Die diesjährige Master-KVG-Umfrage von dpn und Kommalpha AG ergab: Geschäftsmodelle und organisatorische Struktur der Anbieter unterscheiden sich, nicht so sehr aber Reporting und Meldewesen.

Die Master-KVGen weisen keine signifikanten Unterschiede im Angebot von Reporting-Dienstleistungen und in der Unterstützung im Meldewesen auf, so die weiteren Ergebnisse der “Master-KVG-Umfrage 2021” von dpn und der Kommalpha AG (lesen Sie hier weitere Ergebnisse). Lediglich in der Bilanzierung nach IFRS und US-GAAP gibt es ein unterschiedliches Angebot, wobei dies sicher für eine kleine Anzahl von Spezialfondsinvestoren aufgrund ihrer internationalen Aufstellung von Relevanz ist. Alle Häuser decken die wesentlichen kundenspezifischen Regularien beim Meldewesen wie VAG, Solvency II, GroMiKV, CRR/CRD IV, PRIIPs oder MiFID II ab.

Die Kür in diesem Bereich stellen kundenindividuelle Formate sowie ein effizientes und korrektes Datenmanagement der meistens verschiedenen kundenseitigen Eingangsdaten dar. Im Reporting gibt es ebenfalls keine wesentlichen Unterschiede im Angebot der Häuser. Integration von Direktanlagen und illiquiden Assets, spezielles ESG-Reporting, Performance- und Risikomessung samt Attributions- und Szenarioanalysen sind mittlerweile Standardthemen. Das gilt auch für die Bereitstellung entsprechender Reports in elektronischer und weiterverarbeitbarer Form sowie die Optimierung hinsichtlich verschiedener Endgeräte.

Allerdings gibt es eine Vielzahl von Details, die das Angebot letztlich doch nicht völlig vergleichbar machen. Das sind zum einen Themen wie Benutzerfreundlichkeit und Haptik von Webportalen und Datenplattformen und der entsprechende Service der Gesellschaften. Hier spielt auch der Geschmack der Kunden beziehungsweise „User“ eine wesentliche Rolle, so dass keine wirkliche Vergleichbarkeit möglich ist. Zum anderen unterscheiden sich die Schnittstellenfähigkeit und Flexibilität der Anbieter beim technischen und operativen Aufsatz von Mandaten sowie der entsprechenden Abbildung und Integration von meist exotischen Finanzinstrumenten oder alternativen Assets. Hier steckt der Teufel im Detail und stellt hohe Herausforderungen an die Fachabteilungen bei den Anbieter und Kunden.

Unterschiede in organisatorischer Struktur und Geschäftsmodell

Die gewachsenen Strukturen sowie die Einbettung der meisten Master-KVGen in einen Konzern haben zu unterschiedlichen Angeboten von Zusatzdienstleistungen neben der reinen Administration geführt. Diese sind primär in den Bereichen Asset Management, Verwahrung und dem Angebot von Insourcing zu finden. Insofern gibt es unter den Umfrageteilnehmern ein heterogenes Bild je nach Konzerneinbettung und Organisationsentwicklung beziehungsweise Positionierung.

In den Themenbereichen Asset-Liability-Beratung, Overlay Management, Wertsicherungskonzepte, aktives und passives Asset Management, ESG-Beratung sowie Insourcing von KVG- und weiteren Administrationsleistungen sind die Umfrageteilnehmer teilweise sehr unterschiedlich aufgestellt. Dazu kommt, dass einige Häuser eigene Verwahrstellen unter dem Konzerndach haben und dies aktiv bei der Positionierung einsetzen.

Gerade bei mittelgroßen und kleineren institutionellen Investoren sowie Asset Managern als Kundengruppe scheint sich der Trend zu entwickeln, mehr Dienstleistungen aus einer Hand zu beziehen und die Zahl externer Anbieter zu reduzieren. Der ursprüngliche Trend vom Aufbrechen der Wertschöpfungskette und der Trennung von Administration und Verwahrung aufgrund von Interessenkonflikten ist nicht mehr vollumfänglich intakt.

Die Vorzüge, alles beziehungsweise vieles aus einer Hand zu beziehen liegen in der Reduktion von Vertrags- und Ansprechpartnern und damit in der Vereinfachung des operationellen Tagesgeschäfts sowie im Pricing. Die früher häufig gescholtene Quersubventionierung von Services wird heute billigend in Kauf genommen bei der Bündelung und Pauschalierung von Dienstleistungen. Margendruck auf Anbieterseite und Renditedruck auf Investorenseite treiben diese Entwicklung. Ein kleiner Kreis von Master-KVGen hat sich weiterhin auf Insourcing von KVG-Administration und sonstigen Administrationsdienstleistungen von Verwahrstellen oder Asset Managern spezialisiert und somit ihr Geschäftsmodell strategisch für Dritte geöffnet.

Konstante Preisentwicklung

Hinsichtlich der Preis- beziehungsweise Gebührenentwicklung sind sich die Umfrageteilnehmer fast einig in der Aussage, dass diese in den letzten zwei Jahren konstant war. Lediglich drei Häuser gaben an, dass sich die Preise nochmal reduziert haben.

Hinsichtlich der zukünftigen Konditionenentwicklung besteht die einhellige Erwartung, dass diese ebenfalls konstant sein wird. Viel weiter nach unten kann es auch nicht gehen. Allerdings ist zu bemerken, dass die zugrunde liegenden Assets, die überwiegend noch Grundlage der Preismodelle von Master-KVGen sind, stark angestiegen sind.

Insofern liegt die These nahe, dass sich der Margendruck und die kaufmännische Situation bei den Master-KVGen in den letzten Jahren etwas entspannt haben. Der Komfort dieser Situation wird jedoch wiederum durch nach wie vor hohe Investitionserfordernisse in IT und Personal auf Seiten der Master-KVGen belastet. Das höchste Potenzial für Master-KVGen liegt sicher im weitere Marktwachstum insbesondere von Spezialfonds. Liegt dort das Nettomittelaufkommen wie in den letzten Jahren um die 100 Milliarden Euro wird ein gehöriger Teil in den bestehenden Masterfondsstrukturen landen und die Basis der Preisberechnung mühlenhaft erhöhen.

Im Bereich neuer großer Masterfondsmandate ist das Potenzial in Deutschland weitestgehend ausgeschöpft. Hier liegt das Potenzial in Mandatswechseln, wobei diese in der Zahl klein und hart umkämpft sein werden.

Weitere Wachstumstreiber des Master-KVG-Geschäfts sind zunehmende regulatorische Anforderungen, Ausbau von alternativen Investments, alle Themen rund um ESG, weitere Verlagerung von Direktinvestments in Fondsstrukturen sowie deren Integration in Reporting und Steuerung.

Aussagen der einzelnen Marktteilnehmer zu den Wachstumstreibern sowie weitere Informationen zum Thema finden Sie in der dpn-Ausgabe April / Mai 2021.

 

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