage und niedrige Zinsen zu einer höheren Bewertungen von Private Assets geführt. Daher sind Multi-Asset-Lösungen von Vorteil.

Sascha Specketer, Leiter DACH & CEE, Invesco: Angesichts steigender Zinsen und Inflation sowie fallender Aktienmultiplikatoren bieten Private Equity und Private Debt attraktive Renditen für Neuanleger. Der Bereich profitiert von staatlichen Investitionen in die Energiewende und bietet großes Potenzial für institutionelle Investoren, die in Private Debt beziehungsweise alternativen Anlagen insgesamt unterinvestiert sind.

 

Kommen Anlagen in Krypto-Assets für Sie in Frage?

Richard Schmidt, Leitung Multi Asset und ESG, DJE Kapital AG: Nein, denn für unser Haus steht der Werterhalt des Kundenvermögens an oberster Stelle. Wir zweifeln an der Werthaltigkeit von Krypto-„Währungen“, denn ihr Preis basiert nicht auf zukünftigen Erträgen, wie etwa bei Unternehmen. Noch steht eine Notenbank mit dem Versprechen von Preisstabilität hinter ihr, wie bei richtigen Währungen. Damit haben wir starke Zweifel am inneren Wert von Krypto-Assets.

Ralph Aerni, Head of Client Solutions EMEA und Mitglied der Geschäftsführung von Hamilton Lane Deutschland: Nein. Wir konzentrieren uns jedoch darauf, mehr Anlegern den Zugang zu den privaten Märkten zu ermöglichen, unter anderem durch den Einsatz von Technologie und digitalen Assets. So sind wir Anfang dieses Jahres eine Partnerschaft mit der in Singapur ansässigen digitalen Börse ADDX eingegangen, in deren Rahmen wir einen Teil unseres Global Private Assets Fund in Token umgewandelt haben.

Matthias Scheiber, Global Head of Portfolio-management bei Allspring Global Investments: Unsere Kunden fragen Krypto-Assets zur Diversifizierung oder wegen Investitionen in eine neue Technologie an. Eine risikogewichtete Allokation von maximal 1 Prozent kann sinnvoll sein, ist aber riskant und hat operationale Hürden. Als Inflationshedge dient ein solches Investment nur bei Hyperinflation durch expansive Geldpolitik. Zudem sollten Investoren das regulatorische Umfeld beachten.

Sascha Specketer, Leiter DACH & CEE, Invesco: Wir haben einen Bitcoin-ETC im Angebot und wollen ein Vorreiter beim Zugang zu digitalen Assets sein, vor allem durch Blockchain-Technologie und die Tokenisierung realer Vermögenswerte. Investitionen in Kryptowährungen sind mit hohen Risiken verbunden und somit nur für professionelle Investoren geeignet. Die hohe Volatilität der Anlageklasse ist problematisch für regulierte Kunden wie Versicherer.

 

Wie sichern Sie sich gegen Inflationsrisiken ab?

Richard Schmidt, Leitung Multi Asset und ESG, DJE Kapital AG: Für unsere Fonds selektieren wir Unternehmen mit starker Preissetzungsmacht. Denn diese können steigende Kosten relativ gut weitergeben und erzielen auch in Zeiten hoher Inflation gute Erträge. Zudem gewichten wir Wirtschaftssektoren hoch, die besonders von Inflation profitieren. Auf der Rentenseite schützen uns eine kurze Duration und damit kurze Restlaufzeiten am besten vor steigenden Zinsen.

Ralph Aerni, Head of Client Solutions EMEA und Mitglied der Geschäftsführung von Hamilton Lane Deutschland: Eine Möglichkeit der Absicherung sind Private Credits. Notenbanken erhöhen bei steigender Inflation die Zinsen, was sich positiv auf variabel verzinste Anleihen auswirkt. Auch wenn sich die Rahmenbedingungen für Zinserhöhungen immer unterscheiden, können Investoren in Private Credits von dieser – historisch stabilen – Asset-Klasse profitieren. Eine weitere Option sind Investments in Real Assets.

Matthias Scheiber, Global Head of Portfolio-management bei Allspring Global Investments: Mit Aktien oder Unternehmensanleihen, die von positivem Wirtschaftswachstum profitieren und den erwarteten Inflationstrend einpreisen. Zinsallokationen in Staatsanleihen helfen dagegen bei schwächerem Wachstum und als Diversifizierung. Da hohe unerwartete Inflation aber beides negativ beeinflussen kann, sichern wir zudem mit inflationssensitiven Anlagen ab.

Sascha Specketer, Leiter DACH & CEE, Invesco: Mit Floating Rate Notes und Loans, die über ihre kurze Duration ein attraktives Instrument für risikoadjustierte Renditen sein können, oder Gold als strategischer Allokation mit offenem Dollar-Exposure. Auch ein selektives Aktien-Exposure – in relativ günstig bewerteten Unternehmen mit stabilen Bilanzen – kann sinnvoll sein, da Aktienrenditen langfristig einen Inflationsausgleich generieren können.

 

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