02.05.2019 | Von Manfred Mönch

Update Versorgungswerke Februar 2019 (Teil 1)

Mehr als 200 Milliarden Euro zu einem Drittel in Direktrenten, einem Sechstel in Aktien und mehr als einem Viertel in illiquiden Assets.

Bildquelle: almir1968/iStock/GettyImagesPlus

Aufgrund der Pflichtmitgliedschaft freier Berufsträger wie Ärzte oder Rechtsanwälte brauchen sich Versorgungswerke unabhängig von der aktuellen Wertschätzung institutionalisierter Altersvorsorge nicht um Neuzugang sorgen. 2017 wuchs die Zahl der Anwärter um gut 2 und der Leistungsempfänger um fast 5 Prozent. Ende 2017 betreuten die 91 Versorgungswerke mehr als eine Million Anwärter und fast 300.000 Leistungsempfänger.

Hinter den Mitgliederzahlen stehen Zahlungsströme in Milliardenhöhe. Die Beiträge und ausgezahlten Leistungen stiegen 2017 um 5 beziehungsweise 6 Prozent auf rund 10 beziehungsweise 6 Milliarden Euro. Der Überschuss von 4 Milliarden Euro muss zusammen mit den erzielten Kapitalerträgen neu veranlagt werden. Inklusive der Wiederanlage auslaufender oder veräußerter Anlageinstrumente legen Versorgungswerke so jährlich über 20 Milliarden Euro an.

Das Anlagevolumen ist 2017 um über 5 Prozent auf 207 Milliarden Euro angewachsen. 41 Versorgungswerke verwalten ein Milliardenvermögen, weitere 25 mehr als eine Viertelmilliarde. Die Asset Allocation befindet sich in einem dynamischen Transitionsprozess. Ende 2017 waren auf der Basis untersuchter Werke mit einem Anlagevolumen von mehr als 180 Milliarden Euro (fast 90 Prozent des Gesamtvolumens) weniger als ein Drittel in Rentendirektanlagen und mehr als ein Viertel in illiquiden Assets investiert. Indirekte Anlagen konnten auf rund 60 Prozent zulegen und wuchsen seit der Finanzkrise um mehr als 80 Milliarden Euro.

Der Anteil direkter und indirekter Rentenanlagen (inkl. Hypothekendarlehen) ist in den letzten Jahren von über 70 auf rund 54 Prozent gesunken. In den letzten Jahren fand hier über indirekte Fondsanlagen zunehmend eine Diversifikation über Corporates, High Yields, EMMA Bonds, Debt-Strukturen oder Convertibles statt.

Der Aktienanteil ist 2017 kapitalgewichtet weiter auf rund 17 Prozent angestiegen. Die Quoten reichen bis über 30 Prozent. Mehr als ein Viertel der Werke hat eine Quote von über 20, nur jedes Sechste von unter 10 Prozent. Aktienanlagen finden meist indirekt über Fonds oder Mandate statt.

Auch die Immobilienquote ist weiter auf rund 17 Prozent angewachsen und hat sich seit der Finanzkrise verdoppelt. Mehr als jedes dritte Werk hat eine Immobilienquote von über 20, nahezu nur noch jedes neunte von unter 10 Prozent. Einzelne Werke haben eine Genehmigung eingeholt, die Anlagegrenze von 25 Prozent zu überschreiten.

Schließlich finden sich kaum noch Versorgungswerke, die nicht in alternative Asset-Klassen investiert sind. Während Private Equity und Infrastruktur inzwischen bei mehr als 80 Prozent der Versorgungswerke mit einem Anlagevolumen von mindestens 500 Millionen Euro Eingang in das Portfolio gefunden haben, wurde in den letzten 2-3 Jahren zunehmend Zugang zu Private Debt-Strukturen gesucht. Auch hier haben inzwischen mehr als die Hälfte der Versorgungswerke Exposure. Inzwischen decken Alternative Investments mehr als 10 Prozent der Gesamtallokation ab.

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