Die Wechselbereitschaft im Asset Management war im vergangenen Jahr hoch. Offene Stellen konnten teils nicht gefüllt werden. Was ist am Markt besonders gefragt?

In Deutschland als ausgeprägtem Vertriebsmarkt sind die Positionen, die mit Kundenakquise und Relationship-Management im institutionellen Bereich zu tun haben, weiterhin heiß begehrt. Da hat sich gegenüber dem letzten Jahr nicht viel geändert. Auffallend ist die hohe Nachfrage von ETF-Anbietern. Wechselwillige konnten in der Regel noch einmal ein Gehaltsplus vereinbaren, erläutert Dr. Karin Schambach, Geschäftsführerin von Indigo Headhunters.

„Ganz klar ist der institutionelle Vertrieb, sowohl im liquiden als auch im illiquiden Bereich, am allerstärksten nachgefragt. Das bedeutet eben auch, dass auf der gesamten Vertriebsseite die Gehälter immer noch nicht auf einem ‚All Time Peak‘ angekommen sind. Zumindest in den allermeisten Fällen.“ Allerdings nehme sie auch ein Bewusstsein seitens der Kandidaten dafür wahr, dass die Luft nach oben dünner wird. Sie rate auch mit Blick auf einen möglichen Trendwechsel an den Kapitalmärkten zu etwas Bescheidenheit, zumindest beim Fixgehalt. Bei einem bereits sehr hohen Gehaltsniveau könne es ratsam sein, einen Jobwechsel lieber mit einer leistungsorientierten Gehaltskomponente zu vergolden.

Ob große oder kleine Häuser besser vergüten, lässt sich nicht pauschal beantworten. Denn im Prinzip gilt: Ist das Haus klein und muss ohne großen Marketing-Apparat auskommen, desto mehr steht auch die Person, die das Haus repräsentiert, im Mittelpunkt und nimmt die Rolle des Markenbotschafters ein. Ob sich Erfolg im deutschen Markt einstellt, hängt somit mehr oder weniger von dieser einen Person ab. „Es gibt eine große Diskrepanz zwischen der Vergütung von Leistungsträgern und der von denen, von denen man überzeugt ist, dass sie auswechselbar sind“, so Schambach.

Karriere-Chancen für Alternatives-Experten

Das stark wachsende Segment der Alternatives bleibt Wachstumsmotor. Sowohl spezialisierte als auch traditionelle Asset Manager sind auf der Suche. Immer häufiger ziehen dabei kleinere Unternehmen Talente von den großen Häusern ab. „Heute haben Private-Equity-Firmen oft eigenes Vertriebspersonal, das sie von den traditionellen Firmen abwerben“, sagt Manuel Rehwald, Geschäftsführer von Rehwald Associates. Produktseitig sind vor allem Experten in Private Equity, Private Debt und Real Estate gefragt.

Neben den Asset Managern und den institutionellen Investoren springen auch Consulting-Firmen auf den Alternatives-Zug auf. „Es spricht einiges dafür, dass Investment-Consultants in den kommenden Jahren sehr viel stärker im Alternatives-Bereich einstellen werden als in der Vergangenheit“, prognostiziert Schambach.

Zudem suchen Anbieter weiterhin händeringend nach Experten für Legal & Compliance, Online-Marketing, fundamentale Analysen im Equity-Bereich und IT.

Asset Management: Geschäftsrisiko Personallücke

Die Wechselbereitschaft war im vergangenen Jahr extrem hoch, heißt es unisono. „Es gab selten so viele offene Stellen in der Finanzbranche wie jetzt. Mir fehlen Kandidaten in allen möglichen Bereichen. Das liegt auch daran, dass schon viel gewechselt wurde. Wer gerade einen neuen Job angenommen hat, wird nicht gleich wieder wechseln“, gibt Rehwald zu bedenken. Dies sei zum einen ein gewisser Nachholbedarf aus 2020. Aber vor allem heizen die gut laufenden Märkte die Situation auf. Kandidaten sind rar.

„Es ist zunehmend ein Problem, ausgeschriebene Positionen adäquat und qualitativ hochwertig zu besetzen. Wir haben viele Gesuche abgelehnt, weil wir der Meinung waren: Der Markt gibt das nicht her. Es ist ein Arbeitnehmermarkt“, berichtet auch Schambach.

Immer häufiger werde fehlendes qualifiziertes Personal als größtes Risiko für den Geschäftserfolg gesehen, hört sie aus dem Markt. Dazu kommt die demografische Entwicklung mit hohem Durchschnittsalter in vielen Häusern. „Gerade im Executive Search werden oft Aufträge an uns herangetragen, auch Jüngere an den Tisch zu bringen“, berichtet Schambach. Man will sich auf die Pensionierungswelle der Baby- Boomer vorbereiten.

Aber junges Talent ist schwer zu finden, zumal vorzugsweise unter den Jungen auch Frauen sein sollten. Generell gilt aber weiterhin: Angesichts der Personalknappheit sind auch Wechsel in der Generation 50+ anders als in den Jahrzehnten zuvor keine Seltenheit mehr. Alles ist möglich – schwierig wird es gegebenenfalls nur für „alte, weiße Männer“.

Lesen Sie hier mehr über Gehälter im Asset Management. Weitere Informationen und Tabellen finden Sie in der dpn-Ausgabe Nr. 121.

Aktuelle Beiträge

Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »
Alles Wichtige für institutionelle Investoren - Kompetent und unabhängig - Jede Woche neu
NEWSLETTER KOSTENLOS ABONNIEREN »