Denkt man QE konsequent zu Ende, kann dies Versicherern und Versorgungswerken auch nutzen.

Diese Zeitschrift interpretiert Pathogenese und Perspektive der Finanzkrise seit über zwei Jahren völlig anders als der Mainstream. Erstens: Der ordnungspolitische Sündenfall des Quantitative Easing, also der Staatsanleihenkauf durch die Notenbank, dient nicht – wie in den USA und Großbritannien behauptet – irgendeiner Ankurbelung der Wirtschaft, den Wechselkursen, der Deflationsbekämpfung oder gar Arbeitsplätzen, sondern hat stumpf das Ziel, während einer hartnäckigen Phase der Niedriginflation Staatsschulden sang- und klanglos in den Kellern der Notenbank verschwinden zu lassen. Zweitens: Deren Zinsen müssen zwar weiter bedient werden, doch zahlt der Staat diese über ständig steigende Notenbankgewinne an sich selbst (das ist keinesfalls eine Luftbuchung, wie zuweilen fälschlich angenommen, sondern reales Geld, da der
Finanzminister die Zinsen sonst an externe Investoren hätte zahlen müssen). Drittens: Die allenthalben befürchtete Verbraucherpreisinflation als Folge des QE ist nicht ausgemachte Sache, schließlich swappen die Notenbanken nur Zentralbankgeld (buntes Papier) gegen Staatsanleihen (weißes Papier), deren inflationärer Effekt als Cash-artiges Asset nicht erst beim Tausch gegen das neue Zentralbankgeld wirkt, sondern längst viel früher, nämlich am seinerzeitigen Tag der Emission der jeweiligen Anleihe entstanden ist (auch Staaten können Geld aus dem Nichts schöpfen, nicht nur Geschäftsbanken). Außerdem hindern Regularien wie Basel II als auch die Krise der Realwirtschaft die Geschäftsbanken daran, das Zentralbankgeld zu neuem M3 aufzupumpen. Vor allem jedoch ließe sich das neue Geld über höhere Leitzinsen leicht wieder abschöpfen (so man denn will oder es infolge der höheren Umlaufgeschwindigkeit von Cash gegenüber Govies doch zur Inflation käme). Nicht nur, dass diese höheren Zinsen den zuvor halbwegs entschuldeten Staaten kaum mehr weh täten. Die Abkehr vom künstlich niedrigen Zins würde den Versicherern endlich wieder auskömmliche Anlagen bieten, und die nach IAS 19 bilanzierende Industrie, die ebenfalls über einen zu niedrigen Rechnungszins klagt, würde über ihre Passivseite entlastet.

Man müsste als Notenbanker schon auf den Kopf gefallen sein, die Disinflation nicht zur Entschuldung seines Staates zu nutzen. Ohnehin bleibt keine andere Wahl, das Problem so zu „lösen“ (faktisch löst man natürlich kein Problem, da der Moral Hazard genau wie bei den Rettungsschirmen die drogenabhängigen Staaten besonders Südeuropas veranlasst, mit ihren degenerierten Beamten-, Renten- und vor allem Industriestrukturen schlicht weiterzumachen wie bisher und sich nebenbei so endgültig aus dem Konzert der souveränen Industrienationen zu verabschieden. Es sei ihnen gegönnt übrigens).

Man mag einwenden, dass Halbwertszeit des QE immer endlich sein muss, da die von der Notenbank gekauften Bondmassen ja irgendwann fällig werden. Des Autors Tipp war stets, dass diese entweder stante pede durch neue ersetzt werden, die direkt vom Primärmarkt an die Notenbank gehen. Oder aber die Notenbanken machen schlicht einen „einmaligen“ Schnitt – kreative Schwamm-drüber-Buchführung im nationalen Interesse. So scheint es nun zu kommen. Jedenfalls berichtete die FAZ im Oktober, dass Adair Turner, Chef der britischen Finanzaufsicht FSA und möglicher künftiger Gouverneur der Bank von England, einen Schuldenerlass der BoE angedacht habe. Da passt, was die dpn Anfang 2011 schrieb: „Fest steht, dass das, was da in den Kellern der EZB, der BoE, besonders aber der Fed lagert, nie wieder das Licht der Welt erblicken wird. Weltweit gibt es noch kein einziges Endlager für Atommüll. Für Staatsanleihen schon.“

Der Rest ist Asset Inflation. ■

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