Hans-Peter Bannert, Geschäftsführer beim Berlin & Co Family Office, zu Asset Allocation, der Rolle der Banken, externer Expertise und Regulierung.

Herr Bannert, wie hat die Finanzkrise 2008 die Asset Allocation von Family Offices verändert?

Als direkte Auswirkung der Finanzkrise werden komplexe Investmentstrukturen vermehrt hinterfragt. Black Boxes und verschachtelte Strukturen finden nur wenig Anklang. Transparenz, klare juristische Strukturen und Nachvollziehbarkeit der Investments kommen vor hohen Renditeerwartungen. Indirekt ist natürlich auch das aktuelle Niedrigzinsumfeld ein Reflex aus der Finanzkrise und verändert dadurch die Asset Allocation.

Family Offices investieren individuell. Welche Trends lassen sich aktuell erkennen?

Keine Familie ist wie die andere. Die Familienvermögen dienen ganz unterschiedlichen familiären Zielen. Die Familienmitglieder leben vermehrt internationaler. Dies hat Auswirkungen auf die Allocation, außerdem professionalisiert sich das Management von Familienvermögen. Von der Seite der Markttrends hat sich die Bedeutung von Aktieninvestments verstärkt, dabei nehmen aktives Management und Risikocontrolling an Bedeutung zu. Auch Immobilien haben in den letzten fünf Jahren weiter an Bedeutung gewonnen.

Banken haben an Nimbus eingebüsst. Wofür brauchen Family Offices noch externe Expertise?

Banken sind Teil der Wertschöpfungskette, die sich jedoch stark aufgebrochen hat. Banken spielen hier häufig eher die Rolle der Depotbank und Trading Execution. Dennoch gibt es Banken, die die Bedürfnisse von Family Offices verstanden haben und mit individuellen und intelligenten Lösungen überzeugen können. Die Bedeutung nimmt aber tendenziell eher ab, wenngleich es positive Ausnahmen gibt.

Der Begriff Family Office ist nicht geschützt. Wie sondert sich die Spreu vom Weizen?

Solange es keine aufsichtsrechtliche Zulassung und Überwachung für Family Offices gibt, findet die Selektion nur über den Markt statt. Zufriedene Kunden empfehlen ihr Family Office. Der Umfang und die Qualität der Dienstleistung, die im Markt angeboten werden, sind sehr unterschiedlich. Potenzielle Kunden müssen hier genau recherchieren und sich Referenzen einholen. Auch sind mögliche Interessenkonflikte zu identifizieren, wenn das Family Office nicht unabhängig ist.

Wie stark beeinflussen die regulatorischen Veränderungen die Family Offices?

Bislang in Deutschland eher wenig. Wobei bei regulatorischen Anforderungen von Seiten der Aufsichtsbehörden die Eigenheit der Kundengruppe berücksichtigt werden muss. Häufig werden hier Family Office-Kunden mit Retail-Kunden gleichgesetzt, was inhaltlich und organisatorisch wenig zielführend ist.

Danke für das Gespräch.

Einen ausführlichen Artikel zu Family Offices lesen Sie in der Titelgeschichte der kommenden April/Mai-Ausgabe der dpn.

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