Die Welt verzeichnet im Juli 2021 Rekordtemperaturen in Nordamerika und katastrophale Überschwemmungen in Europa und China. Doch die Dringlichkeit der CO2-Emissionsreduzierung scheint noch nicht vollends erkannt. Erfolg versprechen nachhaltige Anlagen – zu Recht?

Der Markt für nachhaltige Anlagen in der Schweiz wächst rasant. Auch die Mehrheit der Pensionskassen-Versicherten (55 Prozent) erwartet, dass ihre Vorsorgegelder klimaverträglich, sprich im Einklang mit den Pariser Klimazielen, angelegt werden. Zusätzliche 11 Prozent stimmen dem zu, sofern daraus keine geringere Rendite resultiert. Das geht aus einer Umfrage des Forschungsinstituts GFS-Zürich im Auftrag von Greenpeace Schweiz in diesem Frühjahr hervor.

Anleger erwarten einen Mindeststandard für nachhaltige Geldanlagen

Nach Auffassung der Anleger sollten als nachhaltig angepriesene Anlageprodukte einen Mindeststandard einhalten. So sind 36 Prozent der Befragten der Ansicht, dass sogenannt nachhaltige Anlageprodukte Kapital umverteilen müssen: Das heisst, die entsprechenden Finanzprodukte müssen mehr Geld in nachhaltigere Unternehmen als in weniger nachhaltige Unternehmen leiten.

Auch Greenpeace fordert für Anlagefonds, die als nachhaltig bezeichnet werden, einen Mindeststandard. Sie sollten neben ihrer ökologischen oder sozialen Wirkung auch mindestens mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens und dem Ziel einer Begrenzung der Klimaerwärmung auf 1,5 Grad kompatibel sein.

Viele Finanzprodukte sind mit dem Pariser Klimaabkommen nicht kompatibel

Die Umfrageresultate sollten der Finanzbranche nach Ansicht von Greenpeace zu denken geben. Der Schweizer Finanzplatz ist einer der weltweit wichtigsten im Bereich der Vermögensverwaltung. Asset Manager legen aufgrund der wachsenden Nachfrage institutioneller Investoren immer mehr Kundengelder in nachhaltigen Fonds an. Eine Studie von Greenpeace Schweiz und Greenpeace Luxemburg zeigt allerdings, dass es nachhaltigen Anlagefonds bislang nicht besser als konventionellen Fonds gelingt, wesentlich mehr Kapital in Richtung einer nachhaltigen Wirtschaft zu lenken. Die meisten untersuchten Produkte sind auch in keiner Weise mit dem Pariser Klimaabkommen kompatibel, welches die Schweiz ratifiziert hat.

Investoren reagieren auf die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels

Tatsächlich wird die CO2-Reduzierung als Anlagestrategie immer wichtiger, und immer mehr Investoren reagieren inzwischen auf die Dringlichkeit der Bekämpfung des Klimawandels, bestätigt Chris Iggo, CIO Core Investments bei AXA Investment Managers. «Es ist leicht zu erkennen, wie sich klimatische Ereignisse auf die wirtschaftliche Aktivität und – potenziell – auf das Vertrauen der Investoren in die Zukunft auswirken», sagt er und scheint überzeugt, dass es in der Finanzindustrie Strategien zur CO2-Reduzierung braucht, um die Energiewende zu fördern.

Chris Iggo sieht jedoch auch die Politik in der Pflicht: «Die Politik muss das Wachstum der erneuerbaren Energien beschleunigen und mehr Geld für die Erleichterung des Umstiegs auf elektrisch betriebene Verkehrsmittel ausgeben. Ausserdem muss sie mehr Mittel für die Forschung an und Entwicklung von grünen Technologien bereitstellen und Steueranreize für Projekte zum Kohlenstoffausgleich schaffen.» Bildung spielt für ihn dabei ebenso eine Rolle, da sich die CO2-Reduktionsziele nicht erreichen lassen, wenn die Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert ist.

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