26.11.2019 | Von Antje Schiffler

ESG wird immer stärkeres Zugpferd

Institutionelle Investoren werden sich künftig noch mehr um das Thema Nachhaltigkeit kümmern als sie es ohnehin schon tun. Nur eine verschwindende Minderheit wird ESG-Kriterien nicht im Portfolio beachten, so das Ergebnis einer Publikumsumfrage auf dem “5. Faros Institutional Investors Forum” im Rahmen der “Euro Finance Week”.

Bildquelle: Nadine Stegemann

Am Thema Nachhaltigkeit führt künftig kein Weg vorbei. Nur 3,1 Prozent der Umfrageteilnehmer gaben an, das Thema künftig nicht expliziert im Portfolio berücksichtigen zu wollen. Für knapp 70 Prozent ist dies indes ein Muss, während rund 28 Prozent noch unentschieden sind.

Dabei enthalten bereits 76,5 Prozent der Portfolien nachhaltige Kapitalanlagen. Hauptmotivation für ESG-Engagement ist für die meisten Investoren die eigene Wertvorstellung. Dies gab 43,3 Prozent des Publikums an. Es folgen regulatorische Anforderungen mit 27 Prozent und Risikoreduzierung mit 24,2 Prozent. Nur 5,4 Prozent erhoffen sich indes durch ihr ESG-Engagement Zusatzerträge.

Auslaufmodell Ausschlussprinzip? 

Bei der R+V Versicherung wurde anfangs nach dem Ausschlussprinzip gearbeitet, berichtet Dr. Uwe Siegmund, Chief Investment Strategist der Gruppe. Inzwischen werde an der Implementierung eines ESG-Ratingsystems gearbeitet. “Die große Kunst wird sein, so ein System mit mit den klassischen Finanzkennziffern zu vermengen”, beschreibt Siegmund die Herausforderung für den Übergang.

Zweite große Baustelle in Sachen ESG ist die Ausrichtung auf mehr Engagement. Der R+V  sei der Fortschritt, den ein Unternehmen macht, sehr wichtig, betont der Stratege. Daher wolle man verstärkt mit Unternehmensführern ins Gespräch kommen.

Auch Bernd Franken von der Nordrheinischen Ärzteversorgung setzt auf Dialog statt Ausschluss. “Man sollte sich nicht darüber unterhalten, ob man französische oder amerikanische Staatsanleihen haben darf. Das ist sehr dogmatisch”, sagt der Geschäftsführer. Dies sei zwar sehr viel “Sucharbeit”, ermögliche aber eine massive Veränderung der Kapitalanlage. Der Fokus bei Umweltkriterien rein auf CO2 sei allerdings zu begrenzt. So engagiere sich die Nordrheinische Ärzteversorgung beispielsweise auch im Bereich Wasser.

Krisenbewältigungsstrategie der EZB

Recht gute Noten gibt es aus dem Publikum für die Krisenbewältigungsstrategie der EZB. Diese beurteilen 44,3 Prozent als gut, 37,7 Prozent als neutral und nur 18 Prozent als schlecht. Allerdings: die Krise ist vorbei, aber die Politik hat sich nicht geändert, bemerkt Martin Rohm, Vorstandsmitglied der Alte Leipziger-Hallesche: “Wir haben 10 Jahre Wachstum gehabt, nur leider sind wir von der Krisenpolitik nie wieder abgerückt.”

Weitere Berichterstattung zum Forum lesen Sie bitte in unserer Printausgabe.

 

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