Der Spezialist für Behavioral Finance, Meir Statman, redet mit Investoren gern über Mythen und Wunschdenken. Wolf Brandes hat den US-Wirtschaftsprofessor getroffen.

Überraschende Ansichten gehören zu seinem Geschäft. „Ich würde es gerne sehen, wenn Pensionskassen in Vorstellungsgesprächen die Kandidaten fragen, ob sie das Spiel der Märkte mögen und ob sie gut darin sind, erfolgreiche Asset Manager auszuwählen. Und wenn sie dann mit „Ja“ antworten, sollten sie eine Absage bekommen.“ Das sagt schon viel über Meir Statman – und jeder weiß doch, dass es in der Praxis andersherum läuft. Der US-Wissenschaftler tüftelt an seinen Provokationen an der Santa Clara University in Kalifornien. Oder um es so zu formulieren: Er versucht herauszufinden, wie Investoren und Manager finanzielle Entscheidungen treffen und wie sich diese in den Finanzmärkten widerspiegeln. Das US-Magazin Investment Advisor kürte den Behavioral-Finance-Experten 2011 zu einem der 25 einflussreichsten Personen der Berater-Community.

Auf seinen Vorträgen überrascht Statman gern mit Bildern und Videos, die seine Botschaften transportieren. Auch mitmachen müssen die Zuhörer – etwa die Teilnehmer der Portfolio-Jahrestagung, die Statman bei mehreren Fragen abstimmen lässt. Beispielsweise zur Korrelation. „Ich bin überrascht, wie oft institutionelle Investoren Korrelation nicht verstehen und auch nicht wissen, wie sich diese auf Diversifikation auswirkt.“

Frage ans Publikum: „Die Korrelation zwischen US-Aktien und internationalen Aktien ist 0,9. Was ist in einem typischen Jahr die Renditedifferenz zwischen US-Aktien und internationalen Aktien?“ Viele vermuten, dass bei einer Korrelation von 0,9 kaum etwas zu diversifizieren bleibt. Und nur 27 Prozent votierten für die richtige Antwort „mehr als sechs Prozentpunkte“. Die meisten überschätzen die Folgen der Korrelation und tippen auf eine viel zu geringe Renditedifferenz. „Bei einer Standardabweichung von 15 Prozent und einer Korrelation zwischen zwei Asset-Klassen von 0,9 beträgt der erwartete Renditeunterschied 6,7 Prozent“, erläutert Statman dem Publikum.

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Statman ist Akademiker, aber er schreibt eher wie ein Bestseller-Autor (Hauptwerk: „What Investors really want“) – und redet auch so. Und redet sich in Rage über Anleger, die meinen, besonders clever zu sein. „Es ist ernüchternd, wenn ein Privatanleger mitspielt. Das ist so, als ob einer im Tennis gegen einen Profi antritt, aber gar nicht weiß, dass er gegen einen Profi spielt.“ Übertragen auf das Thema Timing: „Viele Anleger verkaufen Aktien, weil sie sicher sind, dass diese fallen. Aber wer ist der Idiot, der kauft? Goldman Sachs?“

Statman weiß, dass der Markt ineffizient ist, aber er ist überzeugt, dass man ihn trotzdem nicht schlagen kann. „Trying to beat the market really hurts more than it helps.” Und: „Es mag unlogisch klingen, dass man keinen talentierten Manager finden kann. Aber es ist so. Und selbst wenn man einen findet: Würde der, der den Markt schlägt, die Erträge mit mir teilen?“ Außerdem sei es fast unmöglich herauszufinden, ob eine Outperformance nicht doch Glück sei.

Investoren sollten mehr Geld in Indexfonds stecken. Privatanleger alles, Institutionelle 50 bis 70 Prozent. Profis können feinere Unterschiede machen und eher erkennen, in welchen Bereichen sie einen Vorteil durch Management erzielen.

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