24.10.2017 | Von MANFRED MÖNCH

Update Stiftungen 2016 (Teil I)

Ein großer Teil des Vermögens liegt in Beteiligungen.

Stiftungen haben zwar unterschiedliche Förderschwerpunkte, aber alle den gleichen Zweck: Mit einmaligen Kapitalstock dauerhaft Förderziele erreichen. Da vermeintlich sichere Anlagen in der Niedrigzinsphase nahezu keine Erträge abwerfen sind Stiftungen in letzter Konsequenz gezwungen in risikobehaftete Anlagen zu investieren, da nur so ein realer Kapitalerhalt und die Generierung von auskömmlichen Erträgen überhaupt möglich erscheint.

Die GAC hat 30 der größten Stiftungen hinsichtlich ihrer Anlagepolitik untersucht. Sie verkörpern eine Bilanzsumme von deutlich über 35 Milliarden Euro, bei einem Marktwert von mehr als 70 Milliarden. Das liegt vor allem an hohen stillen Reserven bei Stiftungen, deren Vermögen überwiegend aus Unternehmensbeteiligungen besteht.

Von den 30 untersuchten Stiftungen sind sieben reine Beteiligungsträger-Stiftungen mit Unternehmensanteilen, die ihnen meist bei Gründung zur Erfüllung des Stiftungszweckes in die Wiege gelegt wurden. Sie verkörpern Ende 2016 bei einem Buchwert von knapp 14 Milliarden Euro einen Marktwert von mehr als dem Doppelten. Der Fresenius-Anteil der Elke Kröner-Fresenius-Stiftung hat inzwischen einen Marktwert von über 10 Milliarden Euro. Das Vermögen der Stiftungen der SAP-Gründer Dietmar Hopp und Klaus Tschira haben einen Börsenwert von rund 5 Milliarden. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (23 Prozent ThyssenKrupp AG) wird Ende 2016 mit drei Milliarden Euro bewertet. Schwieriger wird die Ermittlung des Marktwertes bei der Robert Bosch Stiftung (92 Prozent Robert Bosch GmbH), der MAHLE-Stiftung (99,9 Prozent MAHLE GmbH) und der Carl-Zeiss-Stiftung (Alleineigentümer Carl Zeiss AG und Schott AG).

Beteiligungsträgerstiftungen leben von Dividendenzahlungen der Unternehmen. So erhielt in 2016 zum Beispiel die Robert Bosch Stiftung Dividendenzahlungen von über 100 Millionen Euro. Für diese Stiftungen hat die derzeitige Niedrigzinsphase nur geringe Auswirkungen. Sie tragen allerdings das nicht diversifizierte Unternehmerrisiko und hängen an der Dividendenpolitik des jeweiligen Unternehmens. So hat die SAP AG in der Vergangenheit teilweise nur spärliche Dividenden ausgeschüttet.

Neben reinen Trägerstiftungen gibt es sieben weitere Gesellschaften, die abseits einer bedeutenden Beteiligung Wertpapier- oder Immobilienportfolios aufgebaut haben. Die größte ist die RAG-Stiftung, die neben der Evonik- (68 Prozent) und Vivawest-Beteiligung (30 Prozent) mit einem Marktwert von über 10 Milliarden Euro ein Portfolio von Renten, Aktien, Immobilien und Private Equity-Investment von fast 5 Milliarden Euro betreibt. Neben Dividendenzahlungen von 400 Millionen Euro erhielt sie in 2016 so erhebliche Kapitalerträge. Auch die Bertelsmann Stiftung (78 Prozent Bertelsmann SE), die Software AG-Stiftung (32 Prozent Software AG), die Gerda Henkel Stiftung, die Fritz Thyssen Stiftung, die Körber-Stiftung (Körber AG) und die Joachim Herz Stiftung (Beiersdorf AG, Tchibo GmbH, VTG AG) verwalten nennenswerte Wertpapierportfolien.

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