Paul Jackson, Global Head of Asset Allocation Research bei Invesco, erläutert in einem aktuellen Ausblick unter anderem, warum eine Normalisierung der Zentralbankenbilanzen in weite Ferne rücken könnte.

Die Analysten des Invesco Global Market Strategy Office sind davon überzeugt, dass die Zentralbanken sich momentan etwas von einer stabilen Finanzpolitik abwenden, da sie nicht mit einer Rückführung der Asset-Käufe der Notenbanken rechnen, sondern noch mit einem Anstieg. Dies könnte zwar auf der Ebene der Risikoanlagen eine positive Aussicht sein, auf längere Sicht jedoch zu Problemen führen. „Das mag heute oder morgen noch kein Problem darstellen, könnte sich aber auf unsere Rente auswirken.“, so Paul Jackson, Global Head of Asset Allocation Research.

Durch den Versuch Rezessionen mithilfe der stetigen Ausweitung der Unterstützungen zu verhindern, würde es dazu kommen, in tiefen Rezessionen noch tiefer in die Tasche greifen zu müssen. „Im Versuch, eine Destabilisierung der Finanzmärkte zu verhindern, entfernen sich die Zentralbanken immer weiter von dem, was die meisten von uns in der Vergangenheit als stabiles geldpolitisches Regime betrachtet hätten,” führt Jackson weiter aus.

Hilfeleistungen und Asset-Käufe weiter fortgesetzt

Kurzfristig fällt die Wirtschaftsleistung angesichts der Pandemie schwächer aus, als vor einigen Monaten noch erwartet wurde. Mit weiteren BIP-Rückgängen wird gerechnet und die Invesco-Strategen halten ein negatives globales BIP-Wachstum in diesem Quartal für möglich. Zu beachten sei laut der Analyse auch die Entwicklung, dass die Impfstoffe noch nicht die gewünschte Normalisierung mit sich gebracht haben, sondern viele Länder im Gegenteil eher noch längere und stärkere Maßnahmen eingeführt haben, als vor ein paar Monaten vermutet wurde. Somit müssten laut Invesco die Hilfeleistungen und auch die Asset-Käufe der Notenbanken 2021 weiter fortgeführt werden, um ein Gleichgewicht zu erhalten.

Invesco schätzt, dass die „QE5“-Zentralbanken, zu denen die US Federal Reserve (Fed), die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England (BOE), die Bank of Japan (BOJ) und die Schweizer Nationalbank (SNB) gezählt werden, ihre Bilanzen 2020 um 8,8 Billionen US-Dollar erhöht hätten. Diese Ausweitung wäre auf einem ähnlichen Niveau wie nach der Finanzkrise – diesmal jedoch von einem deutlich höheren Ausgangspunkt aus.

Jackson stellt die Frage in den Raum, wie die Zentralbanken aus der QE-Tretmühle aussteigen wollen. Mit einem Verhältnis von Bilanzsumme zu BIP von 44 beziehungsweise 35 Prozent (nach Schätzungen von Invesco) befänden sich die BOE und die Fed in Bezug auf die Größe ihrer Bilanzen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung ihrer Volkswirtschaften „in unbekanntem Terrain“.

Der Investmentstratege spricht des Weiteren den Punkt an, dass die Normalisierung der Zentralbankenbilanzen wegen der Corona-Auswirkungen plus den noch nicht abgebauten Altlasten der Finanzkrise im schlimmsten Fall noch den größten Teil des Jahrhunderts dauern könnte.

Tiefer Kurvenausschlag will mit aller Kraft vermieden werden

Laut Jackson tun die Banken alles, um zu tiefe Ausschläge der Kurve zu vermeiden, während Aufwärtsbewegungen zugelassen und unterstützt werden. Dies habe zur Folge, dass aus dieser Sorge um zu tiefe Zahlen die Kurve in einer Rezession nicht auf ein angemessenes Niveau zu sinken vermag. Jackson schlussfolgert, dass die Finanzmärkte scheinbar in den entwickelten Volkswirtschaften so wichtig geworden seien, dass man ihren Zusammenbruch aufgrund der Auswirkungen auf die Unternehmensfinanzierung und die Wirtschaft über Vermögenseffekte nicht zulassen will.

In Zukunft wäre es laut Jackson besser, verstärkt auf diese Entwicklungen Acht zu geben, damit durch die Zentralbanken keine Unruhen gesät werden würden, welche zu gerade der Situation führen könnten, die die Banken zu vermeiden versuchen.

Paul Jackson, Invesco

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