Das erste Halbjahr 2021 ist um, es lohnt sich also der Blick auf die zweite Jahreshälfte. Invesco blickt positiv auf die kommenden Monate und fasst die Implikationen für verschiedene Anlageklassen zusammen.

Positiv gestimmt zeigen sich die globalen Marktstategen von Invesco. Das globale Wirtschaftswachstum profitiere vom Wiederhochfahren nach den Lockdowns. Noch bis Ende des ersten Quartals 2022 werde dies das Wachstum weiter beschleunigen, bevor es dann an Fahrt verliert, lautet das Basisszenario der Experten. So befinde sich die Weltwirtschaft in in der Frühphase des Konjunkturzyklus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nähere sich zwar bereits  wieder dem Niveau von vor der Corona-Krise. Allerdings zeige die Erfahrung vergangener Zyklen, dass die Wirtschaft durchaus aus nach Erreichen früherer Höchststände noch längere Zeit weiter wachsen könne.

Allerdings dürfte mit dem Anstieg der Ausgaben dürfte auch Inflation weiter ein Thema bleiben. Allerdings betrachten die Invesco-Experten den Inflationsschub als kurzfristig. Danach werde sich der Preisauftrieb beruhigen auf ein Niveau, das zwar höher sein werde als vor der Pandemie, aber nicht so hoch, dass Zentralbanken einschreiten müssten. Langfristig, so die weitere Einschätzung, dürften die demographische Entwicklung und Innovationen die Inflation in Schach halten.

Regierungen und Zentralbanken rund um den Globus haben zur Ankurblung der Wirtschaft weitreichende Unterstützungsmaßnahmen getroffen. Die fiskalische Hilfspakete übersteigen alles während der globalen Finanzkrise Gesehene. “Die regional unterschiedlich hoch ausfallenden Ausgaben lassen jedoch auch eine unterschiedliche Wachstumsdynamik erwarten“, so Dr. Henning Stein, Global Head of Thought Leadership bei Invesco.

Wachstumspakete und Inflation treiben Anleiherenditen

Mit der Wachstumserholung und der höheren Inflation dürften auch die Anleiherenditen steigen. Die US-Notenbank FED dürfte sich mit Zinserhöhungen jedoch zurückhalten. Schließlich hatte sie das Inflationsziel flexibler gestaltet. Das sollte den Renditeanstieg begrenzen und die Erholungsphase verlängern, so Invesco. Allerdings: Damit dürfte auch der US-Dollar kurzfristig unter Druck stehen. Dies würde wiederum die Rohstoffpreise stützen, die in diesem Jahr ohnehin schon drastisch angezogen sind.

Anführer des globalen Wachstumserholung werden die USA sein. Das chinesische Wachstum dürfte indes an Dynamik einbüßen, so die Erwartung. Großbritannien und die Eurozone dürften der Erholung in den USA wohl rasch folgen. Die Erholung in den Schwellenländern werde sich wegen der schleppenderen Impffortschritte indes verzögern.

Die Treiber dieses Aufschwungs – hochwirksame Impfstoffe, Nachholbedarf, erhöhte private Ersparnisse in vielen Ländern, akkommodierende Geldpolitik und hohe fiskalische Anreize – sowie die Art der Krise werden dafür sorgen, dass das Wachstum zahlreiche Regionen der Welt erfassen wird. Auch das Thema ESG dürfte noch einmal an Fahrt gewinnen, denn gerade de Industrieländer möchten die fiskalischen Stimulusmaßnahmen für eine nachhaltige Neuausrichtung ihrer Wirtschaft nutzen.

Outperformance der Zykliker

Zyklischere Regionen, Branchen und Anlagestile dürften in den kommenden Monaten outperformen. Die  Marktvolatilität werde aber in allen Anlageklassen zurückgehen. Die Stimulusmaßnahmen unterstützen Risikoanlagen und sorgen und damit  für eine Outperformance von Aktien gegenüber Anleihen, lautet die Erwartung der Experten. Im Aktienbereich bevorzugen sie Nebenwerte und Value-Titel, da ihr Makro-Modell eine Outperformance der Faktoren „Size“ und „Value“ in Erholungsphasen signalisiert.

Schwellenländeraktien dürften größtenteils besser abschneiden als Industrieländeraktien. Aufgrund des unterschiedlichen Impftempos könnte die Entwicklung allerdings von Region zu Region unterschiedlich sein.

Von Kreditanlagen und Hochzinsanleihen wird eine bessere Performance erwartet als von Staatsanleihen. Die Fundamentaldaten stützen US-amerikanische und europäische Hochzinsanleihen. Allerdings sind die Spreadsbereits extrem eng. Bank Loans werden indes durch starke Kreditfundamentaldaten gestützt. Sie könnten dank ihrer variablen Verzinsung von steigenden Zinsen profitieren.

Private-Markets dürften vom Ende der Lockdowns profitieren

In ihrem Basisszenario halten die Experten zudem viele Private-Market-Strategien für gut aufgestellt, um vom weltweiten Ende der Lockdowns zu profitieren. Interessante Opportunitäten winken in ausgewählten Teilklassen des Private-Market-Universums durch Covid-bedingte Marktverwerfungen. Beispiele sind bestimmte Immobiliensegmente sowie Infrastruktur. Um sich gegen einen globalen Inflationsanstieg abzusichern, bevorzugen die Anlageexperten variabel verzinsliche Privatkredite sowie Sachwerte mit häufig inflationsgeschützten Erträgen.

Nach Einschätzung der Invesco-Strategen sind die „Tail Risks“ – also die Extremrisiken – aktuell greifbarer als in den meisten vergangenen Aufschwungphasen, wie beispielsweise nach der globalen Finanzkrise. Die beiden wesentlichen Risiken seien ein Aufflammen der Pandemie und andererseits eine hohe Inflation als Folge der geldpolitischer Maßnahmen.

Allerdings: Die Auswirkungen durch weitere Virusmutanten seien zwar zweifellos negativ, jedoch wohl nicht annähernd so dramatisch wie 2020 / 2021, so die Einschätzung von Dr. Stein. Schließlich haben die Volkswirtschaften gelernt, mit Lockdowns und anderen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu leben. „Viele Aktivitäten sind ins Internet verlagert worden und bei vielen Dienstleistungen steht die vollständige Wiedereröffnung noch aus”, so Dr. Stein. Anstelle eines erneuten Einbruchs würde es eher zu einer Verlangsamung des Aufschwungs kommen. „Aufgrund ihrer weniger gut ausgebauten Gesundheitsinfrastruktur und ihrer niedrigeren Impfquoten wären die Schwellenländer wahrscheinlich am stärksten betroffen.”

Weitere Szenarien

In dem Szenario eines starken wirtschaftlichen Aufschwungs mit einem nachhaltigeren Anstieg der Inflation dürfte die Fed verzögert reagieren und bewusst „hinter der Kurve“ bleiben. Wenn die Inflation aber zu stark anziehen würde, dürften Fed und andere Zentralbanken sich gezwungen sehen, die Geldpolitik aggressiver zu straffen, als von den Märkten derzeit erwartet wird. Dies würde das Wachstum bremsen und die Kapitalmärkte in Mitleidenschaft ziehen.

Die Analyse der Experten basiert auf dem Basisszenario mit sehr hoher Eintrittswahrscheinlichkeit sowie zwei weiteren, mögliche Szenarien. „Die Abbildung unserer drei Makroszenarien in einem Makro-Modell kann die taktische Vermögensaufteilung und Analysen aktueller Entwicklungen durch eine historische Perspektive unterstützen“, so Dr. Stein.

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