23.01.2019 | Von BERNHARD RAOS

Alles digital, oder was?

Die Fondsbranche will ihre Prozesse stärker digitalisieren – weniger im Asset Management und mehr in der Administration.

Laut der aktuellen Umfrage des BVI ist die Digitalisierung der Prozesse bei 72 Prozent der Befragten vorrangig, vor der Modernisierung der EDV (63 Prozent) und dem Schutz vor Cyber-Angriffen. In Robo-Beratung will hingegen nur ein Viertel der Umfrageteilnehmer investieren. Befragt wurden 345 Führungskräfte unter den BVI-Mitgliedern. Ihre Unternehmen repräsentieren rund 3 Billionen Euro an Fondsvermögen.

Digitale Technologien werden nach Meinung der Fondsverantwortlichen in erster Linie die Administration betreffen (56 Prozent)  und weniger das Portfoliomanagement (37 Prozent) sowie den Vertrieb (36 Prozent). Die Branche geht von weniger Intermediären in der Wertschöpfungskette aus. In der stark diskutierten Blockchain bzw. Distributed-Ledger-Technologie sieht man keinen Wachstumstreiber, erwartet aber durch die Rationalisierung von Prozessen mehr Effizienz und geringere Kosten.

„Die Fondsbranche wird einen Umbruch erfahren. Allerdings wird der Einsatz von Blockchain, Big Data, Künstlicher Intelligenz und Cloud Computing regulatorisch und praktisch behindert“, sagt BVI-Hauptgeschäftsführer Thomas Richter. So müsste Deutschland unter anderem die Papierurkunde abschaffen, um etwa übertragbare Wertpapiere via Blockchain auszugeben.

Nicht nur das deutsche Recht ist tangiert: Für eine Token-Verbriefung müsste das Wertpapierrecht auf EU-Ebene harmonisiert werden. Es ist noch zu fragmentiert. Standards und Regeln fehlen auch bei der Verwahrung digitaler Wertpapiere – etwa für die Vergabe digitaler Identifikationsnummern. Der BVI fordert einen stabilen Rechtsrahmen, damit die Branche künftig rechtssicher digitale Werte emittieren, erwerben und abwickeln kann.   23

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