Das Angebot klassischer Börsen- und Unternehmensdaten reicht für das Anlagemanagement Institutioneller Investoren bei weitem nicht mehr aus. Doch es gibt Abhilfe. Neue Anbieter treten auf den Plan.

Unmengen zusätzlicher „alternativer“ Daten kommen hinzu. Vor allem aber steigt der Bedarf an Dienstleistungen zur analytischen Auswertung der Daten und ihrer Umsetzung in Anlagelösungen. Für Datenanbieter stellen sich neue Herausforderungen: Analytik und Technologie.

Neben bekannten Anbietern wie Bloomberg, Refinitiv (früher Thomson Reuters Lipper), Morningstar oder MSCI treten neue Anbieter auf den Plan. Ein “jüngerer“ Anbieter ist dabei FactSet, ein amerikanisches Unternehmen mit Hauptsitz in Norwalk/Connecticut. Neu ist das Unternehmen eigentlich nicht – es besteht bereits seit 41 Jahren. In Deutschland hat FactSet aber erst 2003 Büros eröffnet, und zwar in Frankfurt/M. Weltweit ist das Unternehmen bereits mit 60 Büros in 24 Ländern und über 9.000 Mitarbeitern präsent. Und die Kundenbeziehungen, die neben dem „nackten“ Datenangebot per Web oder mobilen Datenträgern (Smartphones, Tablets) auch in komplexen „Workstations“ gemessen werden (das sind Accounts, die nicht nur das direkte Datenangebot, sondern auch interaktive Dienstleistungen enthalten), belaufen sich weltweit auf über 122 Tausend. Der Annual Subscription Value, der in etwa dem Umsatz entspricht, beläuft sich bei FactSet auf jährlich 1,4 Milliarden US-Dollar.

Am deutschen Standort habe man inzwischen „eine gute Kundenzahl“ erreicht, sagt die Kommunikationsleiterin des Unternehmens, Jenny Berlin (genaue Zahlen für die einzelnen Länder werden nicht angegeben). Zur Betreuung stehen den Kunden rund 100 Mitarbeiter in den beiden Frankfurter Büros zur Verfügung, und zwar nicht nur Kunden aus Deutschland, sondern auch Österreich, der deutschsprachigen Schweiz, Polen, Tschechien, Ungarn und der Ukraine.

Seine Stärken sieht das Unternehmen im „Alternative Data Supply“ und besonders dem Dienstleistungsangebot in Form interaktiver Workstations.

Expansiver „Alternative data supply“

Als alternative Daten werden im Prinzip alle Daten verstanden, die jenseits der klassischen Börsen- und Unternehmensdaten liegen. Die Nachfrage nach solchen Daten folgt den veränderten Trends im Asset Management der vergangenen Jahre, erläutert Jenny Berlin. Da sind Trends hervorzuheben wie die Gewichtsverlagerung von aktivem zu passivem Management oder die stärkere Gewichtung quantitativer Managementansätze, die eine Flut neuer Fonds (ETFs, passiver Fonds), Indexwerte und Benchmarks hervorgebracht haben. Daneben hat das Streben nach Diversifikation zu immer neuen Assetklassen und Multi-Asset-Portfolios geführt und damit Daten über Private Equity, Private Bonds, Equity Baskets, Real Estate- und Infrastrukturanlagen erforderlich gemacht. Hinzu kommt ein enormer Bedarf an Social Media- und Sentiment-Daten. Denn für die Beurteilung von Anlagewerten und Unternehmen gewinnen zunehmend Angaben an Bedeutung, die Auskunft darüber geben, wie Unternehmen und Institutionen sich im sozialen Umfeld verhalten oder ihre Governance ausüben. Ein weiteres neues Datenfeld ist das verantwortliche, nachhaltige Investieren (PRI) mit den verschiedenen Standards (ESG, UN Sustainable Development Goals etc.). Nicht zuletzt spielt aber auch die Datenqualität im Wettbewerb eine entscheidende Rolle. Da kommt zu den „Rohdaten“ auch noch eine Vielzahl von Schätzungen hinzu, mit denen beispielsweise Bilanzdaten von Unternehmen verknüpft, plausibilisiert oder aktualisiert werden. „Nicht von ungefähr“, erläutert Jörg Zimmermann, der Regional Sales Manager und Leiter des deutschen Teams, „ist der Data Scientist einer der gesuchtesten Mitarbeiter in unserem Geschäft – ein Spezialist, der aus vorhandenen Daten einen Mehrwert schafft.“

Was dieses alternative Datenangebot angeht, fühlt sich FactSet mit seiner elektronischen Plattform „Open Marketplace“ gut aufgestellt. Sie wurde bereits vor gut einem Jahr, im Frühjahr 2018, auf den Markt gebracht – deutlich vor Bloomberg und Refinitiv, wie Jenny Berlin betont.

Technologie-getriebenes Dienstleistungsangebot

Eine besondere Dynamik entwickelt daneben das Dienstleistungsangebot, für die die Workstations das wichtigste Instrument sind. Da geht es neben dem reinen Datenangebot und dem „Tracking“ der Daten um Research und analytische Verarbeitung, etwa in Form von Performancemessung und –reporting, Risikobeurteilung und -überwachung, Nachhaltigkeitsanalysen, AL-Modellierungen sowie die Ausführung von (quantitativen) Portfoliostrategien und die Exekution von Anlageumschichtungen (Wertpapierhandel). Angesichts des technologischen Wandels öffnet sich gerade auf diesem Gebiet ein Füllhorn an neuen Dienstleistungsangeboten, bei denen sich FactSet nach eigenen Angaben im Spitzenfeld der Branche sieht. Verwiesen wird dabei auf die eigene „Open Technology Infrastructure“ – ein offenes System, in das der Kunde auch eigene Produkte einbringen oder Schnittstellen mit anderen Anbietern integrieren kann – sowie die eigene Fähigkeit, komplexe Datensätze in den Investmentprozess zu integrieren. Gemeint ist mit letzterem die korrekte Integration der Daten, bei der ganz unterschiedliche Datenformate aufeinander abgestimmt werden müssen. „Ohne diese Plausibilität und Qualität sind die Daten praktisch wertlos“, betont Zimmermann.

Immer noch Wachstumsmarkt

Welche Erwartungen hat FactSet an die Zukunft des Geschäftes, speziell auch mit Blick auf den Standort in Frankfurt?

Zimmermann ist davon überzeugt, dass Vermögensverwaltung immer noch ein Wachstumsmarkt ist. Dafür sieht er FactSet mit seinem Angebot und seiner technischen Ausstattung gut aufgestellt. Allerdings ist gleichzeitig der Kostendruck in der Branche nicht zu übersehen. Das führt zu deutlichen Konsolidierungstendenzen im Markt. Anbieter rücken zusammen und kleinere Spezialisten werden übernommen. Auch FactSet hat in den vergangenen Jahren bereits etliche Spezialisten übernommen und damit das eigene proprietäre Angebot verstärkt. „Früher haben wir hauptsächlich Rohdaten von außen bezogen. Mittlerweile sind wir eine eigene Content Company und können eigene Software-Lösungen generieren“, so Zimmermann. Und das heißt: Man kann eigenen Mehrwert erzeugen. Und man ist in der Lage, in dem Rennen um Innovation mitzuhalten.

Ein wichtiges Anliegen ist dabei, dass den Kunden ein einfacher und transparenter Zugang geschaffen wird. Das gilt gerade im deutschen und etlichen anderen europäischen Märkten, in denen der Bekanntheitsgrad von FactSet noch relativ begrenzt ist. „Transparenz und vermittelbare Ansätze sind notwendig, um potentiellen Kunden unsere eigenen Leistungen nahezubringen“, so Zimmermann. Damit sieht er erhebliches Potenzial gegeben, um neue Portfolios zu gewinnen. Und auch in der Tatsache, dass deutsche Investoren vielfach bislang noch mit eigenen Investmentsystemen arbeiten, sieht er künftig gute Absatzchancen für technologisch fortgeschrittenere Leistungen – „Antreten gegen Inhouse“, so seine erfolgversprechende Devise.

 

 

 

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