Überraschend stark ist der ifo-Index im Juni nach oben geschnellt. Doch Lieferengpässe und steigende Vorproduktpreise machen dem verarbeitenden Gewerbe zu schaffen. Dennoch gibt es nach Einschätzung von Asset Managern viel Grund für Optimismus.

Das Geschäftsklima in Deutschland erholt sich von den Auswirkungen der Corona-Krise. So kletterte der ifo-Gesamtindex im Juni auf 101,8 Punkte und lag damit 2,6 Punkte höher als im Vormonat. Das Plus fällt damit deutlich höher aus als von Analysten erwartet. Sowohl die Einschätzung der aktuellen Lage als auch die Erwartungen haben dabei kräftig zulegt. Und dies gelte auch für fast alle Teilindizes in den vier Sektoren.

„Lediglich in der Industrie haben sich die sehr hoch fliegenden Erwartungen ein wenig normalisiert“, kommentiert die DWS. Allerdings verfestige sich das Bild, dass der Boom endlich wieder da ist. „Wir gehen davon aus, dass diesem Boom durch Lieferengpässe ein wenig die Spitze genommen wird. Dafür kann er dann umso länger anhalten. Die Aussichten sind also weiterhin sehr gut“, zeigen sich die DWS-Analysten optimistisch – wie auch schon in ihrem Halbjahresausblick.

Angesichts von Lieferengpässen und Materialmangel sieht die Commerzbank indes den ifo-Wert als nur begrenzt aussagekräftig an. „Viele Unternehmen können nämlich die boomende Nachfrage, die sich im aufwärtsgerichteten Geschäftsklima niederschlägt, wegen des Mangels an Vorprodukten wie Halbleitern nicht in eine höhere Produktion ummünzen“, heißt es. So ist die Produktion im verarbeitenden Gewerbe samt Bergbau seit Jahresbeginn um 2,5 Prozent gefallen. Dem gegenüber steht ein Plus bei den Auftragseingängen von 6,1 Prozent. Somit dürfte die Industrieproduktion in den kommenden Monaten bestenfalls stagnieren.

Laut Dr. Dr. Johannes Mayr, Chefvolkswirt von Eyb & Wallwitz, sind die Angebots- und Lieferengpässe temporär. Zur dauerhaften Inflation sollten sie nicht führen.

BIP-Boom durch Handel und Dienstleistungen

Die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) für 2021 belässt die Commerzbank unverändert bei 4 Prozent. Allerdings: Treiber werden der starke Umsatzanstieg im Handel und bei den Dienstleistungen sein und nicht das verarbeitende Gewerbe. Denn hier hat sich Einiges an Nachfrage aufgestaut.

Aegon Asset Management spricht sogar von einer „weltweiten Explosion des nominalen BIP“. „Im Grunde genommen werden wir in diesem Jahr einen synchronisierten globalen Wirtschaftsboom haben, der die Wachstumszahlen auf Rekordniveau ansteigen lassen wird“, so Hendrik Tuch, Head of Fixed Income bei dem Asset Manager. Der IWF prognostizierte jüngst, dass die globale Weltwirtschaft in 2021 um 6 Prozent wachsen wird. Für 2022 erwartet er weitere 4,5 Prozent Plus. Die Zahl für das globale nominale BIP-Wachstum dürfte in diesem Jahr bei fast 10 Prozent und im Jahr 2022 bei weiteren 7 bis 8 Prozent liegen.

Die aktuelle Krise unterscheidet sich nach Einschätzung von Tuch in zweierlei Hinsicht von vorigen Rezessionen: Normalerweise werden Rezessionen durch Ungleichgewichte verursacht, die Zeit brauchen, um sich zu bereinigen. Diese Rezession war hingegen „selbst-induziert”. Der zweite Grund ist, dass die Regierungen der Industrieländer anders als in früheren Rezessionen entschlossen sind, ihre Ausgabenprogramme fortzusetzen. Langfristige staatliche Investitionen werden erhöht. Dies steigere die Produktivität und habe einen relativ hohen Multiplikatoreffekt.

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