Nach der Kündigungswelle 2021 sollen neue Vorstandsmitglieder über variable Vergütung im Unternehmen gehalten werden.

Das Jahr 2021 war ein Jahr mit hoher Zahl von freiwilligen Kündigung – ein Phänomen, das in den USA unter dem Namen “Great Resignation” bekannt ist. Aber auch hierzulande war die Wechselbereitschaft hoch. Nun sollen finanzielle Anreize diesem Treiben ein Ende bereiten. Das erwarten zumindest 91 Prozent der Vorstandsmitglieder von DAX 40 Unternehmen, heißt es in einer Studie von Diligent. Dies sei eine Reaktion auf die Welle an freiwilligen Kündigungen von Managerinnen und Managern, die Anfang 2021 begann.

Die Umfrage unter Vorstandsmitgliedern börsennotierter Unternehmen in Deutschland ergab zudem, dass 70 Prozent der Befragten erwarten, dass ihnen “Goldene Handschellen” angelegt werden. Gemeint sind damit Leistungsversprechen oder finanzielle Anreize, die vom Verbleib im Unternehmen abhängigen. Mit zusätzlichen Euros sollen Entscheider auf Vorstandsebene vom Verlassen des Unternehmens abgehalten werden.

Weiterhin rechnen 83 Prozent der Vorstände mit einer Zunahme von Pauschalzahlungen für Neueinsteiger, so genannten “Golden Hellos”. Die voraussichtliche Verweildauer neuer Führungskräfte werde nach Einschätzung der Vorstände bei zwei bis drei Jahren liegen.

Goldene Handschellen

Generell wird erwartet, dass goldene Handschellen in ganz Europa häufiger eingesetzt werden. Allerdings unterscheiden sich in Europa die Meinungen über die Attraktivität entsprechender Angebote. In Frankreich gaben 60 Prozent der Vorstandsvorsitzenden an, dass sie eine Stelle aufgrund von finanziellen Anreizen eher annehmen würden. In Deutschland und den Niederlanden waren dies mit 43 Prozent indes deutlich weniger.

Halteprämien können nur ein kleiner Teil eines umfassenderen Corporate-Governance-Prozesses sein, mahnt Diligence. Die Strategie zum Gewinnen und Halten von Führungskräften sollte vielmehr auch Werte wie Vielfalt und Nachhaltigkeit berücksichtigen.

Werte und Nachhaltigkeit statt Great Resignation

„Wir haben festgestellt, dass der Wettbewerb um Talente auf Vorstandsebene erheblich zugenommen hat. Als Reaktion sind die Bemühungen der Unternehmen, Talente zu gewinnen und zu halten, gestiegen”, sagt Peter Herr, Regional Sales Director bei Diligent in Deutschland. “Es ist jedoch keine wirksame Strategie für einen langfristigen Erfolg, Top-Führungskräften einfach nur Geld nachzuwerfen.

Die Einhaltung bestehender und neuer Gesetze muss in die Entscheidungen des Vorstands einfließen, um sicherzustellen, dass die Risiken gemanagt und kostspielige Geldstrafen vermieden werden.“

Vielerorts winken Treueprämien

Die Frage, ob ihr eigenes Unternehmen im nächsten Jahr Treueprämien einsetzen würde, bestätigten 70 Prozent der Vorstände. Weitere 22 Prozent gaben an, dies in Erwägung zu ziehen. Zudem bestätigten 87 Prozent der Führungskräfte, bereits im Jahr 2020 Goldene-Handschellen-Pakete angeboten zu haben.

Insgesamt 66 Unternehmensleitern von börsennotierten Unternehmen in Frankreich, Deutschland und den Niederlanden nahmen an der Umfrage teil. Diligent bezeichnet sich als Modern-Governance-Unternehmen. Die Corporate Governance-, Risikomanagement- und Compliance-Lösungen nutzen Unternehmensangaben zufolge rund 57,5 Prozent der DAX 40 Unternehmen.

Über die Entwicklung der Wechselbereitschaft und den Gehältern speziell im Asset Management berichten wir in der dpn-Ausgabe Nr. 121. Den Bericht aus dem vergangenen Jahr finden Sie in der dpn-Ausgabe Nr 115 und können können Ausschnitte hier lesen. 

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »