Nach der virtuellen Notenbanktagung Jackson Hole geht der Markt davon aus, dass die US-Notenbank Fed noch in diesem Jahr von ihrer ultralockeren Geldpolitik abkehren könne. 

Zwar erhole sich die Wirtschaft, doch der Arbeitsmarkt bietet noch etwas Anlass zur Sorge, so der Tenor der Rede von Fed-Chef Jerome Powell. Die zuletzt rasant gestiegenen Inflationsraten schätzt der Notenbankchef weiterhin als vorübergehend ein. Das langsame Abschmelzen der monatlichen Anleihekäufe könnte noch in diesem Jahr beginnen.

Nach Einschätzung der Union Bancaire Privée (UBP) weist das jüngste Fed-Protokoll darauf hin, dass die Tapering-Debatte deutlich vorankommt. Dennoch sei es am wahrscheinlichsten, dass Powell auf der Fed-Sitzung im September nur eine Vorwarnung aussprechen wird, sagt Mohammed Kazmi, Portfolio Manager Fixed Income und Macro Strategist. „Zu diesem Zeitpunkt wird der Fed ein weiterer Arbeitsmarktbericht vorliegen, anhand dessen sie feststellen kann, ob weitere wesentliche Fortschritte in Richtung ihrer Ziele erzielt wurden, was die Tür für eine Tapering-Ankündigung öffnen dürfte“, so Kazmi.

Jackson Hole liefert „nichts bahnbrechend Neues”

„Das mit viel Spannung erwartete Zentralbanker-Symposium in Jackson Hole lieferte, anders als 2020, nichts bahnbrechend Neues. Keine neue Fed-Strategie, keine Neubewertung der Zielgewichtung, keine Ausflüge in soziale Fragen außerhalb traditioneller Geldpolitik“, kommentiert Dr. Martin Lück, Leiter Kapitalmarktstrategie in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Osteuropa bei BlackRock. Stattdessen enthalte die Rede von Powell einen weiteren Baustein in der Vorbereitung der Märkte auf die schrittweise Rückführung der Anleihekäufe.

„Selbst wenn ein Einstieg in das Tapering, also das graduelle Abschmelzen der monatlichen Anleihekäufe von derzeit 120 Milliarden US-Dollar, noch in diesem Jahr absolut realistisch erscheint, scheint vor dem Hintergrund der Unsicherheiten der Dezember wahrscheinlicher als der November“, so Lück. Die Hürden für den ersten Zinsschritt liegen deutlich höher als die für das Tapering.

Delta-Ausbruch könnte Beschäftigungsaufbau bremsen

Nach Einschätzung von Generali Investments war Powells Rede sehr viel deutlicher als erwartet. „Wenn die Delta-Variante die Entwicklung des Arbeitsmarktes nicht stört, dürfte das Tapering noch vor Ende des Jahres beginnen”, heißt es. „Powell formulierte die aktuelle Tonlage der Fed auf eine optimistischere Weise um.” Der Offenmarktausschuss FOMC halte die Fortschritte bei der Inflation für ausreichend, um das Quantitative Easing zu verlangsamen. Auch der Arbeitsmarkt erhole sich.

„Um das Risiko eines “taper tantrum” zu minimieren, betonte Powell erneut, dass die Entscheidung, die Anleihenkäufe zu reduzieren nicht mit einer Zinserhöhung verbunden ist. Daher wird die Geldpolitik auch nach Beginn des Tapering weitgehend akkommodierend bleiben”, heißt es weiter. Sofern sich das Infefektionsgeschehen nicht verstärke und damit den Beschäftigungsaufbau im Dienstleistungssektor bremst, dürfte das Tapering nach Einschätzung von Generali Investment im November beginnen. Die erste Zinserhöhung werde Mitte 2023 erfolgen, so die Prognose.

Und auch Yanick Loirat, Head of Euro Sovereign Investments und Senior Vice President bei Neuberger Berman, erwartet das Tapering noch vor Ende des Jahres. „Die Fed hat klargestellt, dass ihre Handlungsweise nicht mit der Inflation zusammenhängt, die vorübergehend stärker sein dürfte als erwartet.” Die Fed handele vor allem in Bezug auf den Arbeitsmarkt. „Inzwischen beginnt der Arbeitsmarkt sich zu erholen, aber noch ist man bei Neuberger Berman nicht an dem Punkt, an dem man sich eine sofortige Reduzierung der Fed-Käufe vorstellen kann. Das wird jedoch wahrscheinlich noch vor Ende des Jahres geschehen”, lautet die Einschätzung.

Laut Achim Stranz, Chief Investment Officer bei AXA Investment Managers, ist mit einer Reduktion der Anleihekaufprogramme allerdings erst im ersten Quartal 2022 zu rechnen. „Leitzinserhöhungen sind allerdings immer noch nicht in Sicht und dürften erst im Jahr 2023 Realität werden“, lautet seine Meinung.

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