Mit der Initiatorin des Karrierenetzwerks „Fondsfrauen“ und herMoney-Gründerin Anne E. Connelly sprach Kirsten Kücherer über deren Karriere, Frauen in der Fondsbranche und die #MeToo-Kampagne.

Ihren beruflichen Aufstieg begann Anne Connelly 1989 bei Pioneer Investments im US-amerikanischen Boston, bevor sie 1992 nach Deutschland zurückkehrte und bei Pioneer (heute Amundi) in Vertrieb und Management arbeitete. Nach langjähriger Tätigkeit als Geschäftsführerin von Morningstar Deutschland wechselte sie bei Morningstar in eine europäische Managementfunktion.

Frauen kümmern sich zu wenig um ihre Finanzen 

Seit 2016 engagiert sich Connelly hauptberuflich für Gender-Themen. Ihr jüngstes Projekt ist das im Mai 2017 gestartete unabhängige Finanzforum für Frauen: herMoney. Dazu erklärt sie: „Bei diesem wichtigen Thema treibt mich die Frage um, warum sich eigentlich so wenige Frauen um ihr Geld kümmern und das bevorzugt anderen überlassen oder – schlimmer noch – gar nichts machen.“ herMoney will Frauen ermuntern und Wege aufzeigen, ihre finanziellen Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen.

Frauen im Management in der Minderheit

Zudem wurde 2014 auf Connellys Initiative hin das Karrierenetzwerk „Fondsfrauen“ gegründet. Das Netzwerk – aus mittlerweile über 1.400 Frauen – arbeitet auf der einen Seite mit einzelnen Frauen, auf der anderen Seite mit Unternehmen. Connelly betont: „Was wir machen, ist nicht gegen Männer gerichtet. Sondern das, was wir machen, ist einfach nur für Frauen.“ So haben sich die Fondsfrauen angeschaut, wie hoch der Anteil der Frauen im Portfoliomanagement in Deutschland ist – das Ergebnis: Bei den in Deutschland domizilierten Fonds keine  7 Prozent; legt man die in Deutschland zum Vertrieb stehenden Fonds zugrunde, beträgt der Anteil um die 9 Prozent. Um empirisch aufzuarbeiten, warum so wenige Frauen in die Fondsbranche kommen, läuft derzeit eine Studie der Fondsfrauen in Zusammenarbeit mit der Uni Mannheim.

Eine andere Erhebung, die bereits zum zweiten Mal durchgeführt wird, ist eine Kooperation mit KPMG. Connelly erläutert: „Da nehmen wir die Asset Manager und die Depotbanken unter die Lupe: Wie viele Frauen gibt es da? Welche Funktionen haben sie inne? Was gibt es für Diversity-Programme?“ Die Erkenntnis daraus von vor zwei Jahren: In der Branche sind etwas über 40 Prozent Frauen tätig, aber nur um die 10 Prozent in Führungspositionen. Ihre Vermutung, warum es so wenige sind: „Es ist so, dass viele Frauen diese Welt als sehr männlich wahrnehmen und sie sich in dem Umfeld nicht wohlfühlen.“

Sie merke bei ihrer Arbeit bei den Fondsfrauen vor allem bei den jüngeren, gut ausgebildeten Frauen, dass diese in die Branche hereinkommen und erst einmal geschockt sind über die große Dominanz der Männer und die herrschenden Verhaltensweisen. „Das drückt sich beispielsweise in Machterhaltbestrebungen, engen Männerseilschaften oder auch in Sexismus aus.“ Darum begrüßt sie ausdrücklich die aktuelle #MeToo-Kampagne und ist froh, dass diese Themen, die für sie auch einfach etwas mit Respekt zu tun haben, endlich in der Mitte der Gesellschaft angekommen sind und in der Breite diskutiert werden.

Was rät Connelly jungen Frauen, die in der Asset-Management-Branche Fuß fassen wollen? „Vernetzen Sie sich mit uns Fondsfrauen – wir führen Gespräche und unterstützen uns gegenseitig, beispielsweise im Rahmen unseres Mentoring-Programms. Sie müssen sich aber auch Ihr eigenes Netzwerk aufbauen, suchen Sie sich Mentoren!“

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