Downtown London, drei Tage im Februar: eine unscheinbare Tür in der Oxford Street, Eingang zum legendären „100 Club“, einem der traditionellsten Rock-Läden Europas. Vorbei am Rausschmeißer, Treppe runter. Welcome to „Pensions Rocks III“!

Als Charlie Thomas, Finanzjournalistin der Financial Times in London, mich am Tag zuvor zu einer Musikveranstaltung einlud, bei der sich das Who’s who der britischen Pensionsszene träfe, fragte ich mich erst, ob ich nicht zumindest einen Anzug würde anziehen müssen. Britain ist schließlich Britain, und dort gibt es reihenweise Events, die jeder Deutsche besten Gewissens mit Krawatte besucht, um dann zwischen Engländern im Smoking zu stehen.

Doch mit Anzug wäre ich bei „Pensions Rocks“ wohl leicht overdressed gewesen, trotz der britischen Spitzenpolitiker und Minister, die sich hier die Ehre geben. Zwirn verträgt sich eben nicht so gut mit Led Zeppelins „Communication Breakdown“ und „Honky Tonk Woman“ von den Stones. Denn das ist das Konzept des Musik-Events, den die britische Financial Times – Mutterhaus der dpn – nun schon im dritten Jahr veranstaltet: Die FT ruft alle Marktteilnehmer der Pensionsindustrie – Consultants, Asset Manager, Pensionsfonds et cetera – auf, aus eigenem Personal Bands zusammenzustellen, die an den drei Abenden härtesten Hardrock zum Besten geben. Und das funktioniert! 18 wirklich bemerkenswert starke Acts bringt Charlie, die den Event schmeißt, an den drei Abenden auf die Bühne, sämtlich Combos mit milieutypischen Namen wie Age Against the Machine (MGM), Funds N’ Roses (Towers Watson) oder DB/DC (MHP). On stage also Aktuare, Analysten, Anwälte. Einer der pensionsprominentesten ist Will Sandbrook, der Strategievorstand des Nest (National Employment Savings Trust), des neuen staatlichen Pension Schemes für das jüngst in UK eingeführte Auto-enrolment. Seine Band The Old Grey Whistle Nest rockt den Laden unter anderem mit knackigem „My Sharona“ und einem 1-A-Cover des 80er-Klassikers „Walk This Way“ von Run-DMC featuring Aerosmith. The Old Grey Whistle Nest um die Lead Guitar Sandbrook gehört am Ende auch zu den von einer Jury gekürten Gewinnern, neben Pink Torpedo (F&C Investments) und Moral Hazzard (Sackers). Die drei können je 4.500 Pfund Sterling für einen guten Zweck ihrer Wahl ausgeben, alle anderen Bands erhalten dafür 700 Pfund.

Ach übrigens, auch fürs teutonische Rockerherz war etwas dabei: Die Band Mosch (Aviva Investors) performte die Punk-Version von Nenas „99 Luftballons“. Mit blonder Sängerin und auf Deutsch. Da wurde dem Autor fast ein wenig warm ums Herz, kam er doch ein bisschen ins Träumen. Davon, dass es da vielleicht eines Tages heißen werde: „Pensions Rocks Berlin!“

Foto: Alistair Cunningham

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