15.10.2018 | Von Dr. Eckhard Bergmann

Die ETF-Erfolgsgeschichte hat gerade erst begonnen

Das globale Volumen an ETFs beläuft sich derzeit auf 5 Billionen US-Dollar. Nach den Erwartungen von J.P.Morgan Asset Management könnte es bis 2030 auf 30 Billionen US-Dollar steigen – eine Versechsfachung in nur gut 12 Jahren. Ist das bloß eine unbescheidene Projektion oder fundierte Erwartung?

Anlässlich der „International Media Tour 2018“ des Asset Management-Hauses legte Bryan Lake, der Leiter des internationalen ETF-Geschäfts beeindruckende Zahlen vor. Nach dem bisherigen fulminanten Anstieg der weltweiten ETFs auf 5 Billionen US-Dollar könnte sich das Volumen in geometrischer Reihe weiterentwickeln. Das heißt, es würde sich in den nächsten 5 Jahren bis 2023 auf 10 Billionen US-Dollar verdoppeln, in weiteren 5 Jahren bis 2028 erneut auf 20 Billionen US-Dollar verdoppeln. Bis 2030 stünde es dann bei 30 Billionen US-Dollar Das sind fast unvorstellbare Zahlen.

Um sie zunächst verständlich zu machen und in Relation zu rücken, räumt Lake erst einmal mit 3 „Mythen“ auf:

1) mit dem Mythos, dass die ETF-Industrie schon heute zu groß sei. Die Fakten, so Lake, sprächen eine andere Sprache. Denn die heutigen 5 Billionen US-Dollar entsprächen gerade mal der Marktkapitalisierung der 5 großen US-amerikanischen Technologieaktien (Apple, Amazon, Facebook, Google und Netflix) und machen erst 6 Prozent des US-Unternehmenskapitals in Aktien aus. Ihre Zahl ist überdies weitaus geringer als die der Investmentfonds (Mutual Funds) in den USA  insgesamt.

2) Es stimmt auch nicht, so Lake, dass das ETF-Volumen leiden werde, wenn die Wertpapiermärkte fallen. Diese Annahme hat sich bislang schon nicht belegen lassen. Und auch künftig spricht nichts dafür. Im Gegenteil besteht

3) noch ein riesiger Spielraum für künftiges Wachstum, denn der ETF ist nur eine Hülle für Investmentanlagen, nicht das Investment selbst. Und diese, zudem sehr kostengünstige Hülle sei bislang noch nicht einmal ansatzweise für mögliche Zwecke ausgenutzt.

Lake nennt zwei Investmentfelder, die noch gewaltiges Zuwachspotenzial haben: Fixed Income-ETFs und aktiv gemanagte ETFs.

Im Bereich der Fixed Income Anlagen erwartet J.P.Morgan bei den Investoren eine Verschiebung von Direktanlagen in Einzelbonds zu Fixed Income-ETFs. Denn die Fixed Income-Märkte erleben strukturelle Veränderungen und die Investoren müssen die Risiken dieser Veränderungen durch Diversifikation auffangen und optimieren. Dass dabei das Potenzial der ETF-Hülle noch nicht annähernd ausgenutzt sei, sieht Lake allein schon darin, dass nur 15 Prozent des ETF-Volumens in Festverzinslichen Werten sei, gegen 56 Prozent bei Investmentfonds (Mutual Funds). Hinzu komme, dass die Portfolios europäischer Investoren im Durchschnitt 50 Prozent und mehr an Fixed Income enthielten. Daraus ergeben sich allein schon riesige Zuwachschancen für ETFs.

Ein zweites großes Betätigungsfeld der Zukunft sind aktive ETFs. J.P.Morgan verweist hier auf eigene ETFs – im Fixed Income Bereich zum Beispiel zwei ETFs, die als Cash-Alternative und als Fixed Income-Alternative strukturiert sind (JPM Ultra-Short Income ETF) oder im Aktienbereich 3 Fonds, die als Enhanced Equity Index ETFs angeboten werden, alle 3 Fonds mit nur 25 bp an Kosten. Die Möglichkeit aktiven Managements in ETFs sind nach Lake noch unbegrenzt. Man sollte hinzufügen, in vielen Märkten von den Asset Management-Anbietern sind sie bislang überhaupt kaum wahrgenommen.

Artikel teilen