Die Pensionskassen haben in den letzten Monaten gut vom Aufschwung der Wirtschaft und an den Finanzmärkten profitiert. Die demografische Lage und das Warten auf zukunftsweisende Reformen belasten das Vorsorgesystem aber weiterhin.

Auf den ersten Blick scheint der Puls des Schweizer Vorsorgesystems wieder schneller zu schlagen. Zum ersten Mal seit 2016 ist der UBS-Vorsorgeindex Schweiz im ersten Quartal 2021 in den positiven Bereich geklettert. Das liegt gemäss den Ökonomen der UBS vor allem am Aufschwung der Wirtschaft und der Finanzmärkte nach dem Coronajahr 2020. Im zweiten Quartal dieses Jahres befand sich der Index jedoch wieder leicht im roten Bereich. So haben die Pensionskassen im August 2021 eine durchschnittliche Rendite von 0,97 Prozent nach Gebühren erzielt, nach 1,80 Prozent Rendite im Juni und 0,29 Prozent im Juli.

Verbesserung ist nicht nachhaltig

Bei genauem Hinsehen ist zu erkennen, dass die Verbesserung nur auf zwei der vier Komponenten des Indexes zurückzuführen ist: die Finanzen und die Wirtschaft. Letztere hat 2020 stark unter den pandemiebedingten Restriktionen gelitten, weshalb es nicht verwundert, dass der Index, der die Verbesserungsdynamik abbildet, 2021 nach oben zeigt. Die Finanzlage der Vorsorgewerke ist kurzfristig betrachtet schon seit mehreren Quartalen positiv. Die Finanzmärkte haben insgesamt nur kurz in der Anfangsphase der Pandemie gelitten, jedoch schnell wieder an Boden gewonnen. Davon haben sowohl Aktien als auch Anleihen in den Portfolios der AHV und der Pensionskassen profitiert. «Das lässt jedoch die relativ gut prognostizierbaren zukünftigen Verschlechterungen ausser Acht», mahnen die Ökonomen.

Weniger Geburten und abnehmende Migration schwächen das System

Die demografische Lage belastet den Index deutlich. Für die UBS-Ökonomen stellt der demografische Wandel die Achillessehne des Schweizer Vorsorgesystems dar. Denn die Alterung der Bevölkerung schreitet mit grossen Schritten voran, und mit dem Eintritt der Babyboomer in den Ruhestand, nimmt die Anzahl Rentner zu, während die zukünftigen Beitragszahler rarer werden.

Sie zitieren Angaben des Bundesamts für Statistik, wonach die Geschwindigkeit der Alterung seit diesem Jahr sogar noch zunimmt. Die Anzahl Neugeburten war im Coronajahr nur um circa 300 Babys geringer als im Vorjahr, aber auch die ersten sechs Monate dieses Jahres unterschreiten die Vorjahreswerte nochmals. Somit ist von den zukünftigen Beitragszahlern, die vor allem die AHV-Renten finanzieren sollten, keine Unterstützung zur Lösung dieses Problems zu erwarten. Die Migration wurde ebenfalls durch die Pandemie beeinflusst, da Grenzübertritte teilweise unterbunden waren. Allerdings belastet dies den Index nicht sehr stark, wie die Ökonomen anmerken, denn er beurteilt die Veränderungsdynamik im Vergleich zum Vorjahr und der Wanderungssaldo zeigt seit Jahren einen rückläufigen Trend.

Finanzen der 1. und 2. Säule stehen auf wackligem Fundament

Die Finanzierung der AHV-Renten ist nicht sichergestellt, und auch die berufliche Vorsorge muss weiterhin zur systemfremden Umverteilung greifen, um die aktuell versprochenen Renten leisten zu können. Über die letzten Quartale betrachtet sieht die Situation jedoch nicht schlecht aus, wie die Ökonomen anmerken. Die Finanzmärkte haben in den letzten zwölf Monaten eine ansehnliche Performance geliefert, sowohl für die AHV als auch für die Pensionskassen. Aktien profitierten von den Wiederaufbauprogrammen und dem Aufschwung der Wirtschaft, und Anleihebewertungen stiegen im Zuge der fallenden Zinsen als Antwort der Zentralbanken auf die Pandemie. «Es ist allerdings zu erkennen, dass sich die Dynamik dieser Verbesserung bereits wieder abschwächt. Im zweiten Quartal dieses Jahres trägt vor allem die 3. Säule positiv zum Index bei, nachdem Einzahlungen 2020 in Folge von geringerem Lohnwachstum oder Angst um den Arbeitsplatz oftmals kleiner ausfielen oder gar ausblieben», so ihr Fazit.

Mangelnde Reformen gefährden die Altersvorsorge

Auch das Warten auf zukunftsweisende Reformen belastet den Vorsorgeindex und das Vorsorgesystem stark. Es liegen zwar Reformvorschläge für die erste und zweite Säule vor. Diese werden wegen der Pandemie jedoch seit Monaten verzögert im Parlament diskutiert. Bei beiden Vorlagen stimmen National- und Ständerat nicht mit dem Vorschlag des Bundesrats überein. Für die UBS-Ökonomen ist klar, dass es noch Wochen dauern dürfte, bis bei einer Vorlage eine Einigung erzielt wird: «Es ist jedoch wahrscheinlich, dass gegen jeglichen Gesetzesvorschlag das Referendum ergriffen wird, und somit frühestens im nächsten Jahr klar sein könnte, ob und wie sich die staatliche und berufliche Vorsorge für die Zukunft aufstellen.»

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