Sowohl das Welt-BIP als auch die Unternehmensgewinne können sich dank der Einführung von Corona-Impfstoffen sowie der beherzten Unterstützung durch die Politik kräftig erholen, erläutert Pictet in seinem Ausblick für das begonnene Jahr.

Mit Blick auf 2021 haben die Experten von Pictet Wealth Management in ihrer Analyse Faktoren identifiziert, welche die Wertentwicklung von institutionellen Portfolios im aktuellen Jahr maßgeblich beeinflussen werden.

Wenn auch eine globale Erholung nach dem Pandemie-Jahr 2020 zu erwarten ist, empfehlen die Experten, sorgsam zwischen den potenziell in Frage kommenden Investitionsländern zu unterscheiden. Dass die Verschuldung auf allen Seiten zugenommen hat, ist nicht zu leugnen. Den Unterschied macht an dieser Stelle jedoch die Stärke des jeweiligen Landes, die durch die Pandemie angefallenen Kosten tragen zu können.

Diverse Ereignisse können laut Pictet Einfluss auf die einzelnen Länder und ihre Entwicklung haben. Beispielsweise das Nachlassen des Handelskonflikts in den USA durch allmähliche politische Stabilisierung nach der Trump Ära könnte so ein Ereignis sein. Auch der Abschied Angela Merkels aus dem Amt der Bundeskanzlerin könnte sich auf Deutschland auswirken. Bereits jetzt zeichnet sich parallel ab, dass sich die Korrelationen zwischen den Aktienmärkten verschiedener Länder auflösen. Diese sinkenden Marktkorrelationen dürften Makro-Hedgefonds-Strategien bei der Generierung von Alpha unterstützen. Auch dieser Trend sollte sich weiter fortsetzen, so Pictet.

Zyklische Unternehmen mit Infrastrukturbezug, allen voran jene, die die Umweltkriterien erfüllen, dürften 2021 zusätzlichen Auftrieb erhalten, wenn die Regierungen ihre Volkswirtschaften nach der Covid-19-Krise wieder aufbauen. Daneben weisen laut Pictet Anleihen und Aktien mit deutlichem Bezug zu Nachhaltigkeit weiterhin ein hohes Potenzial für institutionelle Investoren auf.

Aufgestaute Nachfrage soll freigesetzt werden

Für jene Unternehmen und Branchen, die am stärksten von Corona betroffen waren, sieht es in diesem Jahr umso positiver aus, so die Experten. Die aufgestaute Nachfrage sollte in diesem Jahr freigesetzt werden und dabei einer Reihe von Konsum- und anderen zyklischen Sektoren zugutekommen. Insbesondere Qualitätsunternehmen und Unternehmen mit Technologiebezug dürften sich weiterhin durch Wachstum auszeichnen.

Die Experten sind auch der Ansicht, dass innovative Small-Cap-Unternehmen, welche die Digitalisierung vorangetrieben haben und einen operativen Hebel aufweisen, ein Comeback feiern dürfen. Dazu passt, dass die Mittelzuflüsse in Aktienfonds erstmals seit Ende 2018 jene in Anleihen- und Geldmarktfonds übersteigen. Darüber hinaus dürften aktive Manager von ihrem Durchhaltevermögen und einem Anstieg der Unternehmenstransaktionen profitieren.

Im Bereich M&A-Aktivitäten sprechen niedrige Finanzierungskosten und der sich aufhellende Konjunkturausblick für eine Zunahme ebendieser. Laut Pictet kann sich die Transaktionsaktivität auf offensive oder defensive Art gestalten. Es besteht eine grobe Korrelation zwischen dem Rückgang der Median-Eigenkapitalrendite (Return on Equity, RoE) in den letzten Jahren und den rückläufigen Transaktionsabschlüssen. Für die Experten bedeutet dies, dass ein Anstieg der RoE nach Covid-19 mit einer Zunahme der M&A-Aktivität einhergehen könnte. Event-Driven-Hedgefonds dürfte ein Anstieg der Transaktionsabschlüsse zugutekommen.

Mit Fokus auf den Emerging Markets machen die Experten deutlich, dass allem voran eine sorgfältige Länder- und Unternehmensauswahl anstelle eines nicht selektiven Ansatzes von Bedeutung ist. Auf Grund des Nachlassens der Handelsspannungen, einer Schwächung des US-Dollar und einem Anstieg der Rohstoffpreise sollten, laut Analyse, die Schwellenmärkte profitieren. Chancen werden auch bei Unternehmens- sowie Staatsanleihen aus Ländern gesehen, deren Renditen höher ausfallen als bei Industrieländerpapieren mit vergleichbarer Qualität. Das bisherige Hauptaugenmerk lag laut Experten auf dem asiatischen Schwellenmarkt. Dieses Jahr ist jedoch eine Ausweitung auf weitere Regionen ein Anlagenthema.

Aussicht für Staatsanleihen sieht eher trüb aus

In Sachen Staatsanleihen erwartet Pictet laut Ausblick negative Erträge. Wenngleich davon ausgegangen wird, dass die Zentralbanken dem Beispiel der Bank of Japan folgen und einen übermäßig starken Anstieg bei Anleihen langer Laufzeit verhindern werden, dürften die Staatsanleihenrenditen zweifelsohne unter Druck geraten. Schuld daran sind der Aufschwung, der an Dynamik gewinnt und die steigenden Inflationserwartungen. Negative Gesamterträge aus Industrieländern könnten an den Grundfesten der sicheren Häfen rütteln.

Des Weiteren dürfte das aktuelle Jahr ein gutes Jahr für Anleihen-Picker werden. In dieser Hinsicht haben die Analysten drei Richtlinien zur Orientierung aufgestellt. Erstens sollten die Investment-Grade-Papiere höchster Qualität und die Hochzinstitel niedrigster Qualität gemieden werden. Der Fokus sollte auf Anleihen mit BBB oder BB Rating gelegt werden. Hierbei sollte eine Bullet- statt Barbell-Strategie verwendet werden. Zweitens sollten sich Investoren weiter unten in der Kapitalstruktur von Qualitätsemittenten mit starken Fundamentaldaten positionieren, statt Abstriche bei der Qualität zu machen. Drittens könnte die Spread-Duration im Investment-Grade-Segment unseres Erachtens nach wie vor einen Renditeaufschlag bieten.

Da Staatsanleihen aufgrund der anhaltend niedrigen Renditen einen dürftigen Portfoliopuffer bieten, könnten Währungen als alternative Puffer in Betracht gezogen werden. Die Analysten rechnen mit einer Abwertung des US-Dollar aufgrund der rückläufigen Safe-Haven-Nachfrage. Ebenso wird ein Verlust des Rendite- und Wachstumsvorteils, den die Währung zuvor hatte, erwartet. Den Vorzug hätten stattdessen einer Reihe von Schwellenländerwährungen, darunter der chinesische Renminbi. Diesem komme die Wachstums- und Zinsdynamik sowie die starke Leistungsbilanz Chinas zugute.

Spotlight auf Rohstoffe

Schwellenländerwährungen scheinen allgemein so stark unterbewertet zu sein wie seit 2008 nicht mehr. Laut Analyse sollten die Investoren Länder mit starken Leistungsbilanzen und hohen Devisenreserven bevorzugen.

Reale Vermögenswerte werden 2021 laut Pictet auch weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Dank der Konjunkturerholung erhöhe sich die Nachfrage nach Rohstoffen wie Basismetallen und Öl. Auch Immobilien seien aufgrund des Zinsrückgangs attraktiv. Ein schwacher US-Dollar und die Aussicht auf anhaltende geldpolitische Stimuli im nächsten Jahr dürften Gold trotz kurzfristiger Rückschläge auf mittlere Sicht stützen.

Resümierend erklären die Experten noch, dass die Volatilität weiterhin als eigene Anlageklasse erachten. Die Volatilität an den Aktienmärkten hat zwar seit dem Höhepunkt der Pandemie nachgelassen, fällt im historischen Vergleich aber nach wie vor hoch aus.

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