Die Impfstoffnachrichten lösten weltweit ein kollektives Aufatmen aus. Doch wie schnell verläuft die Erholung im Jahr 2021 und welche Regionen haben die Nase vorn? Asset Manager teilen ihre Einschätzungen zum Verlauf der Erholung und den Gewinnern und Verlierern unter den Asset-Klassen.

Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sieht Licht am Ende des Tunnels. In ihrem jüngsten Wirtschaftsausblick prognostiziert sie ein weltweites BIP-Wachstum von 4,2 Prozent. Der Rückgang im Krisenjahr 2020 wird vermutlich in genau der gleichen Höhe ausfallen. Somit wäre die globale Wirtschaftsleistung im Dezember 2021 wieder auf dem Stand von Ende 2019 – mit kräftigen Abweichungen zwischen einzelnen Regionen. So wird Asien – China –  als Gewinner gesehen. Die vergleichsweise rasche Eindämmung des Virus habe den Aufschwung frühzeitig in Gang gesetzt.

Die Ökonomen mahnen aber auch zur Vorsicht: Verzögerungen bei den Impfkampagnen oder ein erneutes Aufflammen der Corona-Pandemie könnten die Hoffnung auf eine schnelle Erholung schnell wieder zerschlagen.

Harter Winter, aber dann!

Negative Realrenditen und die expansive Geld- und Fiskalpolitik verfehlen ihre Wirkung nicht, so die Einschätzung von Jens Wilhelm, im Vorstand von Union Investment zuständig für Portfoliomanagement und Immobilien. „Das Winterhalbjahr wird hart, auch konjunkturell. Ab dem Frühjahr werden wir dann einen deutlichen Wachstumsschub erleben“, sagt Wilhelm. Schließlich habe sich Nachfrage angestaut, Investitionen wurden aufgeschoben. Dabei ist die Union Investment positiver gestimmt für die USA, die mit einem prognostizierten BIP-Wachstum von 3,3 Prozent bereits Ende 2021 wieder auf dem Stand von vor Pandemieausbruch stehen dürften. Der Euroraum werde indes länger brauchen.

Ende der Austerität: wichtigste Weichenstellung für Kapitalmärkte

Fiskalischer Aktivismus ersetze fiskalische Austerität – selbst im sparsamen Deutschland. Für die Kapitalmärkte hält Wilhelm diese Neujustierung für die bisher wichtigste neue Weichenstellung in dieser Dekade.

„Bislang lag die Last der Krisenbekämpfung hauptsächlich auf der Geldpolitik. Jetzt bekommen wir mit der Fiskalpolitik einen zweiten Stützpfeiler dazu. Corona bedeutet das Ende der Austerität”.
Jens Wilhelm, Vorstand Union Investment

Und welche Asset-Klassen werden in diesem Szenario gewinnen? Laut Wilhelm dürften Aktien in 2021 satte Gewinne einfahren. Rund um den Globus werden die Firmengewinne um 30 Prozent im Vergleich zu 2020 anziehen, so die Einschätzung. Allerdings ist Einzeltitelauswahl wichtiger als vor der Krise. Denn die Pandemie ist ein Trendbeschleuniger. Welche Trends dies sind, können Sie hier lesen. Immobilien sollten angesichts von Negativzinsen ihren Platz im institutionellen Portfolio behalten. Bei Rententitel trennt sich die Spreu vom Weizen. So bieten Staatsanleihen aus USA oder Deutschland wenig Chancen, Unternehmensanleihen, Peripheriepapiere und Bonds aus den Schwellenländern dagegen schon.

Vorboten der Inflation

Klare Vorboten der Inflation wittert Fidelity. Denn die Breakeven-Inflationsrate, welche die Inflationserwartungen in den USA über die kommenden zehn Jahre misst, ist seit dem Tiefpunkt Mitte März stetig gestiegen. Der Kurswechsel der US-Notenbank Fed befeuert die Erwartung zusätzlich. Sie hatte im Sommer eingeräumt, auch beim kurzfristigen Überschreiten der 2-Prozent-Marke die Zinsen niedrig zu halten. “In der Praxis heißt das, dass sich ihre Geldpolitik fortan an einem „durchschnittlichen“ Inflationsziel von weiterhin zwei Prozent orientiert”, so Kapitalmarktstratege Carsten Roemheld. Stellenweise zeigen sich am Markt schon deutlich inflationäre Bewegungen.

Anlagestrategien für steigende Zinsen

Wenn die Inflation steigt, die Zinsen sich vorerst aber kaum bewegen, würden die Realzinsen zunächst ins Negative rutschen. Umso größer müsse dann für Investoren die Rendite sein, um inflationsbereinigt das gleiche Ergebnis zu erzielen. Und diese erziele man in der Regel durch mehr Risiko. Hier könnten Value-Aktien ihr Comeback feiern. Seit der Finanzkrise 2008 haben Growth-Aktien zwar geglänzt, vor allem Technologiewerte. Im langfristigen Marktdurchschnitt ist es jedoch ungewöhnlich, dass die Aktien von Wachstumsunternehmen besser abschneiden als die etablierten und im Vergleich zu ihren Gewinnaussichten günstigen Value-Titel. Gehe man davon aus, dass keine massiven Liquiditätsspritzen durch die Zentralbanken mehr folgen und die Konjunktur wieder Aufwind bekommt, könnten die seit über einem Jahrzehnt vernachlässigten Value-Aktien ein Comeback erleben.

Die Veränderungen in der Marktstruktur werden zu Volatilität führen. Gerade im Anleihebereich steigen die Risiken derzeit, auch weil diese Papiere schlechter auf eine steigende Inflation reagieren als Aktien. Die Krise trennte zudem die Spreu vom Weizen. Fallen Angels sorgen allerdings für eine relativ gute Qualität im High-Yield-Segment.

Um sich gegen Inflation abzusichern, sollte man das Portfolio breit aufstellen. Gold und andere Rohstoffe, Immobilien, inflationsindexierte Anleihen, Finanztitel und Value-Aktien bieten eine Absicherung für den Fall einer steigenden Inflation, so Fidelity.

Hohe Bewertungen in wichtigen Asset-Klassen

Ähnlich erwartet auch Allianz Global Investors, dass Value-Aktien den Abstand zu Growth-Werten verkleinern. Die Analysten sehen europäische und asiatische Aktien als attraktiver an als die US-amerikanischen Top-Performer des Jahres 2020. Letztlich führen die Stimulusmaßnahmen von Staaten und Notenbanken zu hohen Bewertungen in mehreren wichtigen Anlageklassen. Das erfordert eine gründliche Selektion von Wertpapieren und Anlageregionen. Zudem habe die Pandemie die Bedeutung von nachhaltigem Investieren stärker in den Fokus gerückt.

Das Basisszenario von AXA IM geht von niedrige Inflation aus. Es könnte zu einer leichten Versteilung der Zinskurve kommen. Die Nachfrage nach langfristigen, qualitativ guten Vermögenswerten dürfte dies jedoch begrenzen. Die Aussichten für Aktien seien weiterhin vielversprechend. Auf Basis der aktuellen Konsensprognosen werde der Weltaktienmarkt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwas mehr als 20 gehandelt. Das bedeutet eine Aktien-Gewinnrendite von 5 Prozent im Vergleich zu den derzeitigen 1,4 Prozent für den globalen Index für Investment-Grade-Unternehmensanleihen und 0,23 Prozent für den globalen Staatsanleihen-Index. “Bewertungen sind zwar nicht alles, wenn man jedoch die makroökonomischen Faktoren, die technischen Aspekte von Anleihen und Aktien und die allgemeine positive Markterwartung berücksichtigt, scheint es schwierig, Aktien mit Blick auf das kommende Jahr nicht überzugewichten”, folgert Chris Iggo, CIO AXA Investment Managers Core Investments.

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