Der Kunstmarkt zeigte sich in der Krise resilient. Das zeigt der Halbjahresbericht 2021 von Art Basel und UBS.

Der Kunstmarkt hat durch die Corona-Krise gelitten – Galerien mussten schließen und Messen wurden gestrichen. Doch die Branche präsentiert sich innovativ und findet neue Wege, das Kunstobjekt an den institutionellen Investor zu vermarkten. In ihrem Bericht für das erste Halbjahr 2021 “Resilience in the Dealer Sector”, basierend auf einer Umfrage unter Händlern und Sammlern, haben Art Basel und UBS folgende fünf Schlüsse gezogen:

1. Mehr als die Hälfte der Händler meldete einen Umsatzanstieg

51 Prozent der befragten Händler meldeten einen Umsatzanstieg im ersten Halbjahr 2021 gegenüber dem Vergleichszeitraum 2020. Besonders Asien mit einem Plus von 18 Prozent tat sich hervor. Am schwierigsten war indes die Lage in Europa. Für die Region verzeichneten Händler einen Rückgang von 7 Prozent.

2. Kunstinvestments sind eine Generationsfrage: Millennials haben die Nase vorn

Die befragten Sammler ließen sich durch die Corona-Krise nicht abschrecken, ganz im Gegenteil. Sie legten allein in der ersten Jahreshälfte 2021 rund 42 Prozent mehr als im gesamten Vorjahr für Kunstobjekte auf den Tisch. In absoluten Zahlen ausgedrückt waren es im Schnitt 242.000 US-Dollar pro Kopf, die Kunstliebhaber für Kunst und Antiquitäten ausgaben, verglichen mit 170.000 im Gesamtjahr 2020. Besonders beliebt ist Kunst offenbar bei der jüngeren Generation. Millennials – also grob die in den 1980er und 1990er geborenen – investierten 380.000 US-Dollar und damit mehr als dreimal so viel wie die Generation X und die Boomer.

3. Der Kunstmarkt wird weiblicher

In der ersten Jahreshälfte 2021 stiegen die Ausgaben weiblicher Sammler um gut ein Drittel auf 410.000 US-Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie die Ausgaben ihrer männlichen Kollegen, die im Vergleich zu 2020 einen Zuwachs von nur 9 Prozent auf 163.000 US-Dollar verzeichneten. Es gab auch Anzeichen dafür, dass Künstlerinnen in den Sammlungen immer stärker vertreten sind: 42 Prozent der erstandenen Werke wurden von Künstlerinnen kreiert, gegenüber 39 Prozent im Jahr 2020 und 37 Prozent im Jahr 2019.

4. Digitale Beschleunigung setzt sich fort

Auf Online-Kanäle entfielen 33 Prozent aller Verkäufe von Händlern – das ist mehr als doppelt so viel wie im Vorkrisenjahr 2019. Die meisten Online-Verkäufe wurden über die eigenen Online-Kanäle der Händler getätigt – einschließlich ihrer Websites, Social-Media-Kanäle und E-Mail.

Überhaupt wird der Kunstmarkt digitaler, bemerkt Kunstmarktexpertin Dr. Ruth Polleit Riechert. “Der Kunstmarkt 2.0 könnte zukünftig Teil des Finanzmarktes werden”, lautet ihre Überzeugung. So sind Non-Fungible Tokens (NFTs) auf dem Vormarsch. Mittels dieser Tokens können Objekte wie Kunst, aber auch andere Real Assets oder auch Musikrechte, online gehandelt werden. In der Regel erfolgt dies mittels Kryptowährung, basierend auf der Blockchain.

„NFTs etablieren sich nicht nur als Zertifizierung für digitale Kunst, sondern auch als Verbreitung für klassische Meisterwerke und deren Fraktionalisierung. Jeder Interessent kann somit Miteigentümer eines Blue Chip-Werkes werden und damit handeln”, so die Kunstexpertin. Entsprechende Handelsplattformen dafür werden zurzeit aufgebaut. “Die Liquidität im Kunstmarkt wird voraussichtlich ansteigen. NFTs und damit einhergehend die Preistransparenz am Markt ziehen nämlich neue Kunden an – vor allem aus Asien und der Generation der Millenials“, so Dr. Polleit Riechert. Die neuen Technologien machen den Markt transparenter und haben das Potenzial, den Kunsthandel zu revolutionieren.

5. Nachhaltigkeit steht bei den Sammlern ganz oben auf der Agenda

Die Umfrage ergab zudem, dass 77 Prozent der befragten Sammler über nachhaltige Optionen nachdenken, wenn es um den Kauf von Kunstwerken oder die Verwaltung ihrer Sammlungen geht.

Die Studie entstand unter der Leitung der Kulturökonomin Dr. Clare McAndrew. Sie befragte mehr als 700 Kunsthändler in 54 Regionen oder Ländern der Welt. Außerdem fließen die Ergebnisse einer Umfrage unter 500 vermögenden Sammlern ein, die von Arts Economics und UBS Investor Watch in fünf Märkten (USA, Großbritannien, Hongkong, Deutschland und Schweiz) durchgeführt wurde. Ebenfalls fließen Daten des UBS Evidence Lab ein.

 

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