Die Digitalisierung fördert die Transparenz am Kunstmarkt und vereinfacht den Marktzugang, wie Dr. Ruth Polleit-Riechert in ihrem Gastbeitrag erläutert.

Neben dem Direkterwerb von Kunstwerken gibt es eine andere Möglichkeit, um sich Kunst als Anlageklasse zu erschließen, und zwar über den Erwerb von Anteilen an Kunstfonds. Sie steht sowohl kunstinteressierten Laien offen, aber auch institutionellen Anlegern, um Zugang zu Blue-Chip-Werten zu erhalten.

Die Digitalisierung bringt Vorteile für private wie auch klassische Investoren: Nicht nur für den Kauf einzelner Werke wird es mehr Datenmaterial und Sicherungsmöglichkeiten geben, sondern es auch zeichnen sich auch neue Produkte als Weiterentwicklung des physischen Kunstfonds ab.

Von den meisten herkömmlichen Fondslösungen, die in Europa in den letzten Jahren angeboten wurden, sind jedoch nur noch wenige am Markt. Ihr Anlageerfolg blieb vielfach aus, auch waren viele Fonds intransparent und hatten eine geringe Liquidität. Zudem waren die Kosten für die Aufsetzung und den laufenden Betrieb (Echtheitsprüfung, Kauf und Verkauf, Lagerung, Versicherung, Managementgebühr et cetera) vergleichsweise sehr hoch – und haben die Investitionsrendite gesenkt.

Neue Technologien lösen nun einige dieser Probleme. Zum Beispiel ist es über die Blockchain langfristig möglich, Kunstwerke mit einem digitalen Zertifikat zu versehen, um Fälschungen auszuschließen. Dies ist besonders interessant für zeitgenössische Werke, die neu in den Markt eintreten. Sie erhalten einen digitalen Pass, der sowohl ihre Herkunft dokumentiert als auch jegliche Abfertigung für Transport und Zoll vereinfacht. Gleichzeitig eliminiert die Blockchain langfristig Zwischenhändler. Das verringert die Kosten, vereinfacht die Übertragbarkeit der Kunstwerke und stellt Echtheit und Herkunft der Kunstwerke sicher.

Eine weitere Innovation ist die digitale Form des herkömmlichen physischen Kunstfonds, das Art Fractioning. Sie erlaubt es, digitale Anteile von einem Kunstwerk oder sogar ganzen Sammlungen anzubieten. Entsprechende Angebote gibt es bereits von einigen auf den Kunstmarkt spezialisierten Unternehmen. Dieser Ansatz eröffnet Investoren die Möglichkeit, ein diversifiziertes Portfolio von digitalen Kunstanteilen aufzubauen.

Bei allen Angeboten sollten Investoren allerdings auf den Nachweis der Authentizität des Kunstwerks achten, die Absicherung bei Fälschung oder Betrug (ist das Kunstwerk im Besitz der Fondsgesellschaft oder als Sondervermögen aufgesetzt) und wie liquide und fungibel die erworbenen Anteile sind. Darüber hinaus ist die Prüfung der Höhe der Managementgebühren wichtig, wer und wann über Einkauf und Verkauf entscheidet und ob der Anbieter zur Wertsteigerung der Werke – durch Ausstellung etwa – beiträgt. Besonders bei der Einschätzung zur Höhe des Kaufpreises des Kunstwerks reicht die Transparenz des vorhandenen Datenmaterials noch nicht aus. Hier ist die Beratung durch einen ausgewiesenen Experten erforderlich.

Entwicklung innovativer, transparenter neuer Märkte für digitale Kunst

Durch die Digitalisierung und verstärkte Preistransparenz werden nicht nur jüngere Zielgruppen erschlossen, sondern es hat sich auch ein gänzlich neuer Markt für Kunst rasant entwickelt: der Markt für rein digitale Kunst. Das Auktionshaus Christie’s hat als erstes großes Auktionshaus ein NFT-Kunstwerk (Non-Fungible-Token) am 11. März 2021 für den sensationellen Preis von 69,3 Millionen US-Dollar inklusive Aufgeld versteigert. Das Kunstwerk „Everydays: The First 5000 Days“ ist eine digitale Kopie einer aus 5.000 Einzelbildern zusammengesetzten Collage. Das Besondere: Der Urheber Beeple, bürgerlich Mike Winkelmann, hat sein Werk mit einem einzigartigen Code eindeutig identifizierbar und dadurch fälschungssicher gemacht.

„The First 5.000 Days“ ist nun das drittteuerste Werk eines lebenden Künstlers, das bei einer Auktion verkauft wurde. 91 Prozent der Bieter der Auktion waren übrigens Neukunden bei Christie‘s. Käufer von NFTs erhalten die Kunstwerke in Form einer verschlüsselten mit einer digitalen Signatur versehenen Datei, die auf der Blockchain hinterlegt ist; es gibt keine physische Entsprechung des Werkes. Damit sind sie einzigartig, fälschungssicher, nicht duplizierbar, in ihrer Herkunft nachverfolgbar.

Entscheidend ist, dass im Gegensatz zur traditionellen Kunstwelt die Herkunft für alle NFT-Käufe öffentlich, unveränderbar und in der Blockchain verfügbar ist. Damit werden sie äußerst attraktiv als Handels- und Spekulationsware, weil sie weder zu kopieren noch zu fälschen sind. NFTs sind einmalig wie sonst nur physische Originale.

Damit einhergehend entwickeln sich sogenannte „disruptive marketplaces“, auf denen NFTs verkauft werden. Bezahlt wird in der Regel mit Kryptowährung. Der NFT-Markt spricht ein völlig neues technikaffines Publikum an. So hat kürzlich Elon Musk, CEO von SpaceX und Tesla, seine Investitionen in NFT-Kunst publik gemacht. Kurze Zeit später hat seine Freundin, die Sängerin Grimes, von ihr erstellte NFTs für 6 Millionen US-Dollar verkauft.

Höhere Transparenz am Kunstmarkt

Diese Neuerungen revolutionieren den Kunstmarkt: Jeder Interessent hat Zugang und kann Preise und Transaktionen transparent einsehen. Künstler können ihre Kunstwerke anbieten, ohne durch das Nadelöhr der Galerien gehen und die Hälfte des Verkaufspreises abgeben zu müssen. Der Weg ihres fälschungssicheren Kunstwerks ist nachvollziehbar und sie können bei jedem Weiterverkauf am Umsatz partizipieren.

Auch wenn es sich beim Markt mit digitaler Kunst kurzfristig um übertriebene Spekulationen und Blasen handeln mag, könnte es sich meiner Meinung nach beim Markt für digitale Kunst möglicherweise um ein neues Kapitel in der Kunstgeschichte auf dem Weg zur Demokratisierung des Kunstmarkts handeln. Trotzdem gilt es hier zunächst abzuwarten und zu beobachten, ob sich der Markt für digitale Kunst dauerhaft etablieren kann.

Digitalisierung vereinfacht Marktzugang

Die Digitalisierung vereinfacht den Zugang zur Kunst als Anlageklasse für eine größer werdende Zielgruppe an Menschen. Allerdings reichen die Datenmenge und die Preistransparenz im Moment noch nicht aus, um ohne Unterstützung von Experten gute Investment-Entscheidungen im Kunstsegment treffen zu können. Neue Entwicklungen klingen interessant, sind aber zu spekulativ für langfristige Anleger.

Dagegen haben die Blue-Chip-Werke der weltweit bekanntesten und umsatzstärksten Künstler langfristig Bestand. Die Wertentwicklung über 20 Jahre zeigt eine langfristig überdurchschnittliche Performance – auch in Krisenzeiten. Meiner Einschätzung nach bietet der Kunstmarkt aktuell sehr gute Einstiegsmöglichkeiten für Klassiker, wenn man sich auskennt, über gute Kontakte verfügt und die Preise einschätzen kann.

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