12.06.2019 | Von Dr. Eckhard Bergmann

Zeitenwende für die RAG-Stiftung

Seit Anfang 2019 muss die RAG-Stiftung für die Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben aus dem deutschen Steinkohlenbergbau aufkommen.

Stiftung
Stiftung(Bildquelle: anyaberkut/iStock/GettyImagesPlus)

Mit dem Ende des deutschen Steinkohlenbergbaus im Dezember 2018 hat sich das letzte Kapitel einer über 200 Jahre währenden Industriegeschichte geschlossen. Für die RAG-Stiftung bedeutet das: Seit Anfang 2019 muss sie nun für die Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben aus dem deutschen Steinkohlenbergbau aufkommen. Wie der Vorstand der Stiftung kürzlich bei seinem Presse-Jahresgespräch in Essen berichtete, ist die Stiftung für diese Aufgabe aber „finanziell hervorragend ausgestattet“.

Seit ihrer Gründung im Jahr 2007, das heißt seit über 11 Jahren, konnte die Stiftung dafür zusätzliches Kapital aus ihren Vermögenserträgen aufbauen. Dabei ist das Geschäftsjahr 2018 für die Stiftung überaus erfolgreich verlaufen. So verbuchte sie 2018 nach Angaben des Vorstandes ein Rekordergebnis von 912 Millionen Euro. 458 Millionen Euro davon stammen aus dem Veräußerungsgewinn, den der Verkauf von 3,5 Prozent der Anteile an Evonik im September 2018 erbracht hatte. Bereinigt um diesen Sondereffekt bleibt ein Ertrag von 454 Millionen Euro – der höchste seit Gründung der Stiftung. Insgesamt beläuft sich die Rückstellung für Ewigkeitslasten, denen das Ergebnis in Höhe von 912 Millionen Euro zugeführt wurde, zum Jahresende 2018 auf 7,8 Milliarden Euro.

Anfang Februar 2019 kam die erste Rechnung. Insgesamt werden pro Jahr in den nächsten Jahren allein für die zuverlässige Finanzierung der Ewigkeitsaufgaben Kosten von jeweils rund 300 Millionen Euro erwartet – Kosten, die der Grubenwasserhaltung, Poldermaßnahmen und Grundwasserreinigung dienen. Nach der Umsetzung der geplanten, optimierten Grubenwasserkonzepte in NRW und im Saarland sei aber mit Einsparungen zu rechnen, meinte der Vorstandsvorsitzende der RAG-Stiftung Bernd Tönjes.

Hinzu kommen aber noch Ausgaben für Förderaktivitäten von Projekten aus den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur, die im Zusammenhang mit dem deutschen Steinkohlenbergbau stehen. „Nach dem Ende des Bergbaus“, betonte Personalvorstand Bärbel Bergerhoff-Wodopia, „endet nicht unsere Verantwortung in den ehemaligen Bergbauregionen“. Seit Bestehen der RAG-Stiftung seien bereits rund 60 Millionen Euro für Förderaktivitäten eingesetzt worden. Weitere 30 Millionen kommen 2019 hinzu. Ein Großteil der eingesetzten Fördermittel komme chancenbenachteiligten Kindern und Jugendlichen zugute. Schwerpunkt bleibe auch künftig der Bildungsbereich über die gesamte Bildungskette hinweg – von Kindertagesstätten bis zum Übergang in Ausbildung oder Studium. 2019 habe die RAG-Stiftung zudem Förderprojekte in Höhe von rund 14 Mio. Euro von der RAG Aktiengesellschaft übernommen, der hierfür keine Mittel mehr zur Verfügung stehen.

Diesen aktuellen Ausgaben stehen aber hohe Einnahmen aus den Kapitalanlagen gegenüber. Insofern konnte Tönjes mit Blick auf die andauernde Verpflichtung der Stiftung das positive Fazit ziehen: „Die ersten Monate nach der Zeitenwende haben wir nun schon gemeistert. Für den Rest der Ewigkeit bin ich ebenso optimistisch!“

Diese optimistische Aussage stützt sich auf das erfolgreiche Anlagemanagement der Stiftung. Insgesamt beläuft sich das Anlagevermögen – fast ausschließlich Finanzanlagen – auf gut 7,4 Milliarden Euro per Jahresende 2018. Hinzu kommen laut Geschäftsbericht rund 2 Milliarden Euro an Umlaufvermögen. Grundlage für das erfolgreiche Anlagemanagement ist dabei der Ausbau der Diversifizierung bei den Anlagen. Wie der seit April verantwortliche Finanzvorstand, ‚Dr. Jürgen Rupp, betont, sind diese diversifizierten Kapitalanlagen im vergangenen Jahr um weitere 1,4 Milliarden Euro ausgebaut worden. An der Strategie seines Vorgängers im Amt, Dr. Helmut Linssen, wolle er festhalten und die Diversifizierung vorantreiben.

Mittlerweile hat die Stiftung über 50 Prozent ihres Vermögens in andere Anlagen – außerhalb von Evonik – investiert. „Frühzeitig hat die Stiftung als Folge des Niedrigzinsumfelds verstärkt auf höher rentierliche, illiquide Assetklassen gesetzt. Das hat sich ausgezahlt. Diesen Weg werden wir weitergehen, auch in einem herausfordernden Kapitalmarktumfeld“, so Rupp. Laut Geschäftsbericht waren 33 Prozent der Kapitalanlagen zum Jahresende 2018 in Rentenpapieren angelegt, weitere etwa 15 Prozent in Aktien und 16 Prozent in Immobilien- und Infrastrukturinvestments. Auf internationale Private-Equity-Investments und auf mittelständische Beteiligungen entfielen zusammen etwa 28 Prozent. Rund 8 Prozent waren Liquidität und „Sonstige Investments“.

 

 

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