Das reale Bruttoinlandsprodukt im Euroraum ist im ersten Vierteljahr 2021 um 0,6 Prozent gegenüber dem Schlussquartal 2020 zurückgegangen. In Deutschland fällt der Rückgang wegen des Lockdowns besonders heftig aus: -1,7 Prozent schrumpft das BIP im Quartalsvergleich.

Der Euroraum ist angesichts der anhaltenden Folgen der Corona-Krise wieder in die Rezession gerutscht. Nach einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,7 Prozent im vierten Quartal 2020 folgte nun ein Minus von 0,6 Prozent. Besonders stark fiel der Rückgang im ersten Quartal 2021 in Deutschland aus (-1,7 Prozent), aber auch Spanien (-0,5 Prozent) und Italien (-0,4 Prozent) schrumpfen.

Aber eine langanhaltende Rezession dürfte der Wirtschaftsraum nicht fallen, so die Einschätzung der Commerzbank. Schließlich sind Lockerungen der Corona-Maßnahmen absehbar. “Mit fortschreitenden Impfungen und einer saisonal bedingt langsameren Ausbreitung des Coronavirus dürften die Infektionszahlen in den kommenden Wochen weiter sinken”, schreibt Christoph Weil, Senior Economist bei der Bank. Einige Euro-Länder wie Österreich und auch die Niederlande haben bereits begonnen, die Corona-Beschränkungen zu lockern. Auch in Spanien läuft am 9. Mai der Alarmzustand aus. Auch Frankreichs Präsident Macron will weitere Lockerungen zu den Corona-Beschränkungen aufzeigen.

Schnelle Erholung des BIP erwartet

Somit dürfte das BIP im zweiten Quartal wieder spürbar anziehen. “Wir erwarten, dass die Wirtschaft zum Ende dieses Jahres wieder ihr Vorkrisenniveau erreicht. Für den Jahresdurchschnitt rechnen wir mit einem Wirtschaftswachstum von 4,0 Prozent, nach -6,6 Prozent 2020”, lautet die Prognose von Weil. Auch für Deutschland erwartet die Commerzbank eine schnelle Erholung.  “Es mehren sich die Anzeichen, dass der Höhepunkt der Pandemie hinter uns liegt”, schreibt Chefökonom Dr. Jörg Krämer. Das starke Wachstum im dritten Quartal 2020 habe gezeigt, wie schnell sich das wirtschaftliche Leben erholen kann, wenn die Beschränkungen erst einmal fallen.

“Das gilt umso mehr, als sich die während Corona zusätzlich gebildeten Ersparnisse bereits auf schätzungsweise 8 Prozent des jährlichen verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte belaufen. Alleine eine Normalisierung der Sparquote wird den privaten Verbrauch deutlich steigen lassen”, so Krämer. Wenn dazu auch nur ein Teil der “Corona-Ersparnisse” in zusätzlichen Konsum fließt, gäbe das der wirtschaftlichen Erholung zusätzlichen Schwung.

Export stützt deutsche Wirtschaft

Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der DWS, konstatiert: “Insgesamt muss man sagen, dass Deutschlands Wirtschaft trotz des nun schon seit einem halben Jahren dauernden Lockdowns mit moderaten Blessuren davon gekommen ist. Hier hat vor allem die Exportorientierung geholfen”. Die Exportabhängigkeit berge aber auch Risiken für das BIP, denn der Neustart der Weltwirtschaft verlaufe ruckelig. Es mangelt an Vorprodukten aller Art und insbesondere an Halbleitern. Die Lieferketten dürften für das zweite Quartal eine Belastung bleiben.

“Deutschlands oft bemängelte Exportabhängigkeit wird plötzlich zur Trumpfkarte, da wichtige Absatzregionen bereits gute Erfolge bei der Pandemiebekämpfung vorweisen können”, betont auch Dr. Jörg Zeuner von Union Investment. Der Chefvolkswirt des Hauses zeigt sich insbesondere für das drittel Quartal zuversichtlich. “Bis dahin dürfte dank Impfkampagne wieder etwas mehr Normalität ins Wirtschaftsleben einziehen”, so Zeuner.  Vieles davon hätten die Kapitalmärkte bereits vorweggenommen. “Doch wenn die Konjunktur ab Sommer richtig Fahrt aufnimmt, ergibt sich auch an den Börsen bei positiven Konjunkturnachrichten weiterer Spielraum nach oben”, sagt er.

 

 

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