31.03.2014 | Von Clemens Schuerhoff

„Die Master-KVG ist kein Zwischenschritt“

Dr. Hans Wilhelm Korbmacher, Geschäftsführer Versorgungswerk der Wirtschaftsprüfer und der vereidigten Buchprüfer, spricht mit Clemens Schuerhoff über den Auswahlprozess und die wesentlichen Kriterien bei einer Master-KVG.

Was ist Ihr Verständnis des Begriffes Master-KVG?

Aufgabe einer Master-KVG ist nach meinem Verständnis die Administration, die Performance- und Risikomessung sowie das Reporting von Kapitalanlagen aller Art. Hierzu gehören nicht nur die klassischen Fondsvehikel, sondern auch Unternehmensbeteiligungen und zum Beispiel Immobilien.

Was sind für Sie die wesentlichen Dienstleistungen einer Master-KVG? 

Wir haben einen Auswahlprozess für eine KVG durchgeführt, bei dem wir neben den klassischen Dienstleistungen auch die Einbindung der Direktanlagen in das Reporting sowie die Führung des Kapitalanlagen-Nebenbuchs ausgeschrieben haben. Diese Dienstleistungen gehören m. E. zwar (noch) nicht zum üblichen Leistungsumfang einer KVG, waren für uns aber unverzichtbar. Letztlich muss jeder potenzielle Kunde einer Master-KVG selbst entscheiden, welche Dienstleistungen für ihn wichtig sind.

Welche Kriterien sind für Sie entscheidend bei der Wahl Ihrer Master-KVG gewesen?

Kriterien waren insbesondere ein umfassendes Reporting einschließlich eines Look-Through in zum Beispiel Zielfonds, die Möglichkeit, auch Immobilien ohne rechtliche „Hülle“ in den Fonds aufzunehmen und in das -Reporting einzubeziehen, die Bereitschaft, Schnittstellen zwischen den -Systemen der KVG und des WPV zu vertretbaren Kosten einzurichten und insgesamt ein für den Dienstleistungsumfang wettbewerbsfähiges Kostenniveau. Wichtig war für uns darüber hinaus, dass unser KVG-Partner sich hinsichtlich der von uns gewünschten, nicht aktuell bereits zum Standard gehörenden Dienstleistungen „Einbindung der Direktanlagen“ und „Führung des Kapi-talanlagen-Nebenbuchs“ als „Projektpartner“ versteht. Im Ergebnis haben wir uns für die BayernInvest und eine Struktur mit einem deutschen Spezialfonds und zwei Luxemburger SCS-SIF entschieden.

Worin liegt der Hauptnutzen einer Master-KVG für Ihre Kapitalanlagen? 

Verlagerung arbeits-, IT- und damit kostenintensiver Backoffice-Tätigkeiten auf einen externen Vertragspartner, einheitliches, umfassendes Reporting.

Wie teuer sind Master-KVG-Dienstleistungen? 

Master-KVG-Dienstleistungen werden zu deutlich unterschiedlichen Konditionen angeboten, wobei man allerdings festhalten muss, dass ein Vergleich der Angebote schwierig ist. Letztlich gehen wir davon aus, aufgrund des professionellen Auswahlprozesses einen marktgerechten Preis vereinbart zu haben.

Gibt es Services, für die Sie bereit sind, mehr zu zahlen? 

Wir haben im Rahmen unseres Auswahlprozesses nicht nur Standard-Dienstleistungen vereinbart. Jeder Investor muss letztlich selbst das von ihm gewünschte Dienstleistungspaket definieren und im Rahmen des Auswahlprozesses versuchen, für dieses Paket den Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis zu finden.

Gibt es Trends, die Sie wahrnehmen? 

Wir haben uns nicht an Trends orientiert, sondern daran, was wir als Dienstleistung brauchen. Ich könnte mir aber durchaus vorstellen, dass zumindest die Einbindung der Direktanlagen in das Reporting bald zum Standard gehören wird.

Wie lautet Ihre Einschätzung zum Wettbewerb zwischen Master-KVGen und Verwahrstellen, den ehemaligen Depotbanken? 

Es gibt sicherlich Überschneidungen der Dienstleistungen beider Anbieter, ich sehe aber keinen Verdrängungswettbewerb, da sich beide Dienstleister nebeneinander etabliert haben.

Wer ist besser für die „Integration von Direktanlagen“ geeignet? 

Aus der Sicht eines institutionellen Investors ist letztlich nur entscheidend, dass die übertragenen Aufgaben sachgerecht und kostengünstig erledigt werden wer das macht, ist zweitrangig.

Wohin steuert dieser Markt? 

Ich gehe davon aus, dass sich in Deutschland Master-KVG und Verwahrstelle nebeneinander etabliert haben, ich sehe die Master-KVG daher nicht als „Zwischenschritt“.  CS

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