05.11.2018 | Von BERNHARD RAOS

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Staatsfonds erhöhen ihre alternativen Investments. Das ist ein Signal. Ein dpn Standpunkt von Bernhard Raos.

Wenn große institutionelle Investoren wie Staatsfonds zugreifen, geht es ums große Geld. Knapp 14 Milliarden Dollar bezahlte der chinesische Staatsfonds China Investment Corporation im letzten Jahr für Logicor, die europäische Lagerhaustochter des US-Finanzinvestors Blackstone. Damit stockten die Chinesen ihre Immobilienquote auf.

Dies ist nur eines der Beispiele, wie Staatsfonds ihre Asset Allocation verändern. Zwei Studien liefern dazu konkrete Daten: Die jährliche Sovereign-Asset-Management-Studie des Vermögensverwalters Invesco erfasst 126 eigenständige Staatsfonds, öffentliche Pensionskassen sowie Zentralbanken-Fonds mit einem Gesamtvermögen von 17 Billionen Dollar. Demnach ist sowohl die durchschnittliche Aktienquote der Staatsinvestoren angestiegen auf zuletzt 33 Prozent als auch die durchschnittliche Allokation in alternative Anlagen.

Mit 20 Prozent hat diese Anlageklasse einen absoluten Höchststand erreicht. Ihr Anteil hat sich innerhalb von fünf Jahren verdoppelt. An erster Stelle stehen Immobilienanlagen, gefolgt von Private Equity. Gleichzeitig sinkt der Anteil an Fixed-Income-Anlagen. Was nicht verwundert, denn Renten im Portfolio waren in letzter Zeit im besten Fall ein Nullsummenspiel.

Den Takt geben einmal mehr Staatsfonds aus der Region ­Asien- Pazifik vor. Sie forcieren alternative Investments, wie eine aktuelle Analyse durch das Research-Haus Cerulli Associates zeigt. Demnach ziehe es dort die Staatsfonds aus den teuer gewordenen öffentlichen Märkten hin zu Privatmärkten und alternativen Strategien. Befeuert werde dieser Switch durch einen beginnenden Deleveraging-Zyklus, wo das Wachstum zurückgehe und die Zinsen wie die zu erwartenden Renditen im Vergleich zu langfristigen Durchschnitten niedriger ausfallen.

Als Vorreiter gilt der Staatsfonds Singapur GIC, der sehr früh in Infrastruktur und verstärkt in Immobilien investierte. Der GIC, der chinesische Staatsfonds CIC und der Australian Future Fonds weisen mit Anteilen von 40 und über 50 Prozent die höchsten Quoten an alternativen Investments auf. Der chinesische Staatsfonds hält im letzten Geschäftsbericht ausdrücklich fest, dass die Allokation zu stabilen Renditen geführt habe. Die Anlageziele habe man erreicht.

Während der Singapur-Fonds über die nötigen Kapazitäten im eigenen Haus verfügt und einen direkten Investment-Ansatz bei alternativen Anlagen verfolgt, setzen andere Staatsfonds auf spezialisierte Asset Manager. So beschäftigt der Australian Future Fonds rund hundert Vermögensverwalter für seine alternativen Assets. Der chinesische Staatsfonds CIC investiert zwar direkt in Private Equity, Private Debt, Real Estate und Infrastruktur, lässt aber mehr als 60 Prozent seiner Assets außer Haus managen. Auch das ist ein Trend: Nur bei entsprechendem Know-how verwalten Staatsfonds alternative Anlagen selber.

Artikel teilen