Rund 6 Milliarden Franken kostet die Verwaltung der beruflichen Vorsorge in der Schweiz. Pro Jahr. Bei bescheidener Performance.

Bisher wussten die Eidgenossen zwar, wie viel Geld sie in ihren Pensionskassen angespart haben – gut 700 Milliarden Franken. Doch was es kostet, den riesigen Kapitalstock zu verwalten, dazu gab es nur weit auseinanderliegende Schätzungen – je nach politischer Couleur zwischen 2 und 9 Milliarden Franken pro Jahr. Dieses Stochern im Kostennebel war ein wichtiger Grund, warum die Stimmbürger eine Senkung ihrer Renten im März 2010 wuchtig ablehnten. Für tiefere Renten sprach die ökonomische Vernunft. Weil es jedoch an Transparenz fehlte, hatte sich die Vorsorgebranche das Debakel selber zuzuschreiben.

Mittlerweile gibt es mehr Klarheit. Dank einer im Auftrag des Bundesamtes für Sozialversicherungen (BSV) Mitte 2011 publizierten Studie zu den Durchführungskosten der beruflichen Vorsorge. Es sind total (Administration, Vermögensverwaltung) 5,7 Milliarden Franken, also rund 2 Milliarden mehr als in der amtlichen Statistik hochgerechnet. Pro Kopf – Aktive und Rentner – macht dies durchschnittlich gut 1.200 Franken aus. Das ist viel Geld. Vor allem in Phasen, wo die Pensionskassen an den Kapitalmärkten leiden. Seit gut zehn Jahren hinkt die Performance den eingegangenen Rentenversprechen hinterher. Die einst stolzen Reserven haben sich weitgehend aufgelöst. Geblieben sind hingegen die Vermögensverwaltungshonorare, Gebühren und Transaktionskosten: Pro 100 Franken Vermögen werden im Durchschnitt 56 Rappen für die Verwaltung aufgewendet.

Dies offenbart, welch gigantischer Honigtopf die zweite Säule für die Banken und Vermögensverwalter ist. Wobei die Unterschiede enorm sind: Die günstigste Kasse kommt auf Kosten von 0,15 Prozent des Vorsorgevermögens, die teuerste bringts auf 1,86 Prozent. Das sind 12,4-mal höhere Kosten als beim gesetzlich fixierten Zwangssparen; eine freie Kassenwahl gibt es nicht. Daher erhöht sich nun der Druck auf die Kassenverantwortlichen mit den höchsten Kosten. Laut Studie besteht ein hochsignifikanter Zusammenhang: Je höher die Kosten, desto tiefer die realisierte Nettorendite. Kostendisziplin zahlt sich also aus. Ganz schlecht weg kommt beim Vergleich der Asset-Klassen die Kategorie der alternativen Anlagen. Obwohl diese lediglich 6,4 Prozent der gesamten Vermögensanlagen ausmachen, generieren sie ein Drittel der Kosten. Die Performance der alternativen Anlagen blieb gleichwohl enttäuschend; für die meisten Kassen heißt es: „Außer Spesen nichts gewesen.“ Die Transaktionskosten über alle Assets belaufen sich auf 22,2 Prozent am Gesamtkosten-Total.

Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis unter dem Strich einzuschätzen? Die alternativen Anlagen mal ausgeklammert, die keinen nachhaltigen Mehrwert liefern, fällt das Urteil der Studie wohlwollend aus: Der Zugang zu einer breiten, global ausgerichteten Kapitalmarktinfrastruktur für notierte und nicht notierte Anlagen sei nun mal nicht gratis zu haben. Und: „Der Vermögensverwaltungsmarkt der zweiten Säule ist sowohl im internationalen Vergleich als auch gegenüber anderen Investorengruppen ausgesprochen kompetitiv und preiseffizient gestaltet.“ Das gilt allerdings nur, weil das Gesetz der großen Zahl den Durchschnitt senkt und die zu teuren Kassen erst auf den zweiten Blick erfasst werden. Diese reizen den Anbieterwettbewerb viel zu wenig aus. Wer seine Mandate nicht periodisch neu verhandelt, nimmt die Verantwortung gegenüber den Versicherten nicht wahr. Am Honigtopf wirds in Zukunft wohl etwas enger werden.

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