Pensionsanleger erreichten 2020 größtenteils ihre Renditeziele. Allerdings sieht Willis Towers Watson bei illiquiden Anlagen, bei der Art, wie in Private Equity investiert wird, und bei den Nachhaltigkeitszielen Nachholbedarf.

Pensionsanleger zeigen sich weiterhin optimistisch: 87 Prozent haben im Jahr 2020 ihre Renditeziele erreicht – etwas weniger als 2019, da waren es 92 Prozent. Das ist das Ergebnis der Studie „Pension Risk Management und Anlage von Pensionsvermögen 2021“ von Willis Towers Watson. Befragt wurden 36 institutionelle Anleger – darunter Stiftungen, CTA, Pensionskassen, Pensionsfonds und Versorgungswerke – mit einem Anlagevermögen von insgesamt 130 Milliarden Euro.

Erstmalig liegen dabei die erwarteten zukünftigen Renditen von regulierten Pensionsanlegern wie beispielsweise Pensionskassen oder Versorgungswerken gleichauf mit den Renditen der unregulierten Investoren wie etwa Contractual Trust Arrangements (CTA). Sie betragen durchschnittlich 2 Prozent bei Zielrenditen von 2 bis 4 Prozent.

Es zeigt sich auch ein Trend zu alternativen und illiquiden Anlagen, in die die Anleger stärker investieren. Nach Meinung von Tobias Bockholt, Leiter Investment Consulting bei Willis Towers Watson Deutschland, müssten regulierte wie auch nicht regulierte Anleger diese Asset-Klasse deutlich ausbauen.

Bockholt betont: „Hier verschenken Anleger wertvolles Renditepotenzial“. Seiner Einschätzung nach könnten unregulierte Anleger mit einem optimierten Portfolio eine um etwa 40 Basispunkte höhere Rendite erzielen, unregulierte Anleger sogar eine um 90 Basispunkte höhere Rendite.

Privat Equity als Investorenliebling

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Portfolien deutscher Pensionsanleger im Vergleich zu den Vorjahren inzwischen breiter diversifiziert und globaler ausgerichtet sind. Nicht rentierliche Anleihen wurden kontinuierlich reduziert. Unter den Alternatives sticht – wie auch in den vergangenen Jahren – insbesondere Private Equity als Investorenliebling heraus.

Laut Bockholt setzten die Investoren bei Private Equity zu sehr auf Markttrends: „Es scheint so, als ob Investoren einfach ohne kritisches Hinterfragen gewissen Marktrends folgen. Gerade hier wäre jedoch zu prüfen, ob die besonders stark wachsenden Kapitalzusagen im Bereich Private Equity auch genügend Investitionsmöglichkeiten im Markt finden“, merkt Bockholt an.

Seiner Meinung nach sollten die Investoren neue Nischenstrategien wie zum Beispiel China A-Shares oder auch Bank Capital Relief Trades frühzeitig ins Portfolio aufnehmen. „So können Anleger den First Mover Advantage für die Profitabilität ihres Portfolios nutzen.“

Nachhaltige Gesamtstrategie notwendig

Wie die Studie zeigt, delegieren bislang fast alle Investoren (94 Prozent) die Umsetzung ihrer Nachhaltigkeitsziele – ESG-Ziele: Environmental, Social, Governance ؘ– auf die Asset-Manager. Somit wird die Nachhaltigkeit der Kapitalanlage häufiger nur auf Mandatsebene statt portfolioübergreifend betrachtet. Eine aktive Gremienentscheidung im Gesamtkontext erfolgt nur bei der Definition von Negativlisten (bei 71 Prozent der Anleger).

Studienautor Bockholt findet eine übergreifende Gesamtstrategie sinnvoll, beispielsweise mittels eines Carbon Journey-Plans als Planungs- und Monitoring-Werkzeug. In diesem Rahmen werden spezifische Schritte definiert, um den CO2-Fußabdruck im Portfolio zu reduzieren und die langfristigen Nachhaltigkeitsziele der Kapitalanlage zu erreichen.

Die Ausgangsbasis für einen solchen Plan ist die Bestimmung der Emissionen im aktuellen Portfolio sowie zum Beispiel des langfristigen Ziels einer klimaneutralen Kapitalanlage bis 2050. „Für die Bestimmung der Emissionen der einzelnen Anlagen liegen heute deutlich umfassendere Daten vor als noch vor einigen Jahren, so dass Anleger gut informiert agieren können“, betont Bockholt.

Für die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen bieten sich seiner Meinung nach drei Möglichkeiten an:

  1. Auswahl nachhaltiger Anlagen, zum Beispiel E-Mobilität, nachhaltige Land- & Forstwirtschaft, erneuerbare Energien,
  2. verstärktes Engagement mit den investierten Unternehmen zur Beschleunigung der der Dekarbonisierung und
  3. Mandatswechsel, zum Beispiel Ausschluss klimaschädlicher Investitionen, Nutzung von Benchmarks wie etwa kohlenstoffarmen Indizes oder Beschränkungen des CO2- Exposure

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