Institutionelle Anleger sind fürs kommende Jahr eher risikoavers ausgerichtet. Laut einer Umfrage von Natixis erwarten viele eine Korrektur in mindestens einer Asset-Klasse in 2021.

In den kommenden Jahren könnte es zu einer erneuten globalen Finanzkrise kommen. Diese Auffassung vertreten 83 Prozent der Institutionellen Investoren, die Natixis Investment Managers befragt hat. Sebastian Römer, der bei Natixis das Geschäft in Zentral- und Osteuropa leitet, gibt einen Einblick.

Herr Römer, Ihr Haus hat 500 institutionelle Investoren weltweit befragt. Die Anleger sind sehr risikoavers, knapp 60 Prozent erwarten die nächste schwere Krise schon in 1 bis 3 Jahren. 95 Prozent der Befragten erwarten in mindestens einer Asset-Klasse eine Korrektur. Welche Bereiche betrachten europäische Investoren mit besonderer Sorge?

Vor allem die Entwicklung an den Aktienmärkten. Nach den Kursverlusten im März sind nun trotz der negativen realwirtschaftlichen Covid-19-Effekte vielfach wieder Höchststände erreicht. Viele Anleger halten das für übertrieben. Etwas mehr als 40 Prozent erwarten daher eine deutliche Kurskorrektur innerhalb der nächsten drei Jahre. Interessanterweise bleibt die Aktienquote insgesamt aber relativ unverändert. Allerdings dürfte es zu regionalen Umschichtungen kommen, insbesondere weg von den USA hin zu den asiatisch/pazifischen Aktienmärkten. Auch die Märkte für Kryptowährungen werden von europäischen Großanlegern mit Sorge betrachtet. Hier erwarten 42 Prozent eine Korrektur.

2. Wie nehmen Sie das Engagement europäischer Anleger im Bereich Kryptowährungen und anderer Kryptoassets wahr?

Die Investoren verhalten sich hier bislang eher noch zurückhaltend. Es ist zwar Interesse an dieser unkorrelierten Asset-Klasse vorhanden. Gleichzeitig gibt es aber noch einige Hürden, die überwunden werden müssen, damit diese Asset-Klasse stärker Einzug in die Portfolios von Großanlegern findet. Hierzu zählen unter anderem die gerade erst beginnende Regulierung sowie mangelnde Erfahrungen der Investoren. Vor allem in Deutschland agieren institutionelle Anleger eher konservativ. Die systematische Verbreitung von Kryptowährungen in den Portfolios wird daher hierzulande noch etwas auf sich warten lassen.

3. Immer mehr Anleger wenden sich privaten Märkten zu und wollen ihr Portfolio in diese Richtung ausbauen. Gibt es für europäische Anleger genug Projekte in der Pipeline?

Das Anlagespektrum und die Vielzahl an Projekten und Investitionsobjekten erlaubt es auch weiterhin, den wachsenden Zufluss an Kapital zu absorbieren. Das gilt über die drei großen Sektoren Infrastruktur, Private Debt und Private Equity hinweg. Beim Thema Infrastruktur erkenne ich in Europa keine Knappheit an Projekten. Vom Glasfasernetz für schnelles Internet über ein engmaschiges Elektro-Tankstellen-Netz bis hin zu neuen Wasserstoff-Technologie-Projekten gibt es reichlich attraktive Investitionsfelder.

Private Debt ist eine sehr diversifizierte Anlageklasse und umfasst unter anderen Kredite zur Finanzierung von Unternehmen, Immobilien, Infrastrukturprojekten und vieles mehr. In Folge der Volatilität an den Märkten im ersten Halbjahr sind die Finanzierungskonditionen etwas attraktiver für Kreditgeber geworden und gleichzeitig ist der Finanzierungsbedarf gestiegen.

Die Bewertungen sind auch bei Private Equity gestiegen – aber relativ zu den Aktienmärkten sehen wir keine Entkopplung. Grundsätzlich gibt es genug Unternehmen für Private Equity-Transaktionen. Konzeptionell gibt es ja immer auch die Möglichkeit, Firmen von den Börsen zu nehmen. Gegenwärtig sehen wir allerdings einen gegenteiligen Trend in Richtung IPOs und SPACs.

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