Das Interesse der Pensionskassen in Großbritannien an Strategien zum Schutz vor Kursverlusten ist jedoch groß.

Die Kosten von Absicherungsstrategien und die damit einhergehende Komplexität wirken für viele Investoren abschreckend. Tapan Datta, führender Experte für Vermögensstrukturierung bei Aon Hewitt, meint, vor allem einige kleine und mittlere Pensionskassen seien nicht mit Strategien vertraut, die auf Derivaten basieren. Auch die Konditionen für Aktienoptionen schrecken die Anleger ab. Nach seiner Aussage suchen aber viele Pensionskassen nach Strategien zur Risikobegrenzung, um ihr Finanzierungsniveau abzusichern.

Absicherungen bei Aktien, wie zum Beispiel Covered Call Writing, haben nach Einschätzung von Paul Gibney, Partner beim Consultant LCP, „potenziell leichte Vorteile in einem Umfeld, das weiterhin durch niedriges Wachstum und volatile Märkte geprägt sein dürfte“, meint er.

Der Kauf von Put-Optionen zum Schutz vor möglichen Einbrüchen auf dem Markt könne sich als teuer erweisen, sagt jedoch Lloyd Raynor, leitender Berater bei Russell Investments. Es wäre möglicherweise klüger, stattdessen einfach das Aktienengagement zu reduzieren. „Die Prämie für die Put-Option verringert die Aktienrendite. Dies wirkt sich ähnlich aus wie eine geringere Allokation in Aktien“, erläutert er. Raynor empfiehlt eher Covered-Call-Writing-Strategien, die nach seiner Meinung bei zunehmender Risikoaversion tendenziell zu höheren Prämien führen. Diese Prämie, so fügt er hinzu, könne im Falle eines rückläufigen Marktes „einen Ertragspuffer“ bieten. Raynor zufolge beschränkt sich das Interesse an Call-Overwriting-Strategien jedoch auf große Pensionskassen mit starken Kontrollmöglichkeiten.

Tail Risk-Hedging-Strategien würden zunehmend mit Kunden besprochen, die an einer Absicherung gegen Kursverluste interessiert seien, erklärt er. „Normalerweise“ bevorzugt Russell den Schutz vor Kursrückgängen durch eine derivative Struktur, die das gesamte Anlageportfolio des Kunden abdeckt, während eine Tail Risk-Hedging-Strategie nur eine einzelne Anlageklasse umfasst.

Jeroen van Bezooijen, Produktmanager bei Pimco, ist ebenfalls der Meinung, es „mache Sinn“, eine Tail Risk-Hedging-Strategie umzusetzen, die das gesamte Anlageportfolio abdeckt. Allerdings hätten die Anleger in den vergangenen 18 Monaten verstärkt Tail-Risk-Absicherungen nur für eine bestimmte Anlageklasse, wie etwa Unternehmensanleihen, nachgefragt. Van Bezooijen zufolge wird es Zeit brauchen, um die Pensionskassen davon zu überzeugen, ihre gesamte Vermögensstruktur mit einer Tail-Risk-Strategie abzusichern. Die Herausforderung werde darin bestehen, den Anlegern den langfristigen Wert einer Tail-Risk-Strategie
nahezubringen. „Wenn die Märkte zulegen, empfinden die Anleger die Tail-Risk-Strategie als eine Belastung für die Performance“, erläutert er. „Dieser Fall könnte zwar kurzfristig durchaus eintreten, langfristig würden die Anleger jedoch jede Beeinträchtigung der Performance bei steigenden Märkten mehr als ausgleichen.“

Die Diskussionen zwischen Pensionskassen und Beratern über die Absicherung gegen Kursverluste drehen sich nicht ausschließlich um Strategien, die auf Derivaten basieren. Eine Reihe von Beratern wirbt für Equity-Income-Fonds als eine einfache Strategie, die Schutz vor Kursrückgängen bietet. Untersuchungen von Russell hätten gezeigt, dass ein Portfolio mit niedriger Volatilität oder defensiven Titeln potenziell ähnliche Renditen wie der breite Aktienmarkt erreichen kann, jedoch mit einer um 17 Prozent geringeren Volatilität. Nach Aussage von Raynor seien jedoch viele Pensionskassen, die Renditen zur Schließung ihrer Finanzierungslücken anstrebten, nicht bereit, für eine Absicherung gegen Kursverluste das  Aufwärtspotenzial zu opfern.

 

Henry Smith ist Editor von Mandatewire Analysis, einem digitalen Service der Financial Times für Asset Manager. Der Artikel erschein erstmals Mitte September.

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